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Auch Franziskaner bekommen Urlaubsgeld

30.12.2015 | 12:00 Uhr
Auch Franziskaner bekommen Urlaubsgeld
Hier wird gelesen, hier wird gelebt: Bruder Dietmar Brüggemann im Aufenthaltsraum der acht Brüder, der direkt an die Krypta grenzt. Bruder Dietmar spricht daher auch gern von der „Grenze zur Schicht“.Foto: Hein Werner Rieck

Zum „Jahr der Orden“ gewährte Bruder Dietmar Brüggemann, Hausoberer bei den Franziskanern in Neviges, der WAZ ein Blick hinter die Mauern des Klosters.

Die „Anwesenheitsliste“ ist eindrucksvoll: massives Holz, verschnörkelte Ornamente. „Oh, müssen wir mal aktualisieren, die beiden sind ja gar nicht da“, sagt Bruder Dietmar Brüggemann und zieht zwei Namensschilder aus dem Schieber.

Auf einen Blick ist jetzt zu sehen: Zwischen den Jahren ist auch im Franziskanerkloster Urlaubszeit, eben wie in jedem anderen Unternehmen. Mit einem Unterschied, wie Bruder Dietmar verschmitzt anmerkt: „Wir leben hier in unserer Firma. Und der Chef sitzt immer mit am Tisch, das kann natürlich auch schon mal Spannungen geben.“ Der Chef, das ist Wallfahrtsleiter Bruder Frank.

Fähre zwischen Himmel und Erde

Die katholische Kirche hat das Jahr 2015 zum „Jahr der Orden“ ausgerufen. „Wir Ordensleute sind wie eine Fähre zwischen dem Ufer des Himmels und dem Ufer der Erde. Unsere Berufung ist es, dem Menschen beim Übersetzen zu helfen“, sagt Bruder Dietmar, der als Guardian das Gemeinschaftsleben der Franziskaner leitet. Doch wie sieht er eigentlich aus, der Alltag dieser „Schiffsleute“ zwischen Himmel und Erde? Zunächst einmal: Jeder hat hier seine eigenen Aufgaben, jedem steht ein freier Tag in der Woche zu, es gibt 30 Urlaubstage im Jahr und dazu Urlaubsgeld – das alles festgelegt vom Bistum: „Alle Franziskaner stehen in einem Gestellungsvertrag mit dem Bistum“, erläutert Bruder Dietmar. Das Bistum überweise die Gehälter an die Ordensprovinz, von dort fließe es weiter zu den Klöstern.

Hintergrund
Orden versetzt Brüder gern bundesweit

Bruder Dietmar Brüggemann (56) leitet auch das Programm „Pilgern im Alltag“.

Gebürtig im sauerländischen Brilon, trat er vor 37 Jahren den Franziskanern bei. Seit 29 Jahren ist er Priester mit Schwerpunkt Pfarr- und Krankenhausseelsorge. Stationen u. a.: Münster, Berlin, Hildesheim, Dortmund, Paderborn, Füssen.

So verwaltet auch in Neviges ein Finanzbruder das Geld, das die acht Brüder zum Lebensunterhalt benötigen – etwa für Lebensmittel oder Kleidung. „Es gibt auch eine dienstliche Kreditkarte, eigene Konten haben wir nicht.“ Dazu bekomme jeder bei Bedarf und Nachfrage ein Taschengeld. „Wenn man mal unterwegs ist, muss man ja auch ein bisschen flüssig sein.“ Alles in allem, so Bruder Dietmar, erhielte man etwa so viel wie ein Hartz-IV-Empfänger – Schlichtheit zeichne den Orden ja aus. Und, ja, es sei ein Leben, das ihn mit großer Zufriedenheit erfülle.

Brüder organisieren Frühstück

Wer so erfrischend-fröhlich erzählt, der kann nur glücklich sein: „Es gibt hier ganz viel Freiraum, um sich auszuprobieren, ich nehme an Fortbildungen teil, an Exerzitien, an Zeiten der Stille“, so der Guardian. Seine Hobbys: Klassische Musik und Lyrik. Und wenn ihn mal das Fernweh packt: „Der Orden ist eine der größten Hotelketten der Welt, Franziskanerklöster sind überall vertreten.“

Doch bleiben wir in Neviges: Hier beginnt der Tag um 6.45 Uhr mit der ersten Messe, um 7.30 Uhr ist Morgengebet, danach wird gemeinsam gefrühstückt. Während sich reihum bestimmte Brüder um Frühstück und Abendessen kümmern, ist für das Mittagessen eine Köchin zuständig. „Die ist im Moment leider krank, zurzeit kocht Schwester Mikrowelle.“

Gegen 8.30 Uhr beginnt dann für alle der Arbeitsalltag: Bruder Konrad zum Beispiel ist vor allem für die Grünanlagen zuständig, die anderen in den Bereichen Wallfahrts-Seelsorge und Pfarrei, also Taufen, Beerdigungen, Trauungen. „Vor kurzem hatten wir eine Wiederaufnahme, vier junge Frauen, die wieder in die Kirche eingetreten sind, das war natürlich schön.“ Einer der Brüder hat auch täglich von 9 bis 11.45 Uhr sowie von 15 bis 17.45 Uhr Beicht-Bereitschaftsdienst: Sobald jemand in der Krypta schellt, geht beim diensthabenden Bruder der Pieper an.

Nach der Siesta – „haben wir aus dem Land des Heiligen Franziskus nach Germanien gerettet, sehr schön“ – wird Kaffee getrunken, dann ist „Nachmittagsschicht“. Um den Zustand des Habits, der Ordenskleidung, kümmern sich die Brüder übrigens selbst. Bruder Dietmar: „Meine bringe ich in die Reinigung. Das ist immer lustig, was dann auf dem Auftragszettel steht, letztens: Trachtenanzug mit Kapuze.“

Kathrin Melliwa

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2015-12-30 12:00
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