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Der gefiederte Sündenbock

04.12.2009 | 19:10 Uhr

Neviges. Der Vogel des Jahres 2010 ist der Kormoran. Auch in Neviges und Tönisheide schaut er von Zeit zu Zeit vorbei.

An den Küsten von Nord- und Ostsee ist er zu Hause, im Baltikum, den Niederlanden, eigentlich von Südamerika abgesehen in der ganzen Welt. Auch am „Schlammteich” in Tönisheide taucht er regelmäßig auf – beziehungsweise unter: der Kormoran, Vogel des Jahres 2010.

Dass der Kormoran aktuell in vieler Munde ist, verdankt er vor allem seinem Titel als vorzeitig gekürter Vogel des Jahres. Bis dato rückte der mit dem Pelikan und dem Basstölpel verwandte Ruderfüßer in den Fokus der Öffentlichkeit, weil er sich fast ausschließlich von Fisch ernährt – und so immer wieder heftige Kritik von Anglern erntete und auch heute noch erntet.

Der Kormoran ist 80 bis 100 Zentimeter groß und wiegt durchschnittlich etwa 2,5 Kilogramm. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) widmete dem kleinen Federfreund eine Broschüre, in der seine Rufe mit „chroho-chroho-chro-ho”, bei den Weibchen auch mit „flii-flii-flii” beschrieben werden. Spaziergängern am Schlammteich dürfte der Kormoran eher durch seine Schönheit aufallen. Glänzendes Gefieder, keilförmiger Kopf, bunter Schnabel mit Hakenspitze.

Zudem imponiert der Kormoran seinen Beobachtern durch exzellente Tauchgänge, auf denen er sich – gerne auch in der Gruppe – seine Nahrung fängt. Das wiederum ist manchen Fischern ein Dorn im Auge. Experten widerlegen jedoch die Argumente, welcher sich die Kormoran-Gegner bedienen, um den Vogel als ein die Fischbestände bedrohendes Tier darzustellen.

Reinhard Vohwinkel, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Helgoland, vertritt eine klare Meinung: „Die Frage ist doch: Stört der Kormoran an einem privaten Gewässer, weil er die Forellen wegholt, oder geht es um Angler, die als Gast an einem Baggerloch ihrem Hobby nachgehen?” Seine privaten Gewässer könne man gut mit Flatterbändern und Vogelscheuchen schützen. Als Gast hingegen müsse man die Gegebenheiten der Natur einfach akzeptieren. In Wülfrath, weiß Vohwinkel, gibt es aktuell drei Kormoran-Paare. Wirklich gute Chancen, sie zu beobachten, habe man am Abtskücher Teich, weil sich die Tiere dort nach ihren Tauchgängen trocknen lassen.

Dr. Helmut Beine vom NABU Velbert hält ebenfalls ein Plädoyer für den behutsamen Umgang mit Kormoranen: „Diese Vögel waren fast ausgerottet. Jetzt haben wir sie wieder und man sollte sie leben lassen. So, wie man jedes Tier leben lassen sollte.”

Der Kormoran wird die Debatte über sein Dasein nicht mitbekommen. Und wenn ihm der Trubel doch zu groß werden sollte, dann macht er einfach das, was er am besten kann: Abtauchen und auf Nahrungssuche gehen – zum Leid einzelner Fischer, im Einklang mit der Natur.

Daniel Duhr

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