Ausstellung zur Jagd in der Steinzeit begeistert Besucher

Führt engagiert durch die Sonderausstellung: Kurator Ulrich Stodiek bekam viel Lob von den Besuchern.
Führt engagiert durch die Sonderausstellung: Kurator Ulrich Stodiek bekam viel Lob von den Besuchern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Sonderausstellung „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“ im Neanderthal Museum in Mettmann begeistert die Besucher.

Mettmann..  Wer Lust auf ein Stück Fleisch hat, fährt in den nächsten Supermarkt und sucht sich an der Theke das beste aus. Ein Kinderspiel. Nicht so für unsere Vorfahren aus der Steinzeit, die das Jagdinstrument Portemonnaie noch nicht kannten. Was sie sich stattdessen einfallen ließen, um an Beute zu kommen, ist in der Sonderausstellung „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“ im Neanderthal Museum zu sehen.

Materialgetreue und funktionstüchtige Rekonstruktionen der Jagdwaffen des Menschen geben den Besuchern einen Einblick in frühere Zeiten. Warum keine originalen Stücke verwendet wurden? „Das Problem bei Originalen ist einerseits, dass sie sehr empfindlich sind“, begründet Experimentalarchäologe und Kurator Ulrich Stodiek, der eine Besuchergruppe durch die Ausstellung führt. „Andererseits sind sie häufig nur fragmentarisch erhalten.“

300 000 Jahre alte Lanzen

Anhand der Brösel könne man sich nur schwer vorstellen, wie die Jagdwerkzeuge ausgesehen haben könnten. Also habe man auf Basis der Funde authentische Repliken erstellt und die fehlenden Teile möglichst originalgetreu ergänzt.

So sind nachgebaute Harpunen, Speerschleudern, Fallen, Pfeile und Bögen entstanden. Ein besonderes Highlight ist die Nachbildung von sieben Speeren und einer Lanze, die in den 1990er Jahren in Schöning gefunden wurden. „Sie sind etwa 300 000 Jahre alt“, berichtet Stodiek. „Einige schätzen sie sogar noch älter. Bei der Datierung von Funden ist immer ein bisschen Kaffeesatzlesen angesagt. Auf das Jahr genau kann man das Alter der Entdeckungen nie bestimmen.“

Wer in einer Steinzeitausstellung natürlich niemals fehlen darf, ist Ötzi, „der wohl bekannteste Steinzeitmensch neben Fred Feuerstein“, scherzt Stodiek. Denn auch bei Ötzi habe man einen Köcher mit Pfeilen und einen noch nicht ganz fertigen Bogen entdeckt. Und der hat ebenfalls einen Platz in der sehenswerten Sonderausstellung gefunden.

Die Materialien, die für die verschiedenen Nachbildungen verwendet wurden, mussten über Jahre zusammengesammelt werden. „Mein Mitstreiter Harm Paulsen und ich legen uns seit langer Zeit zu Hause einen Fundus an, aus dem wir schöpfen können“, erzählt Stodiek. Besucher Stefan Crumbach findet, dass sich der Aufwand gelohnt hat. „Ich werde die Ausstellung bestimmt jedem weiterempfehlen, der mir in die Quere kommt“, sagt er lachend. Die Führung mit dem Kurator hat ihm gut gefallen. „Man merkt einfach, mit wie viel Herzblut Herr Stodiek dabei ist. Da hat genau der Richtige von seiner Arbeit berichtet.“