City in Velbert ist besser als ihr Ruf

Die Gestaltung und Bebauung der Querachse Blumenstraße hält der Gutachter für recht gut gelungen.
Die Gestaltung und Bebauung der Querachse Blumenstraße hält der Gutachter für recht gut gelungen.
Foto: www.blossey.eu
Das sagt der Gutachter, der jetzt sein Aktivierungskonzept vorgelegt hat. Innenstadt und Handel sollen nach vorne gebracht werden. Fachmann rät: Mut zum zweiten Versuch beim Marktzentrum. Und das miese Image muss weg.

Als Michael Karutz im Vorjahressommer seine Arbeit vor Ort begonnen hat, da traf er „auf sehr viel Skepsis, eine depressive Grundstimmung, auf Sehnsucht nach alten Zeiten“. Das alles könne er aber als Gutachter so nicht teilen: „Die Velberter City ist besser als ihr Ruf.“

Was der Dipl.-Geograph und Projektleiter der von der Stadt mit einem Aktivierungskonzept beauftragten „CIMA Beratung + Management GmbH“ immer wieder hörte, war die „Früher-war-doch-alles-besser“-Formel. Die lege sich wie „Mehltau“ über die angestrebte Aktivierung der Innenstadt und gehöre durchbrochen, so der Gutachter, der heute – nachdem er die City monatelang unter die Lupe genommen und eine Vielzahl von Gesprächen geführt hat – sagt: „Die Stadt ist keine schlechte Einkaufsstadt. Hier kann man sehr gut einkaufen und muss nicht gleich in die Oberzentren fahren!“

Selbstverständlich hat Karutz die Defizite – so auch im Handel – nicht übersehen. Etwa in Sachen Jugend, Feinkost, Haushaltswaren oder Textilsortiment. Zwecks „Marktabschöpfung“ sieht er durchaus Bedarf und Potenzial für „etwa neun- bis elftausend Quadratmeter“ mehr Verkaufsfläche. Und rät dringend davon ab, „ein totes Rennen zwischen zwei Großimmobilien“ – Hertie und Marktzentrum – zu veranstalten. Lieber „eine Entwicklung richtig gut machen“ und „Mut zum zweiten Versuch im Bereich Marktzentrum“. Mit der Hülle könne man nichts mehr anfangen; stattdessen ein neuer Ansatz – „auch qualitativ“ –, um einen Frequenzbringer mit Magnetwirkung zu etablieren.

Angebot wichtiger als Parkplätze

Das soll auch helfen, die 1 a-Lage längs Friedrich- zwischen Grün- und Bahnhofstraße deutlich nach Norden auszubauen. Dort besteht für den Gutachter ein „Quartier der Vielfalt“ mit „versteckten Perlen“, die man herausstellen müsse. Denn die vorhandene 1 a-Lage hält der Fachmann für zu kurz, hingegen die Fußgängerzone insgesamt für zu lang. Konzentration auf die Kernlagen, müsse die Devise lauten. Und in den Bereichen darüber hinaus, etwa in der Oberstadt, sei man gut beraten, innenstadtnahem Wohnen den Vorrang einzuräumen. Sehr eindringlich warnt Michael Karutz vor einer Innenstadt ohne Nahversorgung.

Seines Erachtens muss die Interessenvertretung des Einzelhandels schlagkräftiger werden, müssen vor allem alle gemeinsam daran arbeiten, einen Imagewandel hinzubekommen. Das gehe gewiss nicht von heute auf morgen, sei jedoch absolut unerlässlich.

Der Handel trage zwar gerne das Parkplatz-Thema vor, sagt der CIMA-Projektleiter, doch sei das nicht das Entscheidende: „Das Angebot muss stimmen! Die Leute sollen mit Lust und Laune in die Stadt kommen.“ Allerdings wäre ein gescheites Park- und Wegeleitsystem im Sinn einer „Willkommenskultur“ wichtig. Das jetzige Hinweisschild „Velbert gut gefunden“ sei hingegen „eigentlich Realsatire“.

Chance auf Fördermittel

Wir schreiben ein Integriertes Handlungskonzept für die Entwicklung der Innenstadt von Velbert-Mitte. Das geht über das hinaus, was Herr Karutz erarbeitet und vorgelegt hat“, sagt Heike Möller. Dienstag will sich die Abteilungsleiterin Generelle Planung und Stadterneuerung dafür vom Rat grünes Licht geben lassen.

Denn laut Möller ist Eile geboten, bestehen ganz offensichtlich sehr gute Aussichten, Fördermittel an Land ziehen zu können. Die Bedingung für die Beantragung von Städtebaufördermitteln ist allerdings die, dass besagtes Konzept fristgerecht bis zum 27. Februar bei der Bezirksregierung in Düsseldorf auf dem Tisch liegt. Für diesen Fall hat man Velbert „zeitnah“ eine Förderung grundsätzlich in Aussicht gestellt. Andernfalls würden heuer noch keine Projekte bewilligt.