Baum in Velbert in gehäkelten Mantel gehüllt

Bild: Detlev Kreimeier
Bild: Detlev Kreimeier
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Kunstpädagogin Ute Lennartz-Lembec hat die letzten anderthalb Meter Häkelkunst im Freizeitpark Höferstraße angebracht: In den vergangenen vier Monaten häkelte sie für ein Kunstprojekt einen "Mantel" für die Trauerweide inmitten des Parks.

Velbert.. Die Plattform des roten Hubwagens fährt bis ganz hoch in die Krone der Trauerweide. Fast acht Meter geht es für Ute Lennartz-Lembeck in die Höhe, gesteuert von einem Mann im orange farbenen Overall. Farbenfroh ist heute nicht nur der Baum im Mittelpunkt des Freizeitparks an der Höferstraße, mit Streifen in Grün, Lila, Rot, Gelb, Blau, Rosa und Türkis. Die Kunstpädagogin vollendete jetzt ihr außergewöhnliches Kunstprojekt. Sie hüllte die letzten anderthalb Meter Weide, bis in die Verästelung, in Polyacrylwolle.

Anstoß zu der Häkel-Aktion gab die Stadt. Die 50-jährige Künstlerin sollte die neugestaltete Freizeitanlage mit ihrer Handwerkskunst verschönern. Sie entschied sich für die große Trauerweide in der Mitte des Parks: „Der Baum ist für mich ein Symbol des Lebens und Trauerweiden gefallen mir gut. Sie wachsen überall, schlagen schnell aus.“

Vier Monate lang gehäkelt

Los ging es im Oktober vergangenen Jahres. Vier Monate lang häkelte Ute Lennartz-Lembeck jeden Abend zwei Stunden an der Woll-Umhüllung. 200 Arbeitsstunden und rund 20 Kilo Polyacrylwolle flossen in das Projekt. Kosten von insgesamt 200 Euro.

Im ersten Schritt wurden, zur Eröffnung des Freizeitparks im Mai, der Baumstamm und einige Äste ummantelt. Damals stand kein Hubwagen zur Verfügung, deshalb wurden die letzten anderthalb Meter im zweiten Schritt, rund einen Monat später, angebracht. Dazu hat die Künstlerin zu Hause große Häkelstreifen vorbereitet, die jetzt in acht Metern Höhe mit den alten Streifen verknüpft wurden. Einmal angebracht würde der Wollmantel Wind und Wetter überstehen. Mit der Zeit könnten nur die Farben etwas verschießen.

Die Häkelkunst kommt gut an und die Vorreiterrolle der Stadt überrascht, erzählt die Kunstpädagogin: „Einige Leute sind auf mich zu gekommen und haben nachgefragt, ob der Baum wirklich in Velbert steht.“ Lennartz-Lembeck spricht der Stadt ein großes Lob aus: „Es ist toll, aus einem Privatplatz einen so schönen, barrierefreien öffentlichen Platz für alle Generationen geschaffen zu haben.“

Beweisfotos auf Facebook

Die Häkelweide ist jetzt fertig. Aber die Nadeln wird die Künstlerin trotzdem nicht so schnell aus den Händen legen. Die Verkleidung der Weide war nur ein Projekt, neben ihren „B-Arbeiten“. Bunte Wertebanner schickt sie von ihrer Facebook-Seite aus in die ganze Welt. Schlagwörter wie „Toleranz“, „Liebe“, „Dialog“ und „Achtsamkeit“ übersetzt sie dazu in die jeweilige Sprache. Die B-Arbeit „Dialog“ schaffte es bis nach Südafrika; „Love“ strahlt seit ein paar Wochen von einem Laternenpfahl in den USA. „Es geht mir dabei darum, dass die Banner bleibende Eindrücke hinterlassen“, erklärt Lennartz-Lembeck. 170 dieser Wertebanner hat sie schon weltweit verschickt. Beweisfotos von den Häkelwerken an Heizungsrohren, Bäumen oder Wegweisern kann man auf ihrer Facebook-Seite betrachten.

Für die Zukunft wünscht sich die Künstlerin aus Remscheid noch einen „Werte-Baum“, an dem die verschiedenen Eigenschaften zusammengebracht werden: „Werte sind mir sehr wichtig, darauf kommt es im Leben an. Der Baum dient dabei als ein guter Korrespondent.“