Das Leben in Velbert soll behindertenfreundlicher werden

An den Fußgängerampeln gibt’s keine Summer und hier im Fahrstuhl der Rathaus-Arkaden moniert Bernd Tondorf das Fehlen einer sprachlichen Unterstützung.
An den Fußgängerampeln gibt’s keine Summer und hier im Fahrstuhl der Rathaus-Arkaden moniert Bernd Tondorf das Fehlen einer sprachlichen Unterstützung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Zu Gast bei der WAZ: Bernd Tondorf hat als ehrenamtlicher Behinderten-Beauftragter der Stadt Velbert seine Arbeit aufgenommen. Er sagt: Man weiß viel zu wenig voneinander und muss lernen, miteinander umzugehen.

Velbert..  Eine bekannte Persönlichkeit sollte es sein. Mit profunden Kenntnissen im Behindertenwesen und auch mit Nähe zum Landschaftsverband Rheinland (LVR). Das waren die Kriterien, als der damalige Bürgermeister Stefan Freitag im Sommer 2013 Bernd Tondorf ansprach, ob er bereit sei, das Ehrenamt als Velberts Behinderten-Beauftragter zu übernehmen. Tondorf stimmte zu und wurde im November 2014 vom Rat mit dieser Aufgabe betraut. WAZ-Redakteur Klaus Kahle sprach mit dem Ehrenamtler über sein Aufgabengebiet.

Welche Erfahrungen und welches Vorwissen bringen Sie für dieses Ehrenamt mit?

Tondorf: Ich war 28 Jahre lang Leiter der Förderschule In den Birken, und ich habe selbst eine behinderte Tochter.

Wie ist Ihre Arbeit seit Januar angelaufen?

Zunächst schleppend. Ich musste ja erst einmal auf die Menschen zugehen, mich vorstellen und mit denen Aktionen absprechen, die mit dafür sorgen können, dass das Thema Inklusion in die Breite getragen wird.

Was wollen Sie erreichen? Was können Sie überhaupt bewegen?

Ich will vor allem erreichen, dass Behinderte immer einen Ansprechpartner haben und auch wissen, an welche Institution sie sich wenden können. Außerdem sollen Behinderte und Nichtbehinderte zusammenkommen.

Weshalb haben es Behinderte im Alltag eigentlich oft so sehr schwer?

Weil man einfach viel zu wenig voneinander weiß und erst noch lernen muss, wie man miteinander umgehen muss.

Gibt es Beispiele für ganz einfache, aber wirkungsvolle und hilfreiche Taten?

Es sind nicht unbedingt immer die großen Beschlüsse und Maßnahmen, sondern die kleinen Alltagshilfen, die das Leben möglicherweise erleichtern. Dass sich also zum Beispiel Nachbarn um ihren behinderten Nachbarn kümmern.

Stichwort Rathaus: Kann ein Rollstuhlfahrer als Zuhörer bei einer Ratssitzung teilnehmen, geschweige denn ein Ratsmandat ausüben?

Nein, das geht leider immer noch nicht. Diese Probleme sind uralt, sie sind bekannt und mangels Geld nie gelöst worden.

Wenn jemand zu dem Themenbereich Anregungen oder auch Beschwerden hat, wie kann er Sie erreichen?

Das geht telefonisch unter der Rufnummer 02051/262006 oder per E-Mail an die Adresse bernd.tondorf@velbert.de.

Sind feste Sprechstunden geplant?

Es gibt solche Überlegungen, aber noch keine endgültigen.

Wann hat Velbert das Prädikat „Behindertenfreundliche Stadt“ verdient?

Das dauert! Und das funktioniert erst dann, wenn Zielvereinbarungen getroffen und auch tatsächlich umgesetzt worden sind.