"Burn-out ist ein Modebegriff geworden"
11.09.2009 | 06:55 Uhr 2009-09-11T06:55:00+0200
Neviges. Während der allgemeine Krankenstand in Deutschland gesunken ist, haben psychische Erkrankungen in den vergangenen fünf Jahren um 60 Prozent zugenommen. Birgit Lambers, freie Psychotherapeutin und Trainerin in Betrieben, sprach mit Volontärin Julia Hildebrandt über das Burn-out-Syndrom.
Frau Lambers, was heißt eigentlich Burn-out?
Birgit Lambers: Das ist englisch für „ausbrennen”. Eigentlich kommt der Begriff aber aus dem Motorradsport. Dort nennt man den Verschleiß eines Reifens Burn-out.
Im Moment hört man ständig von dieser Krankheit. Woran liegt das?
Lambers: Burn-out ist ein Modebegriff geworden, der inflationär gebraucht wird. Oft wird Stress mit Burnout gleichgesetzt – das ist falsch. Wir sind nämlich durchaus so ausgestattet, dass wir ein hohes Stressniveau über einen ziemlich langen Zeitraum aushalten können.
Wo liegt dann der Unterschied?
Lambers: Burn-out bedeutet Dauerbelastung und Stress über einen langen Zeitraum - mindestens ein halbes Jahr lang. Das ist ein langsamer, schleichender Prozess.
Wie macht sich das Burn-out-Syndrom bemerkbar?
Lambers: Vorneweg: Nur wer mal für seinen Beruf gebrannt hat, kann auch ausbrennen. Man unterscheidet fünf Phasen. Die erste ist geprägt von Idealismus. Vor allem Berufsanfänger lassen in der neuen Aufgabe viel Kraft und wollen ihre Ideen umsetzen. Diese Phase muss irgendwann aufhören, denn sie ist auf Dauer nicht aushaltbar. In Phase zwei stehen Realismus und Pragmatismus im Vordergrund. Das ist eine gute und gesunde Phase.
Ab wann wird es kritisch?
Lambers: In Phase drei wird der Funkenflug matter. Die Betroffenen erleben eine erste herbe Enttäuschung. Das macht sich häufig sprachlich bemerkbar. Die Sprache ist distanzierter, abwertender, es fallen zynische Bemerkungen. Eine Krankenschwester spricht beispielsweise nicht mehr vom Patienten in Zimmer drei, sondern nur noch vom „Magen”. Außerdem zeigen sich erste körperliche Symptome, die häufig nicht ernst genommen werden.
Ist zu diesem Zeitpunkt schon Hilfe von außen nötig?
Lambers: Nein. Phase drei erreicht jeder mal in seinem Berufsleben, das ist unser Alltag. Kritisch ist Phase vier. Es kommt zu Rückzug und Depression, auch die Kollegen merken, dass etwas nicht stimmt. Kleine Zipperlein werden zu Krankheiten. Bis zu diesem Punkt kann der Betroffene aber noch jederzeit aus dem Prozess aussteigen.
Wann ist professionelle Hilfe vonnöten?
Lambers: In Phase fünf. Der Mensch legt sich selbst lahm, ist apathisch und verzweifelt. Das wünsche ich keinem. Wer in Phase fünf ankommt, ist selten unter drei Monaten arbeitsunfähig. Manche werden nie mehr so leistungsfähig wie früher.
Wie kann ich mich schützen?
Lambers: Man muss lernen, sich und seine Bedürfnisse ernst zu nehmen, sich fragen, wo sind die Energie-Räuber in meinem Leben. Wie kann ich auftanken.
Und wie kann ich auftanken?
Lambers: Aktiv sein: Sport, Gartenarbeit, malen, tanzen. Das, was in mir drin ist, muss raus. Viele neigen zu Bewältigungsstrategien, die nicht gut sind. Fernsehen zum Beispiel. Das ist zu passiv.
Wie können die Kollegen helfen?
Lambers: Den Betroffenen ansprechen, ihm klar machen: Sorge für dich.
Wer ist vom Burn-out betroffen?
Lambers: Meist Menschen im mittleren Alter, die einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt sind und gleichzeitig wenig Mitbestimmung und Anerkennung erfahren. Das zieht sich durch alle Berufsgruppen und trifft Männer ebenso wie Frauen.
Was ist der Auslöser?
Lambers: Burn-out wird fast immer durch ein privates Ereignis ausgelöst. Wenn ich eine hohe Arbeitsbelastung habe, reicht mein Krafttopf meist nicht mehr für private Probleme.
18:38
Burn out?*******,hab ich jetzt auch glaubich.
08:08
oops , soll natürlich heißen : ... neben ihrer beruflichen Eignung
runningvalentino
08:06
Mobbing am Arbeitsplatz ist eine häufig unterschätzte Größe. Mitarbeiter werden von ihren Chefs/ Vorgesetzten gemobbt, weil Letztere keine Ahnung von Menschenführung besitzen. Häufig finden sich in Führungspositionen Menschen, die wegen ihrer beruflichen Eignung noch die Qualität eines menschlichen A--------loches besitzen.
Da Macht bekanntlich korrupt macht entstehen merkwürdige Betriebsbedingungen, die häufig MA frustrieren und krank machen .
runningvalentino
18:39
Das hat zur Folge, dass insbesordere schwer Kranke vorzugsweise gemobbt werden!
14:51
Da liest man ganz oben, daß der Krankenstand gesunken ist.
Diese Info ist schlicht und einfach falsch.
Es gehen immer mehr kranke und schwerkranke Menschen ihrer Arbeit nach.
So sieht es doch aus.
09:55
@esreicht:
Burn Out ist also eine Mode wie ADHS ? Interessant. Sie wissen schon was ADHS ist oder ?
Ich denke dass diese ganzen Depressionen aus dem neuen gesellschaftlichen Druck entstanden sind bzw. entstehen.
Alles muss größer, besser, schneller und neuer sein, dazu muss die Leistung auch passen.Baut der eine Nachbar sich einen Kamin muss man den auch haben, hat der nächste die neue Gartenhütte muss man die auch haben. Die Menschen sollten nicht vor sich selber weglaufen oder andere Leben leben, sie sollten sich um sich kümmern und das Leben geniessen, Ruhepole und Actionpole schaffen und nicht in Trägheit dahin gehen.
Und wenn das zu Hause nicht zu realisieren ist dann muss man darüber reden und wenn das immer noch nichts bringt dann muss man seinen Weg halt gehen. Den Partner mal ziehen zu lassen und Freiraum zu geben bringt manchmal mehr als ihn einzusperren.
18:48
Burn out ist genauso Mode wie ADHS.
Mein Kind hat ADHS und deshalb hab ichs nicht im Griff.
12:36
@Wurstverkäufer
du mußt dringend was tun bzw ändern, sonst wird das böse enden. Und das solltest du nicht irgendwann, sondern jetzt, heute ! Deiner Familie und vor allem Dir zuliebe.
Es ist höchste Eisenbahn !!!
Ich drücke dir die Daumen ;-)
23:20
Ich habe in den 80er 40 Stunden die Woche gearbeitet. Heute arbeit ich echte 43 Stunden, berüksichtige ich die Arbeitsverdichtung sind es 47 - 50 Stunden. Damels waren es tariflich 40, heute 38,5 Stunden. Damals wurden Überstunden bezahlt, heute sind sie selbstverständlich und selbstverständlich kostenlos für den Arbeitgeber. Und da wundert man sich, wenn der Mitarbeiter irgendwann nicht mehr kann.
Danke Dr. Kohl für die geistig-moralische Wende!
20:02
Ich bin seit 7 Jahren im Vertrieb tätig und kann das einfach alles nicht mehr. Ich habe oft kein Lust mehr zu reden weil ich das den ganzen Tag mache.
Privat habe ich viele Freunde und Bekannte verloren weil ich kein Bock mehr habe gute Laune zu spielen wenn ich sie nicht habe wie den ganzen Tag auf der Arbeit oder ich sagte was ich dachte was ich auf der Arbeit im Verkauf auch nicht machen kann.
Dazu der ganze Druck von oben weil die Ziele zu schiessen sind und man jeden Tag raport machen muss und wenn man einen guten Tag hatte dann heißt es nicht klasse sondern ja aber morgen wiederholen ne ..........................
Das hat sich dann ganz langsam auch zu Hause eingeschlichen. Keine große Lust mehr zu reden, keine große Lust mehr auf Unternehmungen oder auf Familienfeste oder sonstiges.
Ich habe mich immer mehr und mehr zu Hause verschanz bis ich dann immer früher und früher Feierabend gemacht habe. An manchen Tagen hatte ich keinerlei Antrieb überhaupt irgendetwas zu machen.
Meiner Meinung nach ist die Arbeit der Hauptauslöser, gefolgt von Menschen die was anderes sein möchten als sie sind und damit nicht klar kommen und immer nur im Früher Leben.