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Historische Postkarte

Champs-Élysées von Neviges

19.12.2011 | 17:59 Uhr
Champs-Élysées von Neviges
Dieses Foto der Wilhelmstraße wurde vor Juli 1913 gemacht, später als Postkarte verkauft und versendet. Repro: Uwe Möller

Neviges.Alte Zeiten – neue Zeiten, aber derselbe Blickwinkel. Die Wilhelmstraße! Diese alte Postkarte mit der Nevigeser Ansicht trägt den Poststempel vom 1. Juli 1913 und wurde nun im Stadtarchiv wiederentdeckt. Nach über 98 Jahren hat sich einiges geändert. Der freie WAZ-Fotograf Uwe Möller hat sich auf die Suche gemacht, um die Sicht des Schwarz-Weiß-Fotografen nachzustellen.

An dieser Stelle blickt man auf die Wilhelmstraße in Richtung Stadthalle. Vorne quert heute die Fußgängerzone, die Elberfelder Straße. Die Schienen der Straßenbahn, weiß der Historiker Gerd Haun zu berichten, sind die „der Bergische Kleinbahn AG“ gewesen, eine Schmalspurbahn“. Sie sei Transportmittel für Personen und Waren gewesen. Der Historiker ergänzt, dass Güter nur zwischen Kettwig über Heiligenhaus nach Velbert transportiert wurden. „Die Bahn führte von Neviges nach Velbert, nachdem dort schon ein Eisenbahnanschluss war.“

Haun erklärt, es habe eine „Zwangshaltestelle in Höhe der heutigen Stadthalle gegeben, damit die Bahn vor der Kurve zum Stehen kam.“ Mehrere Unglücke gaben den Anlass, das Tempo bis zum Stillstand zu drosseln. Die Straße verläuft abschüssig und machte dann eine Rechtskurve in die Elberfelder Straße (heutige Fußgängerzone). An dieser Stelle ist die Bahn tatsächlich einmal umgekippt.

In Höhe der heutigen Stadthalle gab es eine „Zwangshaltestelle“

„An einer fast rechtwinkeligen Kurve, der Windmüller-Kurve“, (Elberfelder Straße), ergänzt Haun, „lief der Schaffner sogar vorweg.“ Wenn der Bahn ein Lastwagen entgegenkam, wurde es eng, „sogar schon bei Autos“, fügt der pensionierte Lehrer zu. Dann half nur noch eins: Den Rückwärtsgang einlegen.

Haun schaut sich die Karte genau an und berichtet auch vom so genannten Judenberg, den man durch eine Baulücke über eine Treppe erreichte. „Früher“, erinnert sich Haun, „hat dort ein jüdisches Bethaus gestanden.“ Heute steht an dieser Stelle der Hochbunker. Die Treppe gibt es noch immer. „Am Ende der Treppe auf der linken Seite war das Bethaus.“ Heute befinde sich dort ein Garten.

Das Möbelhaus Eller schloss die Baulücke

Die Baulücke auf der rechten Seite wurde durch das Möbelhaus Eller geschlossen. Und etwas weiter hinten, in dem Haus mit dem Erker und Turm drauf, wurden Drogerieartikel verkauft. Bei Renovierungsarbeiten hat die Turmspitze dran glauben müssen. Jetzt hat der Erker nur noch ein kleines Dach. „Gute und anspruchsvolle Kleidung konnte bei Imhorst gekauft werden oder aber bei Hesse.

Auch an den unrühmlichen Teil der Geschichte erinnert er sich. Da die Wilhelmstraße im Dritten Reich ideal für Aufmärsche war, gibt Haun ihr den Beinamen „Champs-Élysées von Neviges“. Nach einem feierlichen Festakt in der Stadthalle marschierten die Uniformträger die Wilhelmstraße hinunter. „Nach einem Bombenangriff 1944 wurden die Särge der Opfer auf dem Schulhof in der Weststraße aufgebahrt.“ Von dort führte der Leichenzug über die Tönisheider- an der Polizei vorbei auf die Wilhelmstraße.

Nicole Krzemien

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