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Karneval

„Bäumer, haltet zur Stange“

30.01.2011 | 17:59 Uhr
„Bäumer, haltet zur Stange“

Velbert-Neviges.Sieben Mal elf Jahre gibt es sie: die „Karnevalsgesellschaft Boum haul Pool 1934 Velbert e. V.“. Gestern feierte sie im Zentrum der Evangelischen Gemeinde Neviges ihr 77-jähriges Bestehen mit großem Prunk, Uniform, Narrenkappe, Orden, alles in der Tricolore des Vereins: grün-weiß-rot.

„Boum haul Pool“ ist Velberter Platt. Lothar Krüger – 1. Vereinsvorsitzender – erläutert: „‚Boum’ ist Platt für die Bewohner des Ortsteils Dalbecksbaum, wo sich unser Verein 1934 gründete, er liegt von Neviges aus gesehen am anderen Ende der Stadt. ‚Haul’ heißt ‚halten’. ‚Pool’ bedeutet ‚Stange’. Alles zusammen heißt es, ‚Bäumer, haltet zur Stange’. Auch diese Redewendung ist schon 77 Jahre alt. Heute würde man sagen: ‚Bäumer, haltet zusammen’.“

Alle Velberter Gesellschaften waren zum Feiern anwesend. Aus Wuppertal kam das Prinzenpaar Marco I. und Janine II. samt Hofstaat, der „Verband Rheinisch-Bergisch-Märkischer Karnevalsgesellschaften“ schickte Ingrid Kiewer. Boum haul Pool stellt in dieser Session übrigens das Velberter Prinzenpaar: Benny I. und Nina I.

Innerer Zusammenhalt

Den Namen gebenden „inneren Zusammenhalt“ findet Vorsitzender Krüger wichtig. Vor 33 Jahren fand er mehr durch Zufall „Spaß und jede Menge Arbeit“ im Sitzungskarneval. Seine persönliche Beziehung zum Karneval: „Ich stamme aus Düsseldorf. Nach der Weihnachtszeit blickte dort alles aufs Werkeln von Kostümen und Rüstungen für den Rosenmontag. Für mich ist Karneval Kindheit und Jugend.“

Viele Menschen haben weniger Bezug zur fünften Jahreszeit. „In Velbert gibt es viele Karnevalsgesellschaften. Jede davon bangt um ihr Überleben. Der heimatliche Karneval leider unter den Fernsehübertragungen.“ Dabei seien die überhaupt kein Vergleich: „Jeder sollte mal eine Sitzung in seiner Stadt erleben. Life is live. Vorm Fernseher kommt das nicht rüber. Und die guten Newcomer erleben Sie vor Ort circa zwei Jahre früher – bevor sie so groß werden und ins Fernsehen kommen, so dass wir sie nicht mehr bezahlen können. Solange unser treues Publikum uns die Stange hält und wir den einen oder anderen von der Flimmerkiste loseisen können, sehen wir die Sache recht optimistisch“, schließt Krüger.

Ursprung in der Antike

Bürgermeister Stefan Freitag sprach über den Karneval seit der Antike: „Babylon, Mesopotamien, Griechenland, Rom, Ägypten – von dort sind Vorläufer überliefert. Allen ist gemeinsam, dass es während des Karnevals keine Standesunterschiede gab. Zum christlich-katholischen Fest wurde es erst im Mittelalter. Die Kirche erlaubte es als Ventil, um sozialen Unruhen vorzubeugen, das Volk konnte sich bis Aschermittwoch ungestraft austoben.“

Freitag ist als Velberter mit dem Straßenkarneval aufgewachsen. Über seine öffentlichen Ämter sei er auch zum Sitzungskarneval gekommen. „Boum haul Pool betreibt Brauchtumspflege und ist offen für Neues, sonst hätte der Verein nicht so viel Nachwuchs.“

Dabei sei Velbert eine schwierige Gegend für den Karneval: „Es liegt an der Nahtstelle von Rheinland und Westfalen. Im nördlich gelegenen Langenberg gibt es erst seit kurzem einen Zug. In Velbert mischen sich Kölsche und Düsseldorfer Traditionen“. Der Schlachtruf ist aber unstrittig. Der Schmied hämmert und ruft dabei: „Tüpp tüpp helau!“

Fabian May

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