Das Kunsthaus
03.08.2010 | 16:56 Uhr 2010-08-03T16:56:00+0200
Langenberg.Ein Stein über der Eingangstür weist den Weg: „Kunsthaus“ steht darauf. Er ist ein Überbleibsel des Langenberger Kunsthaus-Vereins. Doch es gebe keinen besseren Ort, um ihn zu zeigen, denn diese Villa an der Hauptstraße ist wahrlich ein Kunsthaus. Kein Wunder, wenn man auf das Klingelschild schaut: Hier wohnt Norbert Bauer.
Schon das Treppenhaus ist Ausstellungshaus. Dutzende Gemälde, Poster, Zeichnungen hängen hier und verschönern dem Besucher den Aufstieg. Die Wohnung des Konzeptkünstlers gleicht einer Galerie. Auf dem Klavierdeckel stehen Plastiken. Die Köpfe scheinen den Bewohner und seine Gäste zu beobachten. Eine Figur von der Tuchfühlung steht am Rand, gefüllt mit Stempeln. Sie wirkt umso menschlicher, weil sie Hut trägt. Daneben hängt sein erstes (gekauftes) Bild. Dafür hat sich die Künstlerin in die Psychiatrie begeben und aus dieser Perspektive gemacht.
Viele Werke hat Norbert Bauer getauscht oder auf künstlerischen Raten erworben: „Ich wollte einige Sachen unbedingt haben, hatte aber nicht soviel Geld. Deshalb habe ich angeboten, für die Künstler zu fotografieren. Und irgendwann haben sie mir dann die Bilder gegeben. Die meisten fanden das gut, weil sie gesehen haben, dass ich mich wirklich dafür interessiere“, erinnert sich der Mann mit der Mütze, die er selbst um neun Uhr morgens schon trägt. Zwischendrin hängt ein besonderes Erinnerungsstück: Es zeigt ihn mit einem T-Shirt. „Unerwünscht“ steht darauf und spielt auf die Zeit an, in der sich einige Langenberger über die „Tuchfühlung“-Ausstellung beschwert haben. Damals wurden auch Figuren mit Fleisch gefüllt, das verweste. Oder Klaviere vermoderten auf einem Friedhof. Das störte das ästhetische Empfinden einiger Langenberger so sehr, dass sie ihn zur „unerwünschten Person“ erklärten.
Manchmal sind es kleine Spielereien, die den Ruhratoll-Initiator an den Kunstwerken in seinem Haus begeistern: An einer Wand hängt ein Bild, mit einem gemalten Kerzenstumpen. Davor steht eine richtige. Mit Hilfe eine Spiegels projiziert er die Flamme an die Wand, so dass es wie eine gemalte brennende Kerze aussieht. „Mittlerweile habe ich so viele Sachen, ich weiß gar nicht mehr wohin“, erklärt der 48-Jährige lächelnd. Sammeln ist für ihn kein Selbstzweck, mit jedem Detail in der Wohnung kann er etwas anfangen.
Seine Bleibe ist übrigens aufgeräumt. „Ich habe genug Chaos während meiner Arbeit, da sollte es hier schön ordentlich sein.“ In den Bücherregalen finden sich nicht nur Schmöker über Künstler, sondern ebenfalls Werke zum Kulturmanagement.
1870 wurde der prachtvolle Bau errichtet. Als er damals einzog war es vor allem der Garten, der ihn begeisterte. Steil den Berg hinauf führt das große Grundstücke. Zwischen den selbst angelegten Beeten, stehen, natürlich, jede Menge Skulpturen. „Eigentlich müsste ich hier jede Menge machen, aber momentan bin ich fast jeden Tag in Werden bei den Atollen.“ Oben befindet sich eine Sonnenterrasse. Sein Hund tollt den Garten hinauf, sucht nach dem Ball, den Norbert Bauer im zuwirft.
Eine Wohnform der Zukunft könnte für ihn übrigens eine Alten-WG sein. „Es gibt viele spannende Möglichkeiten, ich glaube, dass wäre irgendwann angebracht, mit Leuten zusammen zu wohnen, mit denen man dann auch Musik machen und sich austauschen kann.“ Nur jeder sollte seinen Freiraum haben. Eine Gemeinschaftsküche wäre tabu.
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