Arnold S. wäre stolz
26.06.2009 | 18:06 Uhr 2009-06-26T18:06:00+0200Kriminalhauptkommissare geben der „Predator-Tür” doch einige Sicherheits-Pluspunkte.
Hätten wir doch bloß die verdammten Pferdegeburtshandschuhe aus dem Spiel gelassen. Dann hätte keiner was gemerkt. Sogar Kriminalkommissar Udo Wilke ist zunächst drauf reingefallen. „Die Lackierung habt ihr gut hingekriegt. Ich dachte, dass wär' ne Metalltür.” Ein solches Lob aus dem Munde eines Fachmanns des Dezernats Kriminalprävention tut richtig gut.
Er und sein Kollege Wolfgang Koninski haben sich bereiterklärt, das Exemplar von Reiner De Bruyckere (Schloss- und Beschlägemuseum) und Achim Hodde (WAZ) von der Ausstellung „55 Türen für Velbert” auf Schwachstellen zu analysieren. Eine Holztüre wie alle anderen auch, weist sie allerdings ein paar Eigenheiten auf. Wer das Teil am 20. September ersteigert, hat sicherlich ein Faible für Filme mit Arnold S. aus der Steiermark. Wie ein gebügelter Schrotthaufen sieht die Tür aus. Mit Klappe, Sichtfenster, Kamera, Nullschalter (muss aber keiner wissen) und eben Handschuhen. Aber lassen wir die jetzt mal, denn auch die beiden Experten wissen damit nun gar nichts anzufangen.
Dafür aber mit dem Rest. Wir staunen, befinden wir uns mit der Tür doch offensichtlich auf der Höhe der Bollwerk-gegen-Einbrecher-Zeit. Zunächst die Kamera. „Man muss die Tür nicht öffnen, kann sich jeden Besucher erst einmal anschauen. Perfekt”, sagt Wolfgang Koninski. Kommissar Wilke imponieren die nachgemachten Schweißnähte. „Sie erhöhen den Widerstandszeitwert.” Oder tun zumindest so, als ob. Denn Einbrecher, die so etwas sehen, lassen gleich die Finger davon, weil es zuviel Zeit kostet, die Tür zu überwinden. Wilke: „Nach spätestens fünf Minuten gibt der Täter auf.”
Auch die Klappe bekommt Pluspunkte. „Eine gute Alternative zur Türdistanzsperre”, sagt Koninski, der sich an Türfenster aus früheren Jahren erinnert fühlt. Nachteil: Die Klappe ist zu groß. So genannte Klaukinder seien auf dem Vormarsch und die würden da durchpassen. Wir staunen noch mehr. Auch der Nullschalter, eher als Gag angebracht, gewinnt - als abschreckendes Element. Wilke erläutert: „In Fahrstühlen mit Spiegeln ist weniger Vandalismus.” Der Täter sieht erstens sich selbst und weiß auch nicht, ob es sich nicht um einen venezianischen Spiegel handelt.
Die beiden Kommissare haben auch Vorschläge. Ein Profilzylinderschloss in der Mitte der Türe würde sich noch gut machen. Natürlich wäre der Panzerquerriegel (etwa 500 €!) auf der anderen Seite schon nicht schlecht. Aber beim Anblick des Schlosses allein würde der Einbrecher höchstwahrscheinlich weitergehen. Generell aber lautet die Parole: „Die Polizei ist kein Freund von Dummys.” Licht im Winter, wachsamer Nachbar, etc. sind reelle Maßnahmen, zu denen Wilke und Koninski raten.
So bekommt unsere Tür die künstlerische Note 1+. Die Sicherheitsnote: 3-. Wilke: „Es muss nachgearbeitet werden, eine Wiedervorführung ist erforderlich.” Wir stellen uns beschämt hinter die Tür.