Das Dach des Doms in Neviges wird ab April saniert

Das marode Dach des Mariendoms in Neviges wird ab April saniert.
Das marode Dach des Mariendoms in Neviges wird ab April saniert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das marode Dach des Mariendoms in Neviges wird saniert. „Wenn alles gut geht, können wir in drei Monaten anfangen“, sagt Erzdiözesanbaumeister Martin Struck.

Neviges..  Nächste Woche, am 23. Januar, wird der weltbekannte Architekt Gottfried Böhm 95 Jahre alt. Sein wohl schönstes Geburtstagsgeschenk: Das Dach seines Mariendoms, der als eine der Architektur-Ikonen des 20. Jahrhunderts gilt, wird endlich saniert. „Wenn alles gut geht, können wir in drei Monaten anfangen“, sagt Erzdiözesanbaumeister Martin Struck aus Köln.

Die nötigen 2,9 Millionen Euro für die aufwändige Sanierung des zeltartigen Betondaches der Wallfahrtskirche, durch das es seit Jahren immer mal wieder tropft, sind zwar noch nicht ganz zusammen. Doch nachdem der Bund Ende des Jahres 300 000 Euro aus dem Denkmalschutzprogramm locker gemacht hatte, ist die Sicherung der Gesamtfinanzierung in greifbare Nähe gerückt und Diplom-Ingenieur Martin Struck kann jetzt zumindest planen. Zwei Millionen gibt das Bistum, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn – eine gemeinnützige Stiftung – hat ebenfalls Geld in Aussicht gestellt. Eine Absage gab es von der NRW-Stiftung und von der Stadt Velbert.

Nun herrscht zwar bekanntermaßen Haushaltssperre, aber eines wundert Erzdiözesanbaumeister Struck doch: „Einerseits ist Geld da, um den Dom anzustrahlen, andererseits ist die Stadt nicht bereit, ihre vielfach bekundete Wertschätzung angemessen zu zeigen.“ Zumindest über eine symbolische Summe, und wäre sie auch noch so klein gewesen, wäre er schon froh gewesen, hätte es doch das Engagement weiterer Sponsoren erleichtert. „Der Dom ist wichtig für Neviges, er hat eine riesige Anziehungskraft für die Menschen von außerhalb, und das nicht nur bei der Wallfahrt.“

Zurzeit ist der vom Erzbistum beauftragte Architekt dabei, die Ausschreibungen aufzusetzen. In Frage kommen nur spezielle Firmen, die sich mit der Anwendung von kohlefaserverstärktem Spritzbeton auskennen. „Angewandt wird ein neuartiges Verfahren, bekannt auch bei der Brückensanierung. Der faserarmierte Spritzbeton verhindert eine Rissbildung im Zuge bauteilbedingter Spannungen“, erklärt der Erzdiözesanbaumeister.

Seltene Zeltdachkonstruktion

Denn so architektonisch reizvoll und vielmals bewundert die zeltdachartige Konstruktion auch ist, sie ist nicht ganz „pflegeleicht“, hier sind ausgewiesene Experten gefragt. Die Dachfläche der hinter dem Kölner Dom zweitgrößten Kirche der Erzdiözese misst insgesamt stattliche 2700 Quadratmeter. Nun ist zwar nicht das komplette Dach marode, aber es muss, das ist der Konstruktion geschuldet, im Ganzen bearbeitet werden. Preiswertere Möglichkeiten, also nur die einzelnen Schäden punktuell zu beheben, sind demnach nicht möglich.

Bei den Franziskanern und auch der Familie Böhm herrscht jedenfalls Freude darüber, dass nach mehr als einem Jahr Stillstand mit der Sanierung begonnen wird. „Toll, dass es jetzt klappt, Herr Struck hat da unwahrscheinliches Engagement gezeigt“, lobt Peter Böhm, Sohn des Domerbauers und selbst Architekt in Köln mit den Schwerpunkten Verwaltungs,- und Sakralbau. Unermüdlich schrieb Baumeister Struck Förderanträge, ging auf Sponsorensuche. Denn schon im Vorfeld gab es viel zu organisieren.

„Der Forschungsaufwand war schon erheblich“, erinnert sich Peter Böhm an die Laborversuche des renommierten Instituts für Bauforschung IBAC der Technischen Hochschule Aachen. Bei den monatelangen Untersuchungen wurden immer wieder Muster hergestellt und untersucht, dabei auch „unter Stress gesetzt“, so der Architekt. Unter Laborbedingungen malträtierten Blitz, Frost und Regen die diversen Muster, bis sich als beste Lösung jener Spritzbeton herauskristallisierte, der, so Böhm, auch zur Abdichtung von Wasserbehältern eingesetzt wird. „Damit wird die ursprüngliche Optik des Baus wiederhergestellt. Und darüber ist mein Vater natürlich sehr froh.“