Bei Velberter Firma Witte hat man den Notfall im Blick

Andreas Eisendle von den  Johannitern (Mitte) bildet die Erst- bzw. Betriebshelfer bei Witte aus und weiter.
Andreas Eisendle von den Johannitern (Mitte) bildet die Erst- bzw. Betriebshelfer bei Witte aus und weiter.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Alle zwei Jahre werden die Erst- und Betriebshelfer bei Witte in Velbert geschult, um im Notfall sofort helfen zu können. Die regelmäßigen Kurse helfen aber auch, bei den Freiwilligen Hemmschwellen abzubauen.

Velbert..  Die Stimmung ist gut beim Witte-Team. Dabei liegen gerade zwei Mitarbeiter in stabiler Seitenlage auf dem Boden. Doch auch sie können sich das Lachen nicht verkneifen. Es ist eben ungewohnt, den Kollegen so nah zu kommen. Dabei entscheidet gerade diese Überschreitung im Notfall über Leben und Tod, erklärt Andreas Eisendle von den Johannitern. Er schult die Betriebshelfer regelmäßig alle zwei Jahre, damit sie an drei Standorten – in Wülfrath, an der Stahl- und der Höferstraße in Velbert – schnell helfen können, wenn einmal Not am Mann oder an der Frau ist.

Techniken verändern sich

Seit 2001 ist Mario Lumpe Mitarbeiter bei Witte. Als Familienvater lag es ihm schon immer am Herzen, schnell Hilfe leisten zu können. So hat er sich bereits 2002 freiwillig dazu entschieden, Ersthelfer zu werden. „Es ist nie verkehrt zu wissen, wie der aktuelle Stand bei der ersten Hilfe ist“, erklärt der Mitarbeiter aus dem Wareneingang. „Es hat sich gerade im Bereich der Reanimation in den vergangenen Jahren viel getan.“ Beispielsweise, dass das strikte Regelwerk der Druckpunktfindung gelockert wurde. „Mittig zwischen den Brustwarzen oder aber, bei Damen mit viel Dekolleté, besser direkt unter den Achseln die Mitte des Brustkorbes suchen“, erklärt Eisendle.

Dass es sich lohnt, das Wissen stetig aufzufrischen, hat Lumpe am eigenen Leib erfahren. „2013 hatte ich direkt zwei Fälle, bei denen ich helfen musste.“ Dabei lobte er die Kollegialität „Es haben auch die versucht zu helfen, die keine Ersthelfer waren. Ich stand nicht alleine da.“ Doch der langjährige Witte-Mitarbeiter weiß: „Klar, Pflaster kann man auch ohne Erste-Hilfe-Kurs verteilen. Aber gerade durch die häufige Wiederholung der Schulung hilft es, im Notfall alles ganz automatisch richtig zu machen.“

Dabei ist das Allerwichtigste, überhaupt aktiv zu werden, weiß der Schulungsleiter. „Wenn man etwas falsch macht, hat das keinerlei rechtliche Konsequenzen, aber wenn man gar nichts macht und der Verletzte stirbt im schlimmsten Fall, dann ist es sehr schade für ihn, dass niemand gehandelt hat.“

Andreas Eisendle versucht damit, den Teilnehmern die Angst vor Fehlern zu nehmen. Gerade bei der Reanimation ist die Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase Beatmung eine große Hemmschwelle. „Der Sauerstoff ist aber nicht das Ausschlaggebende bei der Wiederbelebung sondern die Herzdruckmassage.“ 60 bis 80 Mal schlägt das Herz eines gesunden Menschen pro Minute. „Unsere Kraft lässt aber nach einigen Minuten nach und so soll 100 Mal pro Minute gedrückt werden.“ Das sei zu schaffen.

Andree Rohde arbeitet im IT-Bereich. Auch er ist kein Ersthelferneuling mehr. Als er damals gefragt wurde, ob er auch Betriebshelfer werden möchte, war er noch aktiv beim THW. „Da lag das nahe.“ Seit 18 Jahren wird er nun regelmäßig alle zwei Jahre bei Witte von den Johannitern geschult. „Es ist schon sinnvoll, dass es so viele Ersthelfer im Unternehmen gibt“, findet der 43-Jährige. „Die regelmäßige Auffrischung im Kurs nimmt schon die Hemmschwelle, im Notfall zu helfen.“

Auch er hat dabei weniger Sorgen, mal einen Verband richtig anzulegen, sondern „im richtigen Moment das Richtige zu tun.“ Beim Kurs wird ihm „noch einmal die Grundlage in Erinnerung gerufen. Die technischen Sachen finde ich da besonders wichtig. Und je länger man dabei ist, desto mehr setzt sich das Wissen auch.“ Da hilft es natürlich auch, dass Ausbilder Eisendle auch locker durch lange Theoriepassagen führt – Humor bleibt eben im Kopf. Und das hilft dann hoffentlich im Notfall auch, das Wissen abzurufen.