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Das bisschen Haushalt... ist für viele junge Leute in Velbert ein Problem

28.06.2012 | 09:11 Uhr
Das bisschen Haushalt... ist für viele junge Leute in Velbert ein Problem
Lilo Friedrich weiß, wie’s geht: Die Ex-Bundestagsabgeordnete hat ein Putzunternehmen gegründet.

Velbert.   Von wegen: Immer mehr junge Menschen sind überfordert, wenn es ums Einkaufen und Putzen geht. Für SKFM und Diakonie gestaltet sich die Hilfe schwierig.

Einkaufen, kochen, spülen, staubwischen oder saugen – für die meisten reine Routine. Doch immer mehr junge Frauen und Männer sind nicht in der Lage, einen Haushalt zu führen, geschweige denn mit ihrem Budget umzugehen. Das stellen SKFM und Diakonie vermehrt fest. Doch wie kommt es zu diesem Phänomen? Geben die Eltern entsprechende Grundkenntnisse nicht mehr an ihre Sprösslinge weiter?

Laut Claudia Schmidt, Fachbereichsleitung beim SKFM, gibt es mehrere Gründe. „In der heutigen Zeit dominieren Ein-Kind-Haushalte, in denen diese oft nicht mit in den Haushalt eingebunden werden. In einer Großfamilie fällt mehr Arbeit an, da werden alle Mitglieder mit einbezogen“, stellt sie fest. Nach einem langen, anstrengenden Schultag würden viele Eltern dem einzigen Kind nicht auch noch die Hausarbeit aufbrummen wollen.

So lieb gemeint die Entlastung ist, so kontraproduktiv ist sie auch. Denn: Dadurch erlernen die Kinder nicht den Umgang mit Schwamm, Staubtuch und Sauger. Hier sollten die Schulen ansetzen, wie die Fachbereichsleiterin erklärt: „Hauswirtschaft, Kochen, aber auch Finanzmanagement sollten wie früher verpflichtende Kurse an allen Schulen sein“, betont Schmidt.

Auch die Elternschule bietet Hilfen an

Auch Werner Starke, Geschäftsführer der Diakonie Niederberg, ist die mangelnde Kenntnis in Sachen Haushalt aufgefallen. „Bei der Velberter Tafel kommen wir oft mit jungen Familien in Kontakt, denen wir beispielsweise erklären, was man aus Spargel alles kochen kann“, so Werner Starke.

Auch der SKFM hat die Überforderung junger Familien erkannt. „Gemeinsam mit der VHS bieten wir die Elternschule an, in der die jungen Erwachsenen den Umgang mit den Kleinen erlernen. Denn nicht in jedem Fall ist ein Schutz gut“, weiß Claudia Schmidt.

Meist hapert es an mehr als nur am Kochen und Putzen, hat der Geschäftsführer der Diakonie wiederholt beobachtet. „Oft fliegen Jugendliche aus dem Elternhaus, sind drogenabhängig und haben erhebliche Probleme, mit Geld umzugehen. Wenn wir das bemerken, bieten wir persönliche Beratung an.“

Betroffene sehen ihr Problem nicht

Genau darin liegt ein weiteres Problem: Die Diakonie sowie der SKFM können die jungen Menschen nicht ausfindig machen; sie müssen die Beratungsstellen von sich aus aufsuchen. „Wir bieten eine individuelle Beratung, erstellen ein Haushaltsbuch und gehen über einen längeren Zeitraum mit den Betroffenen einkaufen“, so Starke. Spezifische Kurse bieten allerdings weder die Diakonie Niederberg noch der SKFM an. „Wir haben in Kooperation mit der Verbraucherzentrale vor einiger Zeit einen Kurs zum Thema Schuldenregulierung und Haushaltsmanagement angeboten. Leider konnte er mangels Interesse nicht stattfinden“, bedauert Claudia Schmidt. Oft sei gar kein Problembewusstsein vorhanden: Die Menschen bemerkten nicht, dass sie Schwierigkeiten hätten. Das mache es den helfenden Stellen sehr schwer, an die Menschen heranzutreten, die sie brauchten.

Susanne Kollmann



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