Augenblicke
07.12.2008 | 20:05 Uhr 2008-12-07T20:05:16+0100Kunstverein "Brachland" präsentiert im Forum Niederberg Fotografien von Peter Woelck, Dal-Lae Jin und Connie Lehmann
"Kannst Du auch Farbe?", wurde Peter Woelck, Diplom-Fotograf, bei einem seiner ersten Bewerbungsgespräche gefragt: "Zwar hatte ich von Farbe keine Ahnung, habe es aber einfach gemacht." Es klappte und Peter Woelcks Fotografien gingen um die Welt. Doch als Künstler sieht er schwarz-weiß, oder besser gesagt grau. "Jeder hat nun einmal einen eigenen Blickwinkel. Und die Bilder, das bin eben ich." Seine Fotografien, das sind Situationsaufnahmen aus dem Leben, nicht gestellt, nicht bearbeitet; einfach nur echt.
Peter Woelcks Bilder fangen den Moment ein, halten ihn dauerhaft fest und transponieren auch noch Jahrzehnte später eine ganz besondere Emotion. Kunst ist eben nicht vergänglich. Egal ob es der berühmte "Müllmann nach der Schicht", aufgenommen 1974 in Lepizig, oder die Bilder von der Love-Parade oder vom Christopher Street Day 2002 sind: Die Motive sind und bleiben authentisch und lebendig. Vielleicht gerade, weil es Peter Woelck trotz seines Bekanntheitsgrades auch geblieben ist: "Eigentlich bin ich schüchtern und manchmal werde ich grün und blau, wenn ich Leute ansprechen muss. Auf der anderen Seite macht es mir aber nichts aus, vor hunderten von Menschen zu reden." Mit unterschiedlichsten Herangehensweisen sind die Motive seiner Bilder entstanden. Peter Woelck vergleicht die Love-Parade mit dem Christopher Street Day (CSD): "Bei der Loveparade war ich betrunken und wurde von den Menschen schlichtweg gefeiert. Vielleicht, weil ich so aussehe wie Ozzy Osbourne. Beim CSD war ich stocknüchtern - trotz der unterschiedlichen Situationen haben die Bilder einen gleichen Stil." Peter Woelcks Werke tragen allesamt die gleiche Handschrift, auch wenn sie unterschiedlichste Einblicke, teils auch in sein Privatleben, gewähren.
Bei der Ausstellungseröffnung "Augenblicke", organisiert vom Kunstverein "Brachland", gibt es jedoch nicht nur klassische Fotografien von Peter Woelck zu sehen und zu kaufen, sondern auch Fotos von Dal-Lae Jin und Connie Lehmann. Mit diesen beiden Künstlern ist der Stilmix geglückt und somit auch das Experiment des Kunstvereins, erstmals eine Fotoausstellung ins Leben zu rufen. Ein "Mikrokosmos der Bandbreite", so nennt es Dr. Karl Erb von Brachland, zeigt, "dass es keine Eindeutigkeiten gibt."
Insbesondere die verfremdeten Bilder von Dal-Lae Jin beweisen: "Es gibt viele Welten." Die gebürtige Koreanerin setzt sich mit dem Thema Spiegelungen auseinander. Ihre Fotos haben einen spirituellen Anspruch. Durch die Verfremdung erhält der Betrachter einen neuen Blickwinkel auf scheinbar alltägliche Dinge.
Die Verfremdung ist auch bei Cornelia Lehmann ein großes Thema. Die bekannte Fotojournalistin entrückt den Kontext ihrer Bilder. So gibt es statt Menschen nur ihre Schatten zu sehen. "Der Anspruch, wer auf diesem Bild gezeigt wird, wird nicht erfüllt." "Augenblicke" eröffnet dem Besucher mehr, als nur einen Moment des Betrachtens. Die Ausstellung zeigt das Leben - aus unterschiedlichsten Blickwinkeln und in der Einfachheit doch so bemerkenswert.Einfachheit doch so bemerkenswert"
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