Beschädigte Gräber in Neviges erschüttern Angehörige

Das zerstörte Kolumbarium auf dem Friedhof in  Neviges.
Das zerstörte Kolumbarium auf dem Friedhof in Neviges.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Unbekannte haben das Kolumbarium auf dem Friedhof der evangelisch-reformierten Gemeinde beschädigt. Angehörige und Gemeindemitglieder sind bestürzt.

Neviges..  Das Entsetzen ist auch Tage später noch spürbar. Entsetzen über eine unglaubliche Zerstörungswut von Menschen, denen nichts heilig ist. Am helllichten Tage, zwischen 14 und 15 Uhr, wurde am Freitag das Kolumbarium auf dem Friedhof der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Neviges massiv beschädigt. „Das ist für mich ein Zeichen absoluter Respektlosigkeit“, meint Detlef Gruber, Pfarrer der Gemeinde, kopfschüttelnd. „So etwas kann man nicht verstehen.“

Er selbst war an jenem Tag um 13 Uhr bei einer Beerdigung auf dem Friedhof an der Siebeneicker Straße, um 14 Uhr hatte sich noch ein Mitarbeiter der Friedhofsgärtnerei in der Nähe der Urnengräber aufgehalten und nichts bemerkt. Dann, in der nächsten dreiviertel Stunde, muss der Täter im wahrsten Sinne des Wortes zugeschlagen haben: Vier der rund 30 Kilogramm schweren Granitplatten vor den Urnenfächern wurden mit einem schweren Gegenstand zerstört, die Urnen selbst zum Glück nicht beschädigt. Gegen 14.45 Uhr entdeckte Friedhofsgärtnermeisterin Claudia Jung am selben Tag die Verwüstung der Gräber. „Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Wie brutal können Menschen nur sein?“ Seit etlichen Jahren pflegt sie hier den Friedhof, kannte die Toten und hat auch Kontakt zu den Angehörigen. „Das trifft mich schon sehr.“

Doch bei aller Erschütterung galt es, am Freitagnachmittag schnell zu handeln. „Die Polizei war innerhalb einer Viertelstunde da, das war prima.“ Während der ganzen Zeit wurde das Kolumbarium bewacht, „die Urnen wurden nicht angefasst“. Zusammen mit Bau- und Friedhofskirchmeister Olaf Braß, der nach der Arbeit herbeieilte, hat Jung mit ihren Mitarbeitern die beschädigten Platten weggeräumt und für die Sicherheit der Urnen gesorgt: „Von den Gräbern, die noch nicht besetzt sind, haben wir vier Blindplatten genommen und vor die beschädigten Gräber gesetzt.“ Insgesamt 48 Fächer gibt es in dem Kolumbarium, jeweils für zwei Urnen, davon sind 19 belegt, weitere acht reserviert.

Sofort informiert wurde auch der Steinmetz, der am nächsten Vormittag weitere vier Platten mitbrachte, die jetzt schnellstmöglich beschriftet werden. „Er hat ja noch alle Unterlagen, das wird in dieser Woche hundertprozentig fertig.“

Bleibt noch die Frage, wer für die Kosten der Zerstörung aufkommt, die sich auf rund 4000 Euro belaufen. „Wir sind noch im Klärungsprozess mit der Versicherung. Da müssen wir erst gucken, was in den Unterlagen steht“, sagt Pfarrer Detlef Gruber. Der Fall wirft auch Fragen der Sicherheit auf Friedhöfen auf. Doch so verwerflich es ist, was am Freitag geschah – es ist nicht zu verhindern. „Der Friedhof ist ein öffentlicher Raum, der tagsüber jederzeit zugänglich sein muss“, betont Pfarrer Gruber.

Die von Claudia Jung und Olaf Braß noch am Freitag benachrichtigten Angehörigen hätten, so die Friedhofsgärtnerin, natürlich bestürzt auf die Hiobsbotschaft reagiert, „Aber niemand zeigte Groll oder gar Hass auf die Kirchengemeinde“, so die Friedhofsgärtnerin. „Die Leute waren einfach erschüttert, dass Menschen so etwas tun, etwas so absolut Sinnloses.“

Von dem oder den Tätern fehlt bisher jede Spur. Auch hat sich bisher kein Zeuge bei der Polizei gemeldet, wie eine Sprecherin der Kreispolizei Mettmann auf Nachfrage erklärte. Wer am Freitag, 9. Januar, etwas gesehen oder gehört hat oder wem auch später etwas aufgefallen ist, was mit der Verwüstung auf dem Friedhof zusammenhängen könnte: Hinweise nimmt die Polizei Velbert jederzeit entgegen unter 0 20 51/9 46-61 10.