Auch Velberter Einzelhändler klagen über frühe Ordertermine

Tanja Fischer arbeitet in der Boutique „B.Sieben“ an der Bahnhofstraße. Hier kann wöchentlich Ware nachbestellt werden.
Tanja Fischer arbeitet in der Boutique „B.Sieben“ an der Bahnhofstraße. Hier kann wöchentlich Ware nachbestellt werden.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Oft müssen Einzelhändler bis zu einem Dreivierteljahr im voraus Waren bestellen. Weniger Risiko tragen Anbieter von saisonunabhängigen Angeboten. Ein Überblick aus Velbert.

Velbert.. Endlich scheint sie, die Sommersonne! Jetzt haben viele Lust, sich dafür auch die passende Kleidung zu kaufen. Im Geschäft muss man dann gar nicht so selten feststellen, dass das ins Auge gefasste Teil schon lange ausverkauft ist, weil es schon Wochen vor dem tatsächlich beginnenden Sommer im Geschäft hing. Um solchen Situationen entgegenzuwirken, hat der Präsident des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Steffen Jost, kürzlich die Losung „Heute kaufen, morgen tragen“ für seine Branche herausgegeben. Doch ist so ein Konzept überhaupt umsetzbar?

„Nein, normalerweise nicht“, sagt Dunja Schmidt-Sicking, Inhaberin von Shoes4us, „Winterschuhe brauchen einfache eine gewisse Vorlaufzeit, so muss etwa zeitig kalkuliert werden, wie viel Leder gegerbt werden muss. Auch die Ordermessen sind immer sehr früh im Jahr. Meistens ist die letzte Wintersaison noch gar nicht zu Ende und ich weiß nicht wie das Geschäft gelaufen ist, soll aber schon für den kommenden Winter Ware ordern, das gleicht oft einem Blindflug.“ Die Erfahrung der drei letzten sehr milden Winter haben überdies bei ihr die Erkenntnis reifen lassen: „So richtig dicke Wintersachen bestelle ich nicht mehr.“

Eben weil sie im Kinderkleidungsbereich so früh vor dem Verkauf Ware ordern musste, hat sich Anke Römhild entschlossen, ihr Kinderbekleidungsgeschäft in der oberen Flandersbach zu schließen und vor vier Wochen mit Geschäftspartnerin Anja Schuster die Damenboutique „B. Sieben“ in der Bahnhofstraße eröffnet. „Wenn man für die Kinder bereits im Hochsommer Schneeanzüge ordern soll, ohne dass man weiß, wie der Winter wird, ist das schon ein Problem.“ Dass sie jetzt vorwiegend Damenmode aus Italien verkauft, hat genau damit zu tun: „Im Damenmodenbereich gibt es eben auch Anbieter, die ihre Waren direkt ab Lager verkaufen. So kann ich wöchentlich Ware nachordern und das Risiko ist für mich nicht so groß. Darum gibt es bei uns auch von vielen Teilen nur jeweils eins pro Größe. Zur Not bestelle ich nach.“

Hedwig Koster vom gleichnamigen Damenmodengeschäft für starke Frauen ist auf den jahreszeitlichen Abverkauf nur bedingt angewiesen: „Ich biete ja auch viele Basics wie Hosen und T-Sirts an, die saisonunabhängig verkauft werden.“ Für die übrige Ware ist aber auch sie an Orderzeiten gebunden: „Das ist schon ein Riesenproblem für den Einzelhandel, wenn aus dem Bauch heraus – während die Wintersaison noch nicht gelaufen ist – zu entscheiden, was man bestellen soll.“ Hilfreich ist für die gelernte Damenschneiderin ihre Stammkundschaft: „Mittlerweile habe ich im Kopf, welche Stücke für meine Kunden infrage kommen könnten.“ Ihrer Meinung nach machen die Händler, die ihre Ware zu früh in den Läden anbieten, das Geschäft kaputt. „Genau wie die, die die gesamte Saison über Rabatte anbieten.“

„Stadt ist weder für Mieten noch Mieter verantwortlich“

Immer wieder fordern Händler in Gesprächen, dass die Stadt für niedrigere Mieten bzw. für Mieter, die Kunden mit mehr Kaufkraft anlocken, sorgen müsste. Dazu stellt Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach klar: „Die Stadt ist einzig und allein für Rahmenbedingungen zuständig und hat keinerlei Einfluss auf Mietpreise. Darüber hinaus lässt sich planungsrechtlich die Ansiedlung von sogenannten Ein-Euro-Shops nicht verhindern. In ihrer unterstützenden und informativen Funktion erarbeitet die Stadt bereits ein integriertes Handlungskonzept, das verschiedene Mitstreiter wie Händler, Velbert Marketing oder Velbert Aktiv zusammen ins Boot holt und das auch ein cityübergreifendes Marketingkonzept beinhaltet.“ Dazu zählt u. a. der Umbau des Forums in ein multifunktionales Begegnungszentrum, ein barrierefreies Rathaus und eine digitale Strategie.