"Demo ja, Streik nein"
21.04.2010 | 19:52 Uhr 2010-04-21T19:52:00+0200
Velbert. Für Donnerstag um 11 Uhr rufen verschiedene Organisationen zum Bildungsstreik auf. Die Schulleiter sehen mit gemischten Gefühlen auf dieses Ereignis.
„Wir haben unsere Schüler informiert und sie darin bestärkt, für ihre Rechte einzutreten“, so Rudolf Gerß, stv. Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG). „Aber nicht innerhalb der Schulzeit, sondern außerhalb.“ Es geht um den Bildungsstreik, zu dem heute ab 11 Uhr aufgerufen wird. „Innerhalb der Schulzeit herrscht auch Schulpflicht. Außerdem sei Streik ein Recht der Gewerkschaften“, so der Vize-Schulleiter. Für Schüler gebe es dafür keine Rechtsverordnung. Es müsse zwischen Streik und Demonstration unterschieden werden.
Das Bildungsstreik-Komitee hatte verlauten lassen, dass „wir die Praxis vieler Velberter Schulen bedauern, die bereits im Vorhinein angekündigt haben, Schülern, die sich aktiv am 22. April in den Bildungsstreik einbringen möchten, mit rigorosen Strafen zu belegen.“ Rudolf Gerß zu den Konsequenzen, die das GSG bei der Beteiligung am Bildungsstreik ziehen werde: „Die Zeit der Teilnahme am Streik wird als Fehlzeit im Klassenbuch vermerkt. Sie gilt als unentschuldigt.“
„Rigoros wird unsere Schule nicht handeln“, so Antje Häusler, Leiterin der städtischen Gesamtschule Velbert. Und: „Wir unterstützen die Teilnahme an diesem Bildungsstreik, weil sich seit langer Zeit Schüler mal wieder engagieren. Doch sollen sich die Schüler bei den entsprechenden Lehrern abmelden, damit wir um ihren Verbleib Bescheid wissen.“ Antje Häusler hoffe durchaus, dass derartige Demonstrationen – gerade jetzt vor den Landtagswahlen – für mehr politischen Einsatz für Schulen generell, etwa deren Renovierungen oder die Reduzierung der Klassenstärken sorge und „ein intensiveres Nachdenken über künftige Schullandschaften stattfindet“. Sie sagt: „Deshalb wollen wir diesmal keine Steine in den Weg legen. Doch gilt für die Zukunft, dass wir unser Vorgehen mit anderen Velberter Schulen absprechen werden – auch über die Verlegung einer solchen Demonstration in den Freizeitbereich.“
Der Schulleiter des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums, Werner Schuhmacher-Conrad zum Bildungsstreik: „Ich finde das Wort interessant.“ Eine Demonstration wäre „kein Thema. Aber nicht während der Schulzeit.“ Und: „Ich weiß nicht, ob sich alle Schüler darüber bewusst sind, wofür oder wogegen sie demonstrieren.“ Damit spricht er die „dezidierte politische Richtung an, die hier vorherrscht.“ Und wörtlich: „Sie demonstrieren gegen das Schulsystem, das sie selbst besuchen und sprechen damit auch für die Abschaffung des Gymnasiums.“ Die Konsequenz am NEG: „Unentschuldigtes Fehlen wird als Fehlzeit ins Klassenbuch eingetragen.“ Nicht zu erreichen war gestern die Schulleitung der Hauptschule Am Baum. Die Realschule an der Kastanienallee hatte gestern Elternsprechtag, die Leitung war somit verhindert.
19:12
@Antifa
Glücklicher Weise besteht DIE LINKE. aus mehr als einer Paerson, und wer konnte war auch vor Ort ;-
18:30
Trotz der zahlreichen Androhungen der Schulleitung demonstriende Schüler der Schule verweisen zu wollen, kamen über 1000 Schüler zur Demo.
15:02
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
14:16
@#4 in der tat. wo streiks doch immer nach der arbeit stattfinden.
14:12
Solche Demos sollten ausserhalb der Schulzeit stattfinden, denn dann haetten sie eine deutlich groeßere Aussagekraft. Nur dann koennte man sehen, wieviele wirklich mit der Bildungssituation sehr unzufrieden sind.
13:57
schön das die linke hier kommentare schreibt während die demo läuft. ihr seid die besten leute.
12:39
Wir begrüßen das Engagement der Jugendlichen für eine bessere und gerechtere Bildungslandschaft.
Allen sollte die bestmögliche individuelle Förderung zur Verfügung stehen.
00:17
Wen jucken Fehlzeiten, wenn man/frau sich nicht gerade bewerben muss?
Ja, gerade zu dümmlich, eine solche Androhung aussprechen zu wollen!
Herr Gerß, für eine Gespräch stände ich jederzeit offen.
Da sollen heranwachsende Bürger/innen zu kritischen Bürger/innen erzogen werden hinterfragend... und dieselbigen Institutionen in diesem Fall: Schulen versagen mit vorgeschobenen Argumenten eine Teilhabe an einer Demonstration...^^
Mit Verlaub; ein Eingeständnis des Versagens der Bildungsindustrie, wenn es um die Teilhabe in einer Demokratie geht.
Nicht einmal die im GG festgehaltenen Rechte gelten anscheinend für Schulpflichtige.
Jämmerlich!