Beschuldigtem im Velberter Brand-Prozess droht Forensik

Der Tatort, ein Hochhaus an der Von Fraunhofer Straße. 39 Anwohner mussten im Oktober 2014 vorübergehend in eine Turnhalle umziehen.
Der Tatort, ein Hochhaus an der Von Fraunhofer Straße. 39 Anwohner mussten im Oktober 2014 vorübergehend in eine Turnhalle umziehen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem Brand in einem Hochhaus im Velberter Stadtteil Birth im Oktober 2014 steht nun der mutmaßliche Täter vor Gericht. Seine Einlassungen geben dem Richter Rätsel auf.

Wuppertal.. Anfang Oktober 2014 hat es gebrannt an der Von-Fraunhofer-Straße in Birth. 39 Menschen mussten aus dem Hochhaus gerettet und vorübergehend in einer Turnhalle untergebracht werden. Ein Paar und sein zwei Wochen alter Säugling erlitten Rauchvergiftungen. Die Wohnung, von der der Brand ausging, wurde komplett zerstört. Jetzt läuft gegen den Mann, der die Brandwohnung gemietet hatte, ein Verfahren vor dem Landgericht Wuppertal.

Der 44-jährige K. soll am frühen Morgen des 2. Oktober im Wohn- und Schlafraum seines Appartements Feuer gelegt haben und dann verschwunden sein. Die Gefahr, dass von den schlafenden Nachbarn jemand zu Schaden kommen könnte, sei K. bewusst gewesen, er habe sie billigend in Kauf genommen. So sieht es die Staatsanwaltschaft. Sie geht davon aus, dass K., bei dem eine „chronifizierte paranoid-halluzinatorische Psychose“ diagnostiziert worden ist, „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ gehandelt hat und im Glauben, „der Teufel habe ihn zur Marionette gemacht“.

Wegen der angenommenen Schuldunfähigkeit ist es kein eigentlicher Strafprozess, sondern ein Sicherungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft hält es für möglich, dass von K. weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Folgt das Gericht dieser Auffassung, droht K. die Unterbringung in einer forensischen Klinik. Eine solche wird zwar jedes Jahr überprüft, gilt aber grundsätzlich so lang, bis von dem Untergebrachten nach Gutachter-Meinung keine Gefahr mehr ausgeht – eine schwerwiegende Maßnahme, wie K.s Verteidiger zu bedenken gibt.

Zumal K.s Täterschaft nicht zweifelsfrei bestätigt ist: Bislang hat kein Zeuge ausgesagt, den Beschuldigten am Brandort gesehen zu haben.

K. selbst hat indes einige rätselhafte, aber ruhig vorgetragene Einlassungen „zum Feuer“ abgegeben. Unter anderem erklärte er, Gott sei seit acht Monaten tot, und die Wohnung, in der er mindestens sechs Jahre lebte, habe er nicht verschonen können, denn dort seien Dämonen gewesen. K., der surrealistische Bilder malt und schon mehrfach als Künstler ausgestellt hat, war bei den Behörden schon vorher als psychisch belastet bekannt. Zuletzt stand er unter Betreuung. Im Juli 2014 will seine Betreuerin gesehen haben, dass er in seiner Wohnung eine Art Scheiterhaufen errichtet hat.

Als er am Mittag des Brandtages verhaftet wurde, soll er ein Schwert bei sich gehabt haben, von dem er vor Gericht sagte, Jeanne d’Arc habe es ihm vor sieben Monaten gegeben. Was das Gericht aus alledem machen wird, muss man abwarten. Nächster Verhandlungstag ist der 8. Mai.