Bewegende Zeiten
11.08.2009 | 16:39 Uhr 2009-08-11T16:39:00+0200
Neviges. Noch bis einschließlich Sonntag gibt es im evangelischen Gemeindehaus an der Siebeneicker Straße eine Ausstellung zum Thema Erste Bergische Synode, die hier am 21. Juli 1589 stattgefunden hat.
Die Reformierten unter den evangelischen Christen feiern 2009 den Theologen Johannes Calvin. Und in diesem Jahr rückt auch Neviges in den Blickpunkt historischen Gedenkens: Vor 420 Jahren hatten sich Evangelische, die als Reformierte in der Theologie Calvins ihre Glaubensheimat gefunden hatten, am 21. Juli 1589 im Nevigeser Pfarrhaus zur ersten Bergischen Synode versammelt. Die Gemeinden Elberfeld, Sonnborn, Haan und Schöller, Mettmann und Neviges sandten damals Vertreter nach Niederberg.
Dieser Termin ist dem evangelischen Kirchenkreis Niederberg und der Kirchengemeinde Neviges ein Festgottesdienst und eine Ausstellung wert: Am kommenden Sonntag, 16. August, wird zunächst zum Gottesdienst in die Stadtkirche eingeladen. Oberkirchenrat Jürgen Dembek wird predigen, es gibt festliche Musik für Orgel und Trompete. Danach gibt es einen Empfang im Gemeindehaus, Siebeneicker Straße 5. Neben regional-zünftiger Kottenbutter stehen mit Matthias Freudenberg und Volkmar Wittmütz zwei Hochschulprofessoren bereit, die den Tag der Bergischen Synode von 1589 sowohl historisch wie auch theologisch einordnen und bewerten wollen – „keine erschöpfenden Vorträge”, wie Breitbarth versichert, sondern Statements, die zur anschließenden Diskussion animieren wollen.
Bewegende und prägende Zeiten für Protestanten, wie zu sehen sein wird: Die meisten Gemeinden hatten ihre Ursprünge in den Flüchtlingen, die aus Frankreich und den Niederlanden gekommen waren. Aus politischen Gründen mussten sie lange Zeit „im Untergrund” leben. „Damals schon wurde die evangelische Freiheit, die das Wort Gottes und das Handeln aus dem Glauben an die erste Stelle setzte, gelebt”, sagt Rolf Breitbarth, Superintendent des Kirchenkreises Niederberg. Wie heute wurde die Kirche durch die gewählten „Ältesten” geleitet, und jedes Gemeindeglied musste – so der Anspruch – seinen Glauben in Verantwortung für die Mitmenschen bewähren.
Noch bis zum kommenden Sonntag ist in einem kleinen Saal des Gemeindehauses an der Siebeneicker Straße eine Ausstellung zu sehen. „Die Gemeinden des Kirchenkreises hatte ich gebeten, in ihren Archiven nachzuschauen, ob sie Exponate aus der Zeit der Bergischen Synode beisteuern könnten”, sagt Breitbarth. Und so kam Erstaunliches zusammen: Von zentraler Bedeutung das Originalprotokoll der besagten Synode von 1589, das die Landeskirche zur Verfügung stellt. Weitere Ausstellungsstücke, zum Teil unbezahlbare Zeugnisse gemeindlichen Lebens, kommen aus Langenberg, Neviges, Gruiten, Schöller, Wülfrath, aus dem Kirchenkreis und aus Privatbesitz: Eine Lutherausgabe von 1570 etwa, zwei Protokollbücher ab 1683, die Abschrift einer Urkunde der Grafen von Hardenberg von 1551, die als gesiegelte Abschrift von 1750 vorliegt. Auch Prägesiegel aus der Reformationszeit sind unter den Exponaten, weitere zwei aus Wülfrath von 1622 mit und ohne Zusatz „reformata”. Auch im Angebot: Opulente wie auch schlichte Abendmahlsgeräte aus Silber und Zinn, Kelche, Kannen, Patenen.
Von der Wand blicken die vier Reformatoren Martin Luther, Philipp Melanchton, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin, mit Öl auf die Leinwand gebracht von Adolph und Gustav Köttgen im Jahr 1819 und in Besitz der Nevigeser Kirchengemeinde. Früher zierten sie die Stadtkirche. Doch dieser Teil der Tradition ist im Archiv verschwunden.
09:50
Wenn Herr Breitbarth meint, dass die reformierten Gemeinden im KK Niederberg durch Hugenotten und Niederländer gegründet wurde, sollte er sich zuerst einmal mit der Geschichte des KK, dessen Sup. er ist, auseinandersetzen.