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Beim Schießen die innere Balance finden

14.08.2012 | 18:01 Uhr
Beim Schießen die innere Balance finden
Mit Luftgewehr bzw. Lasergewehr trainierten die Jugendlichen bei den drei Velberter Schützenvereinen.

Velbert.   Zwei Tage lang haben 14 Jugendliche aus Velbert die Sportgeräte in Form von Luft- und Lasergewehren kennengelernt, heute geht es für sie auf den Prüfstand

Daniel Kämpgen legt das Luftgewehr an und zielt. Seine Hand zittert nur minimal, ein konzentrierter Ausdruck tritt auf sein Gesicht, er drückt ab. Über den schwarzen Kreis auf der zehn Meter entfernten Zielscheibe schiebt sich eine weiße Klappe – der Zwölfjährige hat getroffen.

Richtige Atmung ist wichtig

Außer Daniel nehmen noch 13 weitere Kinder an der Ferienaktion teil. Zwei Tage lang haben sie die Sportgeräte in Form von Luft- und Lasergewehren kennengelernt, heute geht es für sie auf den Prüfstand. Der bevorstehende Wettkampf sorgt für Aufregung, schließlich winkt den drei besten Schützen ein stattlicher Pokal. „Die Kinder haben unheimlich schnell gelernt, mit dem Gerät umzugehen“, erzählt Herbert Leonhardt, der Jugendleiter des Schützenvereins „Kleine Schweiz“. Weiter sagt er: „Unter anderem galt es, Anschlagsarten zu trainieren und die Kombination aus Laufen und Schießen zu üben. Auch die Atmung spielt eine ausschlaggebende Rolle“. Die könne man unter anderem mit autogenem Training perfektionieren.

Es ist nicht gerade üblich, dass auch schon junge Kids ein Gewehr in die Hand nehmen. Das weiß auch Leonhardt. Er meint: „Der Schießsport ist mit vielen Vorurteilen behaftet und hat zu Unrecht ein schlechtes Image. Das wollen wir ändern und haben uns deshalb in dieser Art zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugewendet und uns neue Wege überlegt. Und das mit Erfolg – man sieht ja, wie viele Kinder begeistert dabei sind.“ Ihm ist außerdem wichtig, dass die Kids freiwillig dabei sind und nicht, wie er betont, „von ihren Eltern zu dieser Ferienaktion gezwungen werden.“ Wer älter als zwölf Jahre ist, schießt mit dem Luftgewehr, die jüngeren nehmen das Lasergewehr. Die Regeln sind einfach, die Umsetzung weniger: Die kleinen Sportschützen flitzen durch den 120 Meter langen Parcours, schießen dann stehend. Danach geht es wieder durch den Parcours und es wird liegend geschossen. Fünf Ziele zu sieben Schuss gilt es zu treffen, wer das nicht schafft, muss Strafrunden laufen. Beim Treffer mit dem Luftgewehr zeigt sich eine weiße Klappe, beim erfolgreichen Treffer mit dem Lasergewehr leuchtet eine grüne Lampe auf. „Das Ganze ähnelt einem Sommerbiathlon“, so Leonhardt.

Das Schwierige: Die Ruhe zum Schießen zu finden. „Der Puls geht nach oben, man wird nervös und rappelig. Man muss dann die innere Balance finden“, spricht der amtierende Schützenkönig aus Erfahrung. Fünf Probeschüsse dürfen abgegeben werden, dann geht es einzeln zum Start. Ab hier wird dann die Zeit gemessen, der Schnellste gewinnt und staubt neben einer Urkunde einen der begehrten Pokale ab.

Keine reine „Männersache“

Ist Schießen Männersache? Die 14-jährige Pia grinst und meint: „Natürlich nicht. In meiner Freizeit übe ich Kampfsport aus. Das ist ja auch nicht ausschließlich nur was für Männer.“ Und ist sie wegen des bevorstehenden Wettkampfes aufgeregt? Pia gibt sich souverän: „Nicht wirklich. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man eben.“ Der zwölfjährige Daniel erzählt: „Ich habe schon mal mit Pfeil und Bogen geschossen. Aber das ist etwas komplett anderes. Hier in der Halle ist kein Wind und die Kugel kann nicht wegfliegen. Außerdem kommt man während des Laufens außer Atem.“ Leonhardt fasst lächelnd zusammen: „Durch Übung kann man alles lernen. Zum Schießen braucht man eine Portion Talent und die Fähigkeit, seine innere Ruhe zu finden. Das Schöne: Bei allen, die teilgenommen haben, lassen sich Fortschritte und Erfolg erkennen.“

Von Sonja Lelittka



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