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Schloss Hardenberg

Auf Suche nach neuen Geldquellen

08.06.2011 | 17:39 Uhr
Auf Suche nach neuen Geldquellen

Neviges. Ganz zu Anfang, da schien das Projekt Schloss Hardenberg einigermaßen überschaubar. Auf „nur“ 2,7 Mio Euro wurde ursprünglich die substanzerhaltende Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks veranschlagt. Doch das sollte sich nach und nach als Fass ohne Boden erweisen. Im Zuge der Offenlegung des Gebäudes taten sich ein ums andere Mal neue Erkenntnisse über den tatsächlichen Zustand auf. Mit der Folge, dass die geschätzten Kosten für diesen Bauabschnitt mittlerweile auf 4,5 Mio Euro geklettert sind.

Wobei der Innenausbau für das geplante „Erlebnismuseum für Rheinische Alltagsgeschichte“ und dessen Ausstattung – da wird jeweils eine weitere Million fällig – natürlich noch oben drauf kommen.

Die aktuell deprimierende Aussicht, dass die weitere Finanzierung der Sanierung mit öffentlichen Fördermitteln nicht gesichert ist bzw. sich über sehr lange Zeit hinzuziehen droht (WAZ berichtete), hat nun die Politik auf den Plan gerufen. Mit entsprechenden Anträgen warteten am Dienstagabend im Rat sowohl die Fraktion der SPD als auch die von Bündnis 90/Die Grünen auf.

Bei der Suche nach neuen Geldquellen bringen die Sozialdemokraten private Sponsoren ins Spiel, die es für die Sache zu gewinnen gelte. Außerdem wollen sie geklärt wissen, ob Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken der Stadt oder deren Töchtern in Neviges für die Sanierung umgemünzt werden könnten.

Auch die Grünen halten einen möglicherweise jahrelangen Baustopp mangels Fördermitteln für inakzeptabel. Sie nehmen deshalb zusätzlich eine private Finanzierung durch Velberter Bürger über einen so genannten Bürgerfonds ins Visier. „Das muss natürlich möglichst förderunschädlich sein“, betonte die grüne Ratfraktionsvorsitzende Dr. Esther Kanschat. Ihre Fraktion zeigt sich optimistisch, dass sich dafür zahlreiche Bürger und Unternehmer finden lassen, „denn es handelt sich um das bedeutendste Gebäude der Stadt Velbert“.

Laut Antrag beschäftigen sich derzeit mehrere Kommunen mit direkten Beteilungen von Bürgern an kommunalen Sanierungs- und Investitionsmaßnahmen, also mit so genannten Bürgerfonds. Hierbei seien die Bürger als Beteiligte eben nicht auf Gewinnerzielung und Profitabilität aus, da sie sich mit der im öffentlichen Interesse liegenden Sanierung solcher öffentlichen Gebäude identifizierten, heißt es dort.

Die vorgetragenen Ansätze stießen im Rat eigentlich reihum auf offene Ohren. CDURatfraktionschef Manfred Bolz drängte darauf, ja nicht den seit Jahren rührigen Förderverein für das „Kulturensemble Schloss Hardenberg“ außer acht zu lassen. Und August-Friedrich Tonscheid, Frontmann von Velbert anders, schlug vor, auch die Einrichtung einer Stiftung eingehend ins Auge zu fassen.

Nun ist es an der Verwaltung, das vier Punkte umfassende Vorschlagspaket zu prüfen: also Sponsoren, Verkaufserlöse, Bürgerfonds und Stiftung. „Man muss jetzt in der Tat kreativ sein“, kommentierte Stadtbaurat Andres Wendenburg, „das wollen und werden wir alles wohlwollend prüfen.“ Ergebnisse kündigte Bürgermeister Stefan Freitag zu den nächsten Haushaltsberatungen bzw. zur Einbringung des neuen Etatentwurfs an. Einen Zahn musste Sven Lindemann den Politikern allerdings schon ein wenig ziehen. Solange man sich nämlich im Nothaushalt befinde, erklärte der Kämmerer, müssten „Erlöse in aller Regel zu der Entschuldung verwendet werden“. Allerdings komme es letztlich natürlich auf den Einzelfall und das Projekt an.

Klaus Kahle



Kommentare
09.06.2011
09:29
Auf Suche nach neuen Geldquellen
von DaDU | #2

Es ist Schade wenn einsolches Jahrhunderte altes Kulturgut wie das Schloß in Neviges zerfällt, weil Rat und Verwaltung nicht in der Lage sind mit dem Geld hauszuhalten, was zur ihnen Verfügung steht. Auch die mangelhafte Planung mit ständigen Verzögerungen (siehe auch das Bürgerhaus in Langenberg) ist nicht mehr zu verantworten.
Zum einen werden Gelder für Maßnahmen bewilligt die jetzt nicht sein müssen, weil diese nur von einigen wenigen aber gewollt sind, zum anderen ist dann kein Geld für die Erhaltung des Bestands da, wie das Schloß in Neviges, die Stadthalle in Neviges, das Freibad in Langenberg oder das Lehrschwimmbecken in Nierenhof.
Der Bestand des geschaffenen Lebensstandards und der damit verbundenen Einrichtungen muss in Zeiten des Sparens Vorrang vor Neuerungen haben. Insbesondere wenn große Nachteile für große Gruppen der Bevölkerung zu befürchten sind.

Deswegen wird die Beteiligung aller Velberter an der Abstimmung über das Langenberger Freibad so wichtig. Diese Abstimmung wird immer mehr zu einer Abstimmung ob die Politik (Rat und Verwaltung) in Velbert mit den Bürgern regiert, oder für die Interessen einiger weniger und damit gegen den Bürger regiert.

09.06.2011
08:59
Auf Suche nach neuen Geldquellen
von dorfbeobachter | #1

Eine Kostensteigerung von 2,7 auf 4,5 Mio. € ist nicht akzeptabel. Sie ist entweder auf mangelnde Sorgfalt der Planer bei der Kostenermittlung zurückzuführen, oder chaotische und anhaltende Zusatzwünsche der Bauherren, bei Behörden durchaus nicht selten. Hier wird entweder von der Verwaltung mit zu geringen Zahlen operiert, um der Politik das Projekt schmackhaft zu machen, oder die Politik zwingt die Verwaltung mit vielen Extras (um sich zu profilieren) in astronomische Kosten.
Meißt kommen alle drei Punkte zusammen.

Ich habe diverse Gebäude umgebaut, davon 10 denkmalgeschützte von der Größenordnung des Schlosses. Wenn man vernünftig und ehrlich rechnet (und sich damit der Gefahr aussetzt, den Auftrag zu verlieren weil der Bauherr schon vorher weiß, was auf ihn zu käme), werden die Kosten eingehalten, d.h. geringfügig unterschritten. Überschreitungen von mehr als 3% sind selten, und meißtens durch bauherrenseitige Ausweitungen des Leistungsumfangs zu erklären.
Die berühmten unvorhergesehenen Mängel im Bestand, Schadstoffe etc. sind nie ein Grund zu Kostensteigerungen. Sie zeugen lediglich von schlechter Vorbereitung.
Als meine Kinder noch im Kindergarten waren, haben wir das schöne Gebäude mit kleinen aber feinen kostenlosen (!) Ausstellungen rege genutzt. Nun sind sie bald erwachsen, und das Schloss ist seit Jahren eine Ruine.

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