Betriebe in Mettmann melden mehr Ausbildungsstellen

Bei diesem Azubi-Speeddating – im April 2014 in der Deutschen Opfer – wurde Samuel Felder von seinem Ausbildungsplatz bei „Expeditors International“ gefunden. Rechts im Bild: Ausbilderin Anja Kern.
Bei diesem Azubi-Speeddating – im April 2014 in der Deutschen Opfer – wurde Samuel Felder von seinem Ausbildungsplatz bei „Expeditors International“ gefunden. Rechts im Bild: Ausbilderin Anja Kern.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Kreisweit 10,9 Prozent mehr Stellen. Jugendarbeitslosigkeit 9,2 Prozent geringer als März 2014. Arbeitsagentur, IHK und Handwerker erkennen einen Erfolg ihrer Vermittlungen und Fördermaßnahmen. Trotzdem gibt es bei Betrieben und Bewerbern noch Anpassungsbedarf.

Kreis Mettmann..  Zu wenig Fachkräfte und zu viele Bewerber – da ist die größte Frage: Wie bringt man sie zusammen, Schulabgänger und Betriebe? Samuel Felder ist untergekommen, als einer von sechs in der Ratinger Filiale des US-Logistikkonzerns „Expeditors International“. Als Vorzeige-Azubi sitzt er dort mit auf der Pressekonferenz von Arbeitsagentur, IHK und Kreis-Handwerkerschaft zur „Halbjahresbilanz des Ausbildungsmarktes“. Die Firma soll aus IHK-Sicht exemplarisch für eine neue Kultur der Azubi-Werbung und Mitarbeiter-Bindung stehen. Und Felder soll die Firmenwerte beglaubigen, die an der Wand auf Fotos in Szene gesetzt sind: „Integrity, Excellence, Visionary“. Später wird er erzählen.

Die Positiv-Schlagzeile des Gesprächs: Die Arbeitslosigkeit bei Unter-25-Jährigen im Kreis ist um 9,2 Prozent niedriger als im März 2014. Zehn Prozent weniger Schulabgänger gibt es 2015, doch bislang nur 6,1 Prozent weniger Bewerber auf Ausbildungen. Zugleich verzeichnet die Arbeitsagentur – und darauf ist sie mit IHK und Kreis-Handwerkerschaft stolz – 10,9 Prozent mehr gemeldete Ausbildungsstellen als 2014. Das statistische Verhältnis Ausbildungsstelle zu Bewerber hat sich von 0,59 in 2014 auf 0,7 in 2015 verbessert.

Die Zahlen sind zwar nur ein Zwischen-, kein Endstand – die meisten Ausbildungs-Abschlüsse bis Beginn des Ausbildungsjahrs stehen noch bevor. Doch sei die abzulesende Verbesserung zum Vorjahr deutlich, erklärt etwa Wolfgang Mai von der Arbeitsagentur: „Die Betriebe melden mehr Stellen.“ Unternehmen stockten auf oder verlegten ihren Standort in den Kreis. Zugleich seien, so Mai, bei der Agentur Mettmann drei Kräfte mit Ausbildungsstellen-Akquise und zwei weitere allein mit der Vermittlung von Jugendlichen in Beschäftigung beschäftigt. Ferner soll für 30 schwierig zu vermittelnde Jugendliche ab Herbst in Kooperation mit einer (noch zu findenden) Bildungseinrichtung das Angebot einer „assistierten Ausbildung“ an den Start gehen.

Dass deswegen alles gut wäre, wollen Agentur, IHK und Kreis-Handwerkerschaft aber nicht behaupten. Es gibt blinde Flecken, bei Betrieben und Bewerbern. Viele Schulabgänger interessieren sich für den Kfz-Mechatroniker, gibt Martin Lindemann von der Kreishandwerkerschaft ein Beispiel, „aber direkt nebenan gibt es den Nutzfahrzeug-Mechatroniker – und dicke Brummer sind schon eine Herausforderung. So eng ist manchmal der Tunnelblick.“

Anpassungsbedarf auf beiden Seiten

Auch Anja Kern, Ausbilderin bei „Expeditors International“, bescheinigt Bewerbern Handlungsbedarf: Zwar sei die Zahl der Bewerbungen seit Jahren konstant, aber die Qualität habe nachgelassen. Von Fachoberschule oder Gymnasium kommend erzielten Bewerber immer weniger Punkte im Einstellungstest, wo logistikrelevante Kenntnisse wie „Geografie“, „Englisch“ oder „Mathematik“ abgefragt werden. Es sei zwar gut, wenn man eine Kurve berechnen kann, sagt Kerns Chef Torsten Sweeren, jedoch täten die Schulen gut daran, „auch auf die einfachen Dinge zurückzugehen: Dreisatz, Prozentrechnung...“.

Doch auch die Betriebe sollen was tun für ihre Azubis. Das führt die Story vor, wie Samuel Felder zu „Expeditors International“ kam: „Ich war auf dem Azubi-Speeddating der IHK in der Deutschen Oper am Rhein, da hat mich eine Mitarbeiterin angesprochen. Das war ungewöhnlich, weil sonst kein Unternehmen auf mich zugekommen ist. Letztendlich war dieses Auf-mich-Zukommen ausschlaggebend. Das Unternehmen hat sich hartnäckig gezeigt und gesagt: Wir wollen Sie bei uns ausbilden. Und nicht andersherum.“

Regional-Leiter Torsten Sweeren redet lange und begeistert über die Vorteile, selbst auszubilden, und schließt: „Das Schöne ist, dass man genau weiß, was man bekommt.“