An Laubbläsern scheiden sich in Velbert die Geister

Schneller geht es mit einem Laubbläser –für die Natur überwiegen aber die Nachteile.
Schneller geht es mit einem Laubbläser –für die Natur überwiegen aber die Nachteile.
Foto: Volker Speckenwirth
Was wir bereits wissen
  • Tausende von Kleinlebewesen werden mit dem Laub eingesaugt, kritisiert der Naturschutzbund
  • Dadurch gebe es weniger Nahrung für Vögel, Igel oder Frösche finden zudem keinen Unterschlupf
  • Technische Betriebe und Landschaftspfleger halten Laubbläser für alternativlos

Velbert..  Jeden Herbst das gleiche Spiel: die Blätter fallen, die Laubbläser kommen, Nachbarn und Anwohner sind genervt. Noch in drei Metern Entfernung erzeugen die mit Verbrennungsmotor betriebenen Geräte einen Schalldruckpegel von 91 Dezibel (dB) – das ist in etwa so laut wie ein Presslufthammer. Dabei gelte nach Meinung von Experten schon eine Dauerbelastung ab 80 dB als schädigend für das menschliche Ohr – von den Nerven ganz zu schweigen.

Aus Sicht des Naturschutzbund (Nabu) Deutschland spricht aber viel mehr als nur der Lärm gegen Laubbläser und -sauger. Denn Tausende von Kleinlebewesen, wie Schmetterlingspuppen, Tausendfüßler, Käfer und andere Insekten und deren Larven, werden mit dem Laub eingesaugt. Entweder sterben sie durch den Sog oder sie werden im Gerät selbst zerhäckselt.

Doch das restlose Entfernen von Laub mitsamt seinen kleinen Bewohnern hat noch weitreichendere Folgen: „Tiere, die keinen Winterschlaf halten, sind auf diese Insekten als Nahrung angewiesen“, sagt Dr. Helmut Beine vom Nabu im Kreis Mettmann. Im Frühling fehlen dieselben Insekten als Nahrung etwa für Jungvögel. Außerdem finden Winterschläfer wie Igel oder Frösche ohne Blätterschicht keinen wärmenden Unterschlupf für ihre Winterruhe. „Das stellt einen erheblichen Eingriff in das vielfältige Leben im Garten dar“, so Beine.

Der Einsatz von Laubbläsern auf Wegen und Straßen ist laut Beine zudem deshalb kritisch, weil auch der auf der Straße liegende Feinstaub aufgewirbelt werde. Dieser enthalte unter anderem Dieselruß, Reifenabrieb und krebserregende Substanzen, die lungengängig sind. Beine rät deshalb dringend davon ab, einen Laubbläser oder -sauger zu kaufen und empfiehlt stattdessen den Einsatz von Rechen und Besen. „Das ist gut für die Gesundheit und die Natur.“

Technische Betriebe: alternativlos

Für Tobias Schiffer, bei den Technischen Betrieben zuständig für den Bereich Grünpflege, sind die Laubbläser allerdings alternativlos: „Sie versetzen uns erst in die Lage, den Laubmengen Herr zu werden. Sonst würde es bis weit in den Winter oder sogar bis in den Frühling dauern, das Laub zu entfernen.“ Auch für Christian Prager von „Garten- und Landschaftsbau Prager“ sind die motorisierten Gebläse „unabdingbar“: „Nur so ist eine schnelle Abwicklung zu einem günstigen Preis möglich.“ Das Unternehmen pflegt zum Beispiel auch die Anlagen der Wohnungsbaugesellschaft Velbert (Wobau).

Auch dort sieht man „keine wirtschaftliche Alternative“. Das Laub werde aber vor Ort belassen und dort als Mulch verwendet. „Das ist eine vernünftige Lösung, so fahren keine LKW durch die Gegend“, sagt Stefan Giesen, Landschaftsarchitekt bei Wobau.

Gute Nachrichten für geschundene Ohren kommen von der Stadt: In ein bis zwei Jahren sollen die ersten benzinbetriebenen Laubbläser durch akkubetriebene ersetzt werden, sagt Schiffer. Diese sind deutlich leiser als die herkömmlichen Gebläse, bislang aber zu teuer und nicht effizient genug.