Der „Quellenhof“ in Velbert benötigt jüngere Therapiepferde

Für Wiebke Schulz sind die Reitstunden jeden Montag ganz wichtig.Vater Hans-Peter Schulz führt das Therapiepferd Joshua, Reittherapeutin Sigrun Vranken achtet auf die Haltung.
Für Wiebke Schulz sind die Reitstunden jeden Montag ganz wichtig.Vater Hans-Peter Schulz führt das Therapiepferd Joshua, Reittherapeutin Sigrun Vranken achtet auf die Haltung.
Foto: FUNKE FOTO SERVICES
Was wir bereits wissen
Seit elf Jahren werden auf dem Quellenhof der Bleibergquelle Kurse für therapeutisches Reiten angeboten. Doch die Pferde werden langsam gebrechlich – Nachwuchs ist gefragt.

Neviges..  Vorsichtig beugt sich Wiebke Schulz vor und tätschelt Joshuas Mähne. „Der Josh tut mir gut“, sagt die 43-Jährige, die seit ihrer Geburt körperbehindert ist. Seit zwei Jahren fahren ihre Eltern sie jeden Montag zum Quellenhof. „Ich glaube, ich war fünf, als ich das erste Mal auf einem Pferd saß, davon gibt’s noch Bilder.“

Mehrere Reitanlagen hat Familie Schulz aus Wuppertal schon ausgekundschaftet, ist es doch erwiesen, „dass die Schrittbewegung eines Pferdes gut ist für die Durchblutung und für die Lockerung der Muskeln gerade bei Rollstuhlfahrern“, erklärt Schwester Sigrun Vranken, Reittherapeutin im Quellenhof des Diakonissen-Mutterhauses Bleibergquelle. Doch auch der Ort ist wichtig, weiß Mutter Antje Schulz: „Zuletzt waren wir in Herdecke, aber das war oft so hektisch, das gefiel uns nicht mehr.“ Genau wie ihre Tochter hoch zu Ross schätzt das Ehepaar Schulz die besondere Atmosphäre, die auf diesem idyllischen Fleckchen Erde herrscht.

Die Pferde kommen in die Jahre

Erfolge bei körperlichen und psychischen Störungen

Und dann ist da natürlich Joshua, von seinen Fans wahlweise liebevoll Josh oder Joshi genannt. Josh, der „keine Angst hat, wenn der Heber kommt“, sagt Wiebke Schulz und meint damit jenes Hilfsmittel, mit dem sie in die Höhe schwebt, um dann gefahrlos auf dem Pferderücken zu landen. Josh, der sofort stehen bleibt, wenn er merkt, dass auf seinem Rücken etwas nicht stimmt, seine Reiterin schief sitzt oder die zusätzlichen Kissen rutschen, die Wiebke mehr Halt geben. Joshua ist eben ein alter Hase als Therapiepferd, erfahren, geduldig – aber leider nicht mehr kerngesund. „Er macht einen tollen Job, hat aber eine chronische Lungenerkrankung“, sagt Schwester Sigrun. Mit seinen mittlerweile 17 Jahren könne Joshua auf absehbare Zeit nicht mehr das volle Programm absolvieren, was umso schwerwiegender sei, da sein Kumpel Jack (20) als Träger von etwas schwereren Erwachsenen komplett ausfalle, Haflingerstute Lucky Arthrose habe und Stute Sina wegen gesundheitlicher Probleme auch nicht mehr so richtig in die Hufe komme. Der Stall, der mittlerweile im elften Jahr therapeutisches Reiten für Kinder mit körperlichen und psychischen Problemen anbietet, braucht also dringend jüngere Therapiepferde.

„Ein Leben ganz ohne Pferde, das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Wiebke Schulz, die nachmittags als Bürokraft tätig ist. Inständig hofft sie, dass Josh noch durchhält. Denn die anderen Vierbeiner können die erwachsene Frau mit den nötigen Spezialdecken und Kissen nicht mehr tragen.

Gute 30 Minuten dauert der Ritt, jetzt in den Ferien geht es auch über den Schulhof der Gesamtschule. Am Ende hält Wiebke ihrem Josh vom Rolli aus ein paar Möhren hin. Als Belohnung, weil er wieder so gut auf sie aufgepasst hat. 65 Euro zahlen ihre Eltern im Monat, das ist alter Tarif, Neueinsteiger zahlen 80 Euro. Die Eltern lächeln, ihre Tochter strahlt glücklich und tätschelt dem Wallach zum Abschied zärtlich das Maul. „Ach, der Josh. . .“