Das etwa andere Märchen

Die drei Hexen haben ihre liebe Not, Schlamputtelchen im passenden Märchen unterzubringen.Das Märchencrossover wurde gespielt von den Tanzhaus-Gruppen Acatalent und Pirnahas.
Die drei Hexen haben ihre liebe Not, Schlamputtelchen im passenden Märchen unterzubringen.Das Märchencrossover wurde gespielt von den Tanzhaus-Gruppen Acatalent und Pirnahas.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Theaterpädagogin Ali Bongers entwickelte „Schlamputtelchen“ mit den Jugendlichen vom Tanzhaus Kossmann. Begeisterte Zuschauer bei der Premiere.

Velbert..  „Es war einmal“: Wie jedes Märchen beginnt auch „Schlamputtelchen“ mit eben diesen Worten. Abgesehen davon ist die Eigenproduktion der Schauspielgruppen Actalent und Piranhas des Tanz- und Theaterhauses Kossmann jedoch alles andere als ein gewöhnliches Märchen.

Im Wald ausgesetzt

Aus alter Tradition befiehlt der Elfenkönig, Menschenkinder zu stehlen und sie ins Märchenland zu bringen. Dieses Mal sind seine zwei Diener mit dem schreienden Mädchen jedoch so überfordert, dass sie es unentdeckt im Wald aussetzen. Drei Hexen finden das Kind im Schlamm, woraufhin sie es „Schlamputtelchen“ taufen. Als Schlamputtelchen älter wird, möchte sie zu einem Märchen dazugehören. Doch wo die Hexen sie auch unterbringen, sei es im Froschkönig oder in Rotkäppchen, jedes Mal bringt das Mädchen die ganze Geschichte durcheinander. Als der Elfenkönig dann noch herausfindet, was seine Diener vor Jahren angerichtet haben, ist er stinksauer und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Mit humorvollen Texten und witzigen Figuren bringen die jungen Schauspieler zwischen zwölf und zwanzig Jahren das Publikum zum Lachen. So ist einer der sieben Zwerge schizophren und Rotkäppchens „Omma“ spricht mit bestem Ruhrpott-Dialekt. „Dabei hat ,Schlamputtelchen‘ durchaus auch eine Botschaft“, sagt Theaterpädagogin und Regisseurin Ali Bongers, die das Stück gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelt hat. „Es ist eine Geschichte vom Suchen und Finden. Denn wie viele junge Menschen ist auch Schlamputtelchen auf der Suche nach dem Ort, an den sie gehört.“ Die Idee, ein Märchen zu schreiben, sei zuerst da gewesen, anschließend habe man darauf aufgebaut. „Am Anfang haben wir uns viel durch Improvisation erarbeitet und uns durch andere Märchen inspirieren lassen“, so Bongers.

Die Gruppe probt seit September letzten Jahres. Dass sich die Mühe gelohnt hat, zeigt die Resonanz der Zuschauer. „Es ist ein wirklich gutes und vor allem lustiges Stück“, findet Larissa (24), die Schwester einer der Schauspielerinnen. „Auch die Mischung der Märchen ist gelungen. Die Rolle der ,Omma‘ gefällt mir besonders“. Dustin (ebenfalls 24) lobt darüber hinaus das Schauspiel. „Die Darsteller spielen ihre Rollen richtig gut“, sagt er. „Da war nicht ein Texthänger dabei.“

Zum Schluss gibt es aber doch noch eine Gemeinsamkeit zu den „normalen“ Märchen. Denn wie sollte es enden, wenn nicht mit den Worten: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“