Arbeit als Therapie im neuen Second-Hand-Laden in Neviges

Zur Eröffnung sind alle Regale voll. Bis dahin bügelt Angelika mit Feuereifer und Spaß gebrauchte, gut erhaltene Kinderkleidung in den Räumen des Z.A.B. in Tönisheide.
Zur Eröffnung sind alle Regale voll. Bis dahin bügelt Angelika mit Feuereifer und Spaß gebrauchte, gut erhaltene Kinderkleidung in den Räumen des Z.A.B. in Tönisheide.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In den Räumen der Z.A.B., des Zentrums für Arbeitsförderung und Beschäftigung, wird zurzeit gebügelt, gewaschen, ausgebessert: Am 26. Juni eröffnet hier eine Second-Hand-Boutique für Kinderkleidung und mehr.

Drei Körbe sind knallvoll mit kleinen Cordhosen, Polohemdchen, Babystramplern. Ein weiterer füllt sich gerade mit Wäsche, so akkurat gefaltet, dass man ein Lineal daran halten könnte. Am Bügelbrett steht eine Frau, die strahlt. Und einen Satz sagt, über den andere nur staunen können: „Bügeln, das macht mir einfach Spaß. Je kleiner die Sachen sind, je kniffliger, desto lieber.“

Angelika gehört zum Team des Z.A.B., dem Zentrum für Arbeitsförderung und Beschäftigung. Sie bekommt kein Geld für diese Arbeit, deren Wert für sie, für Peter, Heinz und all die anderen auch nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Sie alle arbeiten in einer „tagesstrukturierenden Einrichtung für suchtkranke Menschen“, wie Rainer Göring, Leiter des Z.A.B. an der Wülfrather Straße in Tönisheide es nennt. In einem Monat, am 26. Juni, eröffnet hier die erste Z.A.B.Second-Hand-Boutique für Kinderkleidung und Spielzeug.

Bügeln kann auch Spaß machen

Bis dahin wird ordentlich in die Hände gespuckt – nicht zur Steigerung des Bruttosozialprodukts, sondern für einen richtig schönen Laden. „Das soll ordentlich aussehen in den Regalen, das ist mir wichtig“, sagt Angelika, greift sich den nächsten zerknautschten Strampler, entdeckt ein Fädchen an der Seite und schneidet es vorsichtig ab „Ich bin sehr gerne hier, und den Spaß am Bügeln, den habe ich wohl von meiner Mutter geerbt.“ Angelika ist eine von 22 Menschen, für die waschen, bügeln, Knöpfe annähen und das Ausbessern von kleinen Holzmöbeln Teil der Therapie ist.

„Hier kommt nichts in die Regale, was nicht zuerst in unserer Waschmaschine war. Auch, wenn die Sachen schon sauber und ordentlich hier ankommen“, sagt Rainer Göring. Ehrensache, dass mal ein Knopf angenäht oder eine Naht ausgebessert wird. Spielzeug und Bilderbücher werden ebenfalls unter die Lupe genommen, über den Ladentisch gehen nur Plüschtiere und Gesellschaftsspiele in einwandfreiem Zustand.

Im hinteren Zimmer schwenkt Heinz beherzt eine Kelle in einem großen Topf mit heißer Flüssigkeit. Vorsichtig gießt er den süßlich riechenden Bienenwachs in kleine Metallförmchen. „So 40 Teelichter schaffe ich wohl am Tag, das ist kein Problem.“ In Kooperation mit der Imkerei Paletta werden hier auch Kerzen hergestellt, am Tisch nebenan haut Gerlinde gerade den Docht in das Metallplättchen.

Auch kleine, in die Jahre gekommene Holzmöbel sind hier in den besten Händen. An den Stühlchen, die Peter und Andreas nach Leibeskräften abschmirgeln und polieren, wird so manches Kind noch Freude haben – alles zu kaufen zum kleinen Preis ab dem 26. Juni.