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Alte Schächte unter grüner Insel

27.09.2012 | 16:43 Uhr
Alte Schächte unter grüner Insel
Über diese Pumpe haben Arbeiter Spezialbeton in den Boden gelassen.Foto: DETLEV KREIMEIER

Velbert.   Anwohner wundern sich über Verfüllarbeiten: Die Wohnungsbaugesellschaft hat alte unterirdische Zechenschächte gefunden

Viel Durchgangsverkehr gibt es am Rosenweg normalerweise nicht. Umso erstaunter war Herbert Kiesbach (Name geändert), als vor einigen Tagen eine ganze Karawane von Lastern an seinem Haus vorbeiratterte. „20 oder 25 große Lkw waren das“, erzählt er. Ihr Ziel: Ein noch unbebautes Grundstück im Neubaugebiet Grüne Insel, ein Projekt der Wohnungsbaugesellschaft Velbert (Wobau). „Die haben da irgendwas aus Tanks über eine Pumpe in vorgebohrte Röhren in den Boden abgelassen“, sagt Kiesbach. Auch andere Anwohner bemerkten die Arbeiten und wandten sich an die WAZ. „Wir würden einfach gerne wissen, was da vor sich geht“, sagt einer von ihnen. „Haben die etwa Hohlräume unter den neuen Grundstücken entdeckt? Kann da was einbrechen?“ Die meisten der Bewohner wissen, dass das Gebiet rund um die Birther Straße früher Zechenrevier war.

350 Kubikmeter Spezialbeton

Harald Stemberg hat sich als Hobbyhistoriker mit der Bergbaugeschichte befasst, er kennt sich aus. „Ab 1896 wurde dort Bleierz gefördert“, erzählt er. Insgesamt 4000 Tonnen holten die Bergleute aus den Schächten. Nach sechs Jahren wurde die Grube 1902 wieder dicht gemacht. Aber sie hinterließ Spuren: ein Tunnelsystem tief unter der Erdoberfläche. Anhand alter Karten lässt sich rekonstruieren, wo die Schächte lagen. Östlich der heutigen Birther Straße etwa, von der der Rosenweg abzweigt, gab es einen. Ein weiterer Schacht lag zwischen der heutigen Brehm-straße und der Von-Humboldt-Straße, ein dritter nahe der Von-Behring-Straße. Und es gab jede Menge Luftschächte, einer davon könnte etwa unterhalb des Grundstücks am Rosenweg gelegen haben. „In der Tat haben wir bei Bohrungen in 16 Metern Tiefe Hohlräume gefunden“, sagt Wobau-Geschäftsführer André Clasen. „Eine Essener Firma haben wir mit der Verpressung beauftragt.“ 350 Kubikmeter Spezialbeton wurden mit Hochdruck in die Hohlräume verfüllt, die Arbeiten sind nahezu abgeschlossen. Sorgen machen müssten sich die Anwohner keine, beruhigt Clasen: „Weitere Hohlräume haben wir nicht entdeckt.“

Von Peter Sieben



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