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Büchermarkt

Bücher satt in der Bücherstadt

19.09.2012 | 01:00 Uhr
Bücher satt in der Bücherstadt
Büchermarkt an der Alten Kirche in Velbert-LangenbergFoto: Uwe Möller

Langenberg.   Mit dem zehnten Büchermarkt lockte die Bücherstadt vor allem wiederBesucher von außerhalb. Die heimischen Antiquariate ergänzten das Angebot

Vorsichtig und präzise löst er den Rücken seines Patienten ab und hebelt den Deckel auf. Sein Geschichtsausdruck spricht für sich. „Jetzt nur keinen Fehler machen“ steht in diesem geschrieben. Aus seiner Sammlung alter Materialen hat er bereits einen neuen Rücken angefertigt. Noch den speziellen Kleber auftragen und fest in der Klotzpresse einspannen. Nein, das ist keine Szene aus einem Horrorfilm. Michael Rönsberg ist Buchbindemeister und zeigt den Liebhabern des beschriebenen Papiers auf dem zehnten Büchermarkt, dass sich so gut wie jedes alte Schätzchen wieder herrichten lässt.

Buchbinder aus Leidenschaft

Vor 50 Jahren ist Michael Rönsberg in die Lehre zum Buchbinder gegangen, ist seit 40 Jahren Meister seines Handwerks. Langeweile kennt er nicht: „Es bereitet mir immer noch große Freude. Schließlich habe ich das Glück, Beruf und Hobby vereinen zu können“, so der Restaurateur. Eine besondere Herausforderung sind die ganz alten Werke. „Das älteste geschriebene Buch, das ich restauriert habe, war von 1478 und eine Pergamenthandschrift. Das älteste gedruckte Exemplar war nur zwei Jahre jünger. Diese Bücher wieder originalgetreu herzustellen, ist eine echte Herausforderung“, erklärt der 65-Jährige und ergänzt mit strahlenden Augen, dass es ein tolles Gefühl sei, so kostbare Werke in Händen zu halten. Wie in vielen Berufen gibt es auch beim Buchbindemeister eine Kehrseite. „Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie jemand versucht, den Rücken anzukleben“, so Rönsberg, der seit zwei Jahren sein Antiquariat in der Mühlenstraße betreibt. Genau so einen Fall habe er gerade vor sich: ein wirklich schönes Buch einer limitierten Auflage von 1863, aber völlig unbrauchbar, lesen lässt es sich nicht. Der Buchbinder erklärt, warum. „Da hat jemand vermutlich mit Pattex versucht, Rücken und Deckel anzukleben, so dass es sich kaum noch öffnen lässt. Alleine das Lösen des Klebers wird heikel.“ Er ahnt, was auf ihn zukommt. Doch abschrecken lässt sich der Meister nicht. „Diese Herausforderungen sind es, die meine Tätigkeit so aufregend macht.“

Immer wieder neue Erfahrungen

Der Büchermarkt hat wieder allerhand zu bieten. Kinderbücher, Spiele und Postkarten warten auf neue Besitzer. An erster Stelle stehen natürlich die Taschenformate und Wälzer. Besonders der Geruch von verstaubten und vergilbten Exemplaren scheint es den Besuchern angetan zu haben. „Vor wenigen Minuten bin ich von einem Herrn nach alten Weinkarten gefragt worden“, sagt Rudolf Zaunbrecher. Trotz mehrjähriger Erfahrung auf dem Markt am Kirchplatz staunt er über die Sammelleidenschaft der Leute. „Die Geschichte dahinter ist am spannendsten.“ Rudolf Zaunbrecher selbst stöbert am liebsten in Kunst- und Malereibüchern. Die hätten es ihm einfach angetan, gibt er zu. Der Buchliebhaber verkauft nicht nur. Sehr gerne hält er auch nach Schätzen für sich Ausschau. Auch wenn er ohne neue Errungenschaften nach Hause fährt, er wird im Mai auf jeden Fall wieder seinen Stand im historischen Stadtkern aufbauen.

Susanne Kollmann



Kommentare
19.09.2012
21:04
Bücher satt in der Bücherstadt
von TheoWolff | #1

Solche Berichte braucht kein Mensch. Hat die WAZ was mit dem Bücherstadtverein? Wo bleibt die gebotene Distanz?

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