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"Aufgehetzt"

12.02.2008 | 18:46 Uhr

Die IG Metall kritisiert Dr. Marc d'Avoine, Verwalter im Insolvenzverfahren FCV Fliether.Sekretär Hakan Civelek: "Die Belegschaft massiv unter Druck gesetzt"

Die FCV Fliether GmbH ist ein Velberter Unternehmen mit Tradition. Im Jahre 1956 gegründet, hatte der Hersteller von Zylindern seinen ursprünglichen Sitz an der Teichstraße, wechselte dann zum Hixholzer Weg, um schließlich in den ehemaligen Tennishallen (plus Anbau) an der Bessemerstraße zu produzieren. Ein Umsatz von acht Millionen Euro machte die GmbH in Hochzeiten, wenn man Dr. Marc d'Avoine Glauben schenken darf. Mit einer Belegschaft von 80 Mitarbeitern.

Der "massive Einbruch", so der Insolvenzverwalter, kam dann im vergangenen Jahr. "Schwierige Marktbedingungen und billige Zylinder aus Fernost" haben laut d'Avoine zu der Misere geführt. Die Konsequenz: Am 22. August wurde der Antrag auf Insolvenz gestellt, wenige Monate später, am 1. November 2007, das Verfahren eröffnet. Erster Schritt des Verwalters: Die Montage-Abteilung wurde geschlossen, die Belegschaft "freigesetzt". Um das Kerngeschäft Zylinder zu halten, wie d'Avoine sagt.

Was der Insolvenzverwalter gegenüber der WAZ verschweigt, geschieht Ende November und ist dem IG Metall-Gewerkschaftssekretär Hakan Civelek noch so präsent, als sei's gestern gewesen. "Dr. d'Avoine hat die Belegschaft regelrecht gegen den eigenen Betriebsrat aufgehetzt." Dieser habe einen Interessenausgleich im Sinne der Arbeitnehmer unterzeichnen wollen mit dem Ziel: Der neue Investor übernimmt die komplette Mannschaft für ein Jahr. Civelek: "Die Mitarbeiter haben sich aber zu einem Sozialplan mit Transfergesellschaft, Prämie und Abfindung breitschlagen lassen." Letztendlich habe der Betriebsrat eingewilligt und unterschrieben. Wenige Minuten später habe d'Avoine allen die Kündigung überreicht. Und einen Teil davon mit befristeten Arbeitsverträgen weiterbeschäftigt. Schließlich müsse die Insolvenzmasse aufgefüllt, die Gläubiger befriedigt werden. Civelek: "Eine ähnliche Masche hat d'Avoine schon bei der Firma Stiel angewandt."

Seit gestern ist FCV Fliether Mitglied der Siegenia Aubi-Gruppe. Einige andere Interessenten - allesamt Velberter Firmen sowie ein FCV-Betriebsleiter - soll es gegeben haben. Auch hat die IG Metall versucht, ein so genanntes Management-buy-out-Projekt zu gründen. Das heißt, die Belegschaft führt das Geschäft mit einem Wirtschaftsinstitut im Rücken weiter. Das Gutachten habe laut IGM-Sekretär gut ausgesehen. Dass jedoch Siegenia den Zuschlag erhielt, hängt nach Angaben Civeleks damit zusammen, "dass diese Gruppe von Anfang an über alle Details informiert gewesen sein müsste".

Die befristeten Arbeitsverträge seien, so der Gewerkschafter, zum Teil auf den 31. März dieses Jahres datiert gewesen. Dennoch sei den Mitarbeitern jetzt endgültig gekündigt worden. Etwa 20 von ihnen sollen neue Verträge - zu wesentlich schlechteren Bedingungen - mit der KFV GmbH geschlossen haben. Einige Mitarbeiter wollen gegen den Insolvenzverwalter klagen. Argument: Die befristeten Arbeitsverträge seien in Wirklichkeit neue Arbeitsverhältnisse. Ob sie damit Erfolg haben werden, ist fraglich. Meint ein Ehemaliger: "Wir verzichten auf Weihnachtsgeld, auf Urlaubsgeld und einen Teil des Lohns und werden so über den Leisten gezogen."

Insolvenzverwalter Marc d'Avoine ist glücklich darüber, "wie letztendlich alles so gut gelaufen ist". Der WAZ sagte er: "Jetzt heißt es, positiv in die Zukunft zu schauen." Schließlich bleibe ein Großteil der Belegschaft am Standort erhalten. Die Frage ist, was man unter "Großteil" versteht...

Von Achim Hodde

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