Berührende Holocaust-Gedenkfeier in der Apostelkirche Velbert

Gemeindemitglieder trugen aus der Biographie von Elisabeth Schmitz vor.
Gemeindemitglieder trugen aus der Biographie von Elisabeth Schmitz vor.
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Was wir bereits wissen
Zum Holocaust-Gedenktag erinnerte die evangelische Gemeinde Velbert in der Apostelkirche an den Widerstand der Elisabeth Schmitz.

Velbert..  Ein Gemeindemitglied zitierte die NS-Widerstandskämpferin Elisabeth Schmitz, die die Geschichte eines jungen Mädchens erzählte, das einen Christen jüdischer Abstammung heiratete und ein Kind von ihm zur Welt brachte. „Sie glaubte so zuversichtlich, dass Gott das Kind nicht habe geboren werden lassen, um es gleich wieder zu sich zu nehmen. Mir aber zerriss es das Herz. Als ich das nächste Mal kam, war die Wohnung leer. Sie waren nach Theresienstadt transportiert worden, von dort weiter nach Polen zur Vergasung. Wir haben nie mehr etwas von ihnen gehört.“

Bei der einstündigen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in dem Kirchsaal der Apostelkirche hörte man immer mal wieder ein Husten oder das Knarzen eines Stuhls – nach dieser Geschichte aber herrschte absolute Stille.

Verstörende Liedtexte

Es war eine berührende und nachdenklich stimmende Gedenkfeier, die den Mut und den konsequenten Widerstand der Elisabeth Schmitz in den Mittelpunkt stellte. Eine Gruppe von mehreren Gemeindemitgliedern organisierte den Abend und trug abwechselnd aus der Biographie und dem Wirken Elisabeth Schmitz’ und ihren Appellen an die Kirche vor. Die Germanistin, Theologin, promovierte Historikerin und Studienrätin war Mitglied der Bekennenden Kirche und verfasste schon im Jahr 1935 eine Denkschrift, in der sie von der Not der entrechteten Juden schrieb und die Kirche aufforderte, sich für die Verfolgten einzusetzen. Elisabeth Schmitz half auch ganz praktisch und gewährte Juden wiederholt Unterschlupf in ihrer Wohnung.

Andere vorgetragene Texte beschäftigten sich mit dem Giftgas Zyklon B, gaben unter anderem den verstörenden Liedtext einer rechtsradikalen Band aus den Neunziger Jahren wieder und zitierten Bertolt Brecht oder Schüler mit ihren Gedanken zur nationalsozialistischen Vergangenheit.

Verantwortung für Geschichte

Die Musik von Gideon Klein, Victor Ullmann (beide Künstler starben im Konzentrationslager Auschwitz) und Johann Sebastian Bach berührten die Zuhörer mit ihren schwermütigen, aber auch disharmonischen Klängen.

Heinz Kurth, der an der Gedenkfeier teilnahm, hat selber als Kind die Luftangriffe auf Deutschland erleben müssen. Das Thema lässt ihn bis heute nicht los. „Wir hätten etwas tun müssen!“, sagte der 78-Jährige.

Emil Weise, der erste stellvertretende Bürgermeister der Stadt Velbert, betonte die Verantwortung, die die heute lebenden Generationen noch haben, die Geschichte weiterzugeben.