Besucher lieben ihren Mittelalter Markt in Neviges

Immer schön rühren, damit die Wolle bunt wird: Färber Klaus Goder in seinem Element.
Immer schön rühren, damit die Wolle bunt wird: Färber Klaus Goder in seinem Element.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Feuerschlucker, Gaukler, und jede Menge Handwerker, die ihre Jahrhunderte alte Kunst präsentieren: Der Mittelalter Markt begeistert bereits zum 16. Mal die Besucher. Auch für Kinder gibt’s viel zu erleben.

Neviges..  Schon von weitem ist das kräftige Schlagen des Hammers auf einen Amboss zu hören, es duftet nach frisch gebackenem Kräuterbrot und Hefezöpfen. Über 100 Zelte stehen auf dem Gelände um Schloss Hardenberg, zahlreiche Menschen in mittelalterlichen Gewändern schlendern daran vorbei. Sie alle sind zum Nevigeser Mittelaltermarkt gekommen. Fronleichnam fiel der Startschuss, jetzt am Wochenende geht es weiter.

Organisiert wird das bunte Treiben vom Verein „Marktgilde zu Hardenberg“. Vorstandsmitglied Andrea Hofer weiß: „Auf dem Markt herrscht immer eine familiäre Atmosphäre. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns alle duzen.“ Und damit meint sie nicht nur Händler und Lagerleute, sondern auch Besucher. „Wir wollen den Leuten einfach einen tollen Tag ohne Kitsch und Kirmes ermöglichen.“

Den lässt sich auch Mittelalter-Fan Claudine aus Hagen nicht entgehen lassen. In ihr schwarz-rotes Stoffkleid gewandet, hält sie Ausschau nach einem besonderen Accessoire. „Ich suche eine Tranktasche für mein Kostüm, damit ich als Heilerin meine Tränke mitführen kann“, erklärt sie. Ihre Begleiterin Samantha interessiert sich mehr für die Musik der Trommler und für die Getränke. „Ich probiere gern die selbst gebrauten Biere, die ja überall anders schmecken“, sagt die Iserlohnerin. Neben Bier und Met gibt es auch in diesem Jahr wieder allerlei zu sehen, zu hören und zu probieren.

Wer nicht nur auf der Suche nach individuellen Schmuckstücken ist, sondern auch etwas über das Leben im Mittelalter erfahren möchte, sollte sich zu Lagerleuten wie Claudia und Sebastian gesellen. Das Ehepaar aus Kevelaer nebst ihren drei Windhunden stellt das Leben der Kelten dar. „Wir verbringen das Wochenende hier ganz ursprünglich, schlafen in unseren Zelten, weben und sticken“, sagt Sebastian. Auch gekocht werde nur mit Zutaten, die es im frühen Mittelalter schon gegeben hat. Das Hobby birgt für sie aber noch einen anderen Vorteil. „Ohne Fernseher und Strom kann man sich vom Alltag zurückziehen und entschleunigen, bevor es montags wieder normal weitergeht“, findet Claudia.

Auf der Wiese nebenan haben die Schotten ihre Zelte aufgeschlagen und liefern sich gerade einen heftigen Schwertkampf. Familie Klein schaut begeistert zu. „Mir gefällt es, dass hier viel vorgeführt wird“, sagt Mutter Jasmin. Da kann ihr die vierjährige Tochter Sharlyn, die auf Vater Thorstens Schultern sitzt, nur zustimmen. „Guck mal, da hinten wird auch gekämpft“, ruft sie von ihrem Ehrenplatz aus.

Schließlich einigen sich Kämpfer Andreas vom Clan Macfarlane und sein Gegner vom Clan Maclane auf eine kurze Pause. Die Gäste können sich derweil die Zelte der Schotten von innen anschauen. Genau wie die Lagerleute Claudia und Sebastian genießt Andreas das Wochenende. „Wir leben hier ohne Uhr. Ich esse, wann ich will und gehe schlafen, wenn ich müde bin. Das ist wie Urlaub vom Alltag.“