Auch Senioren machen mit beim I-PAD-Kurs in Neviges

Kursleiter Hans-Jürgen Wallberg fördert jeden einzelnen Teilnehmer individuell.
Kursleiter Hans-Jürgen Wallberg fördert jeden einzelnen Teilnehmer individuell.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Sie wollen mit der Zeit gehen und sind neuer Technik gegenüber höchst aufgeschlossen: Viele Senioren machen mit bei dem I-Pad-Kurs im AWO-Stadtteiltreff.

Neviges..  Wenn das kein Zeichen tiefster Sympathie ist: „Huch, ich habe gerade 100 Fotos von Ihnen gemacht“, ruft eine Dame hektisch. Das „Fotomodell“ lächelt nachsichtig und atmet tief durch: „Bitte nur ein mal kurz tippen, nicht lange drücken.“ Hans-Jürgen Wallberg leitet im AWO-Stadtteiltreff den Kurs „iPhone und iPad“. Seine Teilnehmer haben allen Klippen zum Trotz einen Riesenspaß.

Es sind viele hauptsächlich etwas ältere Semester, die freitagvormittags an der Elberfelder Straße 21 zusammenkommen: Um nicht stehen zu bleiben, um mitschwimmen zu können in einer Gesellschaft, in der kaum jemand noch Postkarten aus dem Urlaub schreibt. Um mit Kindern und Enkeln zu kommunizieren, sie vielleicht auch mit dem ein oder anderen Foto zu überraschen – wenn es nicht gerade den Kursleiter in 100-facher Ausführung zeigt . . .

Familie kann nicht erklären

Am kommenden Freitag, dem 17. April, kommen sie zum letzten Mal hier zusammen: Dann sind sie richtig fit, können weit mehr als nur ein bisschen im Internet herum surfen und die ein oder andere Mail schreiben. Wenn schon, dann auch richtig, so dachte sich Andrea Hartwig, die anfangs die pure Not zu dem AWO-Kurs trieb. „Ich hab das Ding von meinem Sohn zum Geburtstag geschenkt bekommen und hab erst mal doof geguckt.“ Versuche aus dem Familienkreis, Muttern durch die Tücken der Technik zu lavieren, scheiterten kläglich – was auch an fehlenden pädagogischen Fähigkeiten lag. „So richtig erklären konnte mir das niemand. Und hier, hier gibt es einfach keine dummen Fragen, da hab ich schon so viel gelernt.“ Und noch viel mehr gelacht.

„Heute geht es um Fotos. Sie können Ihr iPad natürlich auch einfach als Spiegel benutzen und Pickel ausdrücken. Aber aus diesem Alter sind Sie ja langsam heraus“, witzelt Kursleiter Wallberg. „Ich glaube, Sie nehmen da gerade ein Video auf“, meint er vorsichtig zu einer Teilnehmerin, „die Motive sind nur nicht so prickelnd.“ Also ab in den „Papierkorb“ mit dem Film und zum nächsten Thema: Zeitraffer- und Zeitlupenfotos.

Vorsichtig wischen Finger über die Oberfläche, stets die Mahnung im Ohr „nur leicht tippen, nicht zu fest drücken“. Für das Ehepaar Richter ganz selbstverständlich, geübt haben sie schließlich schon mit dem abgelegten iPad des Sohnes. Aber dann packte sie der Ehrgeiz: „Wir wollten auf dem neuesten Stand sein.“ Und so musste vor 14 Tagen ein nagelneues Modell her. Auch Edith Keil (78) ist keine blutige Anfängerin mehr: Fotografieren, Filme drehen, austesten, was dieses flache Wunderding alles kann, das möchte sie hier mitnehmen. „Man fühlt sich ja sonst ausgegrenzt.“

Letzter Punk der Sitzung: Was muss beachtet werden, wenn man diverse Grußformeln am Ende der Mail einprogrammieren möchte? „Sehen Sie, erster Vorschlag ist liebe Grüße. Liebe Gallensteine werden Sie nicht finden, das ist hier keine so häufige Kombination.“