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Der Kämpfer

03.06.2008 | 17:45 Uhr

Leicht hat es Mirsad Bajrami nicht gehabt. Und wären da nicht viele Freunde gewesen, wer weiß, wo er heute wäre. So aber unterrichtet der 16-Jährige bei der LSG andere Jugendliche in Taekwondo

"Für uns ist der Junge Gold wert", sagen Ismet und Melanie Colak über ihren Schüler Mirsad. Der bildet übrigens inzwischen selbst Jugendliche im Taekwondo aus - dank einer Ausnahmegenehmigung erhielt er die C-Lizenz als Trainer schon mit 15 Jahren.Fotos: WAZ, Uwe Vogler

JUNGES LANGENBERG Mirsad Bajrami hat ein Hobby: In der Langenberger Sportgemeinschaft (LSG) kämpft er für die Taekwondo-Abteilung. Und das mit Erfolg. So war er Kinder-Europameister, gehört seit zweieinhalb Jahren zum Landeskader in Nordrhein-Westfalen und ist aktueller Landesmeister.

Dabei sah es vor einigen Jahren ganz düster aus für den gebürtigen Serben. Da saß der heute 16-Jährige nämlich schon fast im Flugzeug Richtung Balkan. Doch mit vereinten Kräften konnte die drohende Abschiebung noch verhindert werden - quasi im letzten Moment. "Mirsads sportliche Erfolge waren dabei eine große Hilfe", blickt seine Trainerin Melanie Colak zurück.

Der damalige Bürgermeister habe ihn persönlich gekannt, genauso wie auch andere Velberter Politiker, ergänzt ihr Mann Ismet. "Wir haben die alle angeschrieben, haben uns an den Petitionsausschuss gewandt und verschiedene bekanntere Menschen hier aus der Region angesprochen." Schließlich konnte das drohende Schicksal in letzter Minute noch verhindert werden.

Und Mirsad ist inzwischen ein ganz wichtiges Mitglied der Langenberger Taekwondo-Familie geworden. "Für uns ist der Junge Gold wert", erzählen die beiden Trainer nicht ganz ohne Stolz. "Mirsad hat beim Training immer ein Auge für die anderen Kämpfer. Wenn er helfen kann, tut er das sofort, gibt Tipps und Hilfestellungen."

Logische Konsequenz: 2007 hat der Jugendliche seine C-Lizenz als Trainer gemacht - mit einer Ausnahmegenehmigung. Denn normalerweise sei er mit 15 noch viel zu jung dafür gewesen, sagt Ismet Colak. "Jetzt unterstützt er uns auf Turnieren als Coach, obwohl er die Lizenz erst zu seinem 18. Geburtstag ausgehändigt bekommt."

Doch der Trainerschein war Mirsad nicht genug: "Ich habe letztes Jahr auch meine Kampfrichter-Lizenz erworben und seit April gebe ich in der Wilhelm-Ophüls-Schule Taekwondo-Stunden für die Kinder im Ganztagsbetrieb", zählt der 16-jährige auf.

Ungewöhnlich findet Melanie Colak dieses Engagement, "schließlich haben Jungs in dem Alter in der Regel andere Interessen und lassen sich selten auf so etwas ein." Doch davon will Mirsad nichts hören. Für ihn ist der Sport ein ganz wichtiger Teil seines Lebens.

Nur eins ist ihm noch wichtiger: "Ich würde gerne mein Abi machen", erzählt der Neuntklässler. "Aber in einem Fach bin ich zurzeit nicht ganz so gut. Da werde ich noch was tun müssen."

Von Sascha Döring

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