Aufgeben gibt’s nicht
22.03.2011 | 18:33 Uhr 2011-03-22T18:33:00+0100
Sascha Wenzel ist ein ganz normaler Mann im Alter von 26 Jahren, hat sein Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung gemacht und schmiedet Zukunftspläne – bis sich im Jahr 2005 alles verändert. Multiple Sklerose lautet die Diagnose. Ab dem Zeitpunkt verändert sich alles. Durch die Erkrankung des zentralen Nervensystems lassen sich plötzlich für längere Zeit die Finger, aber auch die Augen nicht mehr bewegen, arbeiten scheint unmöglich. Trotz der der Schwerbehinderung hat er nie aufgegeben und es durch Hilfe des Integrationsdienstes geschafft, Fuß zu fassen. Heute absolviert er gemeinsam mit Moritz Kemp und Benjamin Scheven eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei Pro Mobil.
„Ich bin mehr als zufrieden mit der Ausbildung. Alle nehmen Rücksicht und haben absolutes Verständnis“, so Sascha Wenzel, Auszubildender im zweiten Lehrjahr. „Außerdem werden oft Scherzchen gemacht und es ist hier immer lustig“, lacht der 26-Jährige und steckt damit sofort seinen Kollegen Benjamin Scheven an. Anders als Sascha Wenzel leidet der 18-Jährige seit seiner Geburt an Spastiken, seit drei Jahren auch an Epilepsie und ist dadurch auf einen Rollstuhl angewiesen. Nach dem Hauptschulabschluss auf einer integrativen Schule kam schnell die Frage auf: Was kommt jetzt? Mit Hilfe seiner Lehrer, die ihm den Verein für Menschen mit Behinderung vorgeschlagen haben, hat er die Mitarbeiter von Pro Mobil in einem zweiwöchigen Praktikum überzeugen können. „Ich bin richtig froh, dass das geklappt hat. Es macht viel Spaß, Rechnungen zu buchen und Anschreiben zu erstellen“, so der Auszubildende im ersten Jahr. „Nur die Schule müsste nicht sein. Ich bin einfach viel lieber im Büro“, fügt Benjamin Scheven hinzu.
Dass es mit einer schweren Behinderung nicht leicht ist, einen Arbeitsplatz zu bekommen, kennt auch Moritz Kemp nur zu gut. Trotz des Abiturs kriegt er keine Chance. Der Grund: Muskelschwund. „Mit 13 Jahren konnte ich noch laufen, heute sitze ich im Rollstuhl und brauche einen Assistenten“, erklärt der 21-Jährige. Stefan Quednau begleitet ihn bei der Büroarbeit und in der Schule, reicht Ordner und schreibt mit. „Manchmal langweile ich mich auch in der Schule. Besonders, wenn alle anderen lernen mit zehn Fingern zu schreiben“, so Moritz Kemp. Er selbst schreibt mit einer Tastatur auf dem Bildschirm, die er mit seiner Maus bedienen kann. „Es ist nicht immer leicht und dauert länger, aber man gewöhnt sich ja an alles“, arrangiert sich der Auszubildende mit seiner Situation.
Seit 2001 stellt Pro Mobil Auszubildende mit Behinderung ein, die als Bürokaufmann/frau oder Kaufmann/frau für Bürokommunikation ausgebildet werden. Angela Surrey begleitet als gelernte Steuerfachgehilfin mit Zusatzausbildung Sascha Wenzel, Benjamin Scheven und Moritz Kemp und ist mit allen mehr als zufrieden. „Wenn wir nach der Ausbildung Bedarf haben, werden wir natürlich auch so viele wie möglich übernehmen“, ist sich die Ausbildungsleiterin sicher. „Neu ist für uns die Arbeit mit dem Assistenten. Aber auch das läuft wunderbar“, sagt sie zufrieden.
Natürlich wären alle Drei froh, übernommen zu werden. Aber auch wenn nicht, steht eines fest: Aufgeben gibt es nicht. Sie haben trotz ihrer Krankheiten viel gemeistert und werden auch in naher und ferner Zukunft ihre Pläne in die Tat umsetzen.
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