Das Velberter Rathaus gehört jetzt den Karnevalisten

Diese Piloten sind von der Feuerwehr Velbert eingeflogen. Eigentlich wollten sie als Saurier kommen.
Diese Piloten sind von der Feuerwehr Velbert eingeflogen. Eigentlich wollten sie als Saurier kommen.
Foto: André Duhme
Was wir bereits wissen
Bürgermeister übergab die Macht erst nach Quiz zum Partnerstädte. Auch die Mitarbeiter ließen sich was einfallen. Ein Rundgang durchs gestrige Rathaus.

Von steinerner Amts-Kühle war im Rathaus nichts zu spüren. Bis Aschermittwoch ist erst mal alles anders als im restlichen Jahr: Gestern haben wieder bunt maskierte und vermummte Menschen das Rathaus gestürmt.

Das Personal hat sich auf den Sturm vorbereitet. Auf den Gängen und in den Fachbereichen: Lachen, Bier und Partylieder, im Treppenhaus riecht es nach Treppenhaus und Pizza, fernes Gelächter ist zu hören. „Herzlich willkommen in der Hölle“, grüßen die Mitarbeiter der Abteilung 3.4. Verbindliche Bauleitplanung und Städtebau. Die hat sich vorübergehend in „Verbindliches Inferno und Fegefeuerplanung“ umbenannt. Interpretationshilfen werden dazu nicht gegeben: „Es ist Karneval“, sagt ein Mitarbeiter schlicht.

Im Jugendamt herrschen die venezianischen Karnevalsmasken. „Damit man uns nicht erkennt“, begründet eine Mitarbeiterin, die nicht erkannt werden will. Im Jobcenter geht es ganz lässig zu. Dort lautet die Losung „siebziger Jahre“. „Wir versuchen immer, die Meinung der Allgemeinheit widerzuspiegeln“, sagen Sabine Calandrelli und Claudia Überlackner-Hof vom Jobcenter-internen Festkomitee. In diesem Fall ist die Meinung, „dass das eine coole Zeit war. Mach mal um 20 Uhr die Nachrichten an: Krieg, Tod, Mord.“ In den Siebzigern“ sei es unbeschwerter zugegangen, „da war noch Spaß und Lockerheit.“

Hier posiert der Hippie mit der Teufelin, da wird am Plastikjoint gezogen, jeder ist dein Freund und hat einen lockeren Spruch auf den Lippen. Sebastian Jung und Marco Riegel sind Averell und Joe; die anderen beiden Daltons, Henning und Christian (Namen geändert), „sind gerade eine Postkutsche überfallen“. Ach ja: Und Bürgermeister Dirk Lukrafka hat sich Weiberkarneval ausgesucht, um sich mit seinen Mitarbeitern als Ringelhemd-, Mützen- und Baguette-Franzosen zu outen. Das nennt man dann: Coming out of the baguette.

Neben den Ideen, die in den Kostümen stecken, hat sich auch Franzose Lukrafka was ausgedacht: Zur symbolischen Übergabe des Rathaus-Schlüssels erklärte er sich erst bereit, als Karnevalsprinz Jungfrau Toto I. und seine Lieblichkeit Birgit I. alle drei Partnerstädte Velberts kulinarisch und musikalisch erkannt hatten. Was er sich dabei gedacht hat: Die Städte Velbert, Corby (England), Châtellerault (Frankreich) und Igoumenitsa (Griechenland) haben sich zusammen als „4forEurope“ bei der EU um Förderung beim Aufbau eines gemeinsamen Netzwerks beworben. Gemeinsam wollen sich die Städte über Potenziale und Problemlagen austauschen, das Abschluss-Treffen soll in Velbert stattfinden. So sind die bunten Kostüme auch ein Bekenntnis. „Es ist ein Zeichen nach außen, dass wir international sind.“