Ärger mit der Handwerker-Rechnung umgehen

Gibt es Unstimmigkeiten mit dem Handwerker, rät die Verbraucherzentrale erst einmal zu einem klärenden Gespräch. Meist reiche das schon.
Gibt es Unstimmigkeiten mit dem Handwerker, rät die Verbraucherzentrale erst einmal zu einem klärenden Gespräch. Meist reiche das schon.
Foto: Hendrik Schulz
  • Wer sich über saftige Forderungen eines Handwerkers ärgert, sollte freundlich nachfragen
  • In vielen Fällen, so die Verbraucherzentrale, lässt sich so schon viel klären
  • Außerdem helfe es, vor dem Termin einen Kostenvoranschlag einzuholen

Velbert..  Als Heike S. (Name der Red. bekannt) Anfang der Woche eine Rechnung von ihrem Elektriker erhielt, da stand sie schnell unter Strom. Denn: „Für den Austausch von zwei Lichtschaltern wurden gleich eineinhalb Arbeitsstunden veranschlagt“, schildert sie. Das war für sie ganz schön happig: Insgesamt betrug die Rechnung knapp 120 Euro, darin enthalten waren rund 30 Euro für Materialkosten. Was die WAZ-Leserin vor allem auf die Palme brachte war Folgendes: „Der Mitarbeiter des Elektro-Betriebs war freundlich, aber auch sehr kommunikativ. Von den eineinhalb Stunden, die er da war, hat er die Hälfte der Zeit geredet. Jetzt weiß ich zum Beispiel umfassend über seine Rentenansprüche oder seine Wohnung Bescheid.“ Zahlen für dieses „Plauderstündchen“ möchte die 51-Jährige jedoch nicht.

In einem solchen Fall rät Andreas Adelberger, Leiter der Velberter Verbraucherzentrale, zunächst zu einer freundlichen Kontaktaufnahe mit dem Betrieb. „Oft steckt da gar keine böse Absicht dahinter. Das Unternehmen hat vielleicht nur das übernommen, was der Mitarbeiter gesagt hat.“ Der Kontakt erfolge am besten gleich in schriftlicher Form (etwa als E-Mail), auch wenn sich erste Irritationen oft schon am Telefon klären ließen. „Wichtig ist dabei, dass man immer höflich und sachlich bleibt und nicht gleich mit einem Anwalt droht“, so Adelberger.

Das hat Heike S. auch gemacht und schilderte in ein paar Zeilen per E-Mail ihre Einwände. Mit Erfolg: „Eine Stunde später hat der Betrieb geantwortet und sich entschuldigt. Sie hätten die Arbeitszeit nach den Angaben ihres Mitarbeiters berechnet, hieß es.“ Das hat sich auch in klingender Münze ausbezahlt: Die Rechnung wurde auf knapp 85 Euro gekürzt – eine Einsparung von immerhin 35 Euro. „Das war guter Kundenservice, und so etwas kann ja auch passieren“, führt die WAZ-Leserin aus. Und: „Ich werde weiterhin dem Elektriker Aufträge erteilen.“

Das findet auch Verbraucherschützer Adelberger gut. Er hat zudem weitere Tipps parat, wie Ärger zwischen Unternehmen und Kunden vermieden werden könnte. „Man sollte sich immer vorab nach dem Arbeitsstundensatz des Betriebs erkundigen und sich mündlich, bei größeren Arbeiten auch schriftlich einen Kostenvoranschlag geben lassen“, meint er. Die tatsächlichen Kosten dürften dann höchstens um „15 Prozent“ höher sein als die ursprüngliche Kalkulation.

Zusätzliche Kosten erläutern lassen

Sollte der Kostenvoranschlag partout nicht zu halten sein – etwa wenn bei einer Treppenerneuerung sich erst bei der Durchführung des Gewerks herausstellt, dass der ganze Boden darunter morsch ist – dann sei es die Pflicht des Betriebs, die Kunden darauf hinzuweisen und die zusätzlichen Kosten zu erläutern. „Die Arbeiten bis dahin müssen aber bezahlt werden“, erklärt Adelberger.

Zudem weist Adelberger darauf hin, dass der Satz für geleistete Arbeiten transparent sein muss. „Manche Betriebe legen bei den Rechnungen auch ,Arbeitswerte’ zugrunde. Dabei ist es aber oft nicht klar, was das ist“, sagt er. So könne ein Arbeitswert 20 Minuten sein – oder auch eine angefangene Stunde oder Viertelstunde. „Das sollten sich Verbraucher immer vorher erklären lassen.“

Kreishandwerkerschaft vermittelt

Sollten sich Differenzen zwischen Betrieben und Kunden nicht einvernehmlich lösen lassen, kann die Kreishandwerkerschaft Mettmann helfen, wie ihr Hauptgeschäftsführer Martin Lindemann ausführt: „Gibt es Unstimmigkeiten, können wir versuchen zu vermitteln“, sagt er. Allerdings muss das Unternehmen Mitglied in einer jeweiligen Innung der Kreishandwerkerschaft sein. Und: „Der Betrieb muss auch mit dieser Vermittlung einverstanden sein.“ Im Zweifel könne dann ein Sachverständiger oder ein Obermeister der Innung eingeschaltet werden und sich den Fall anschauen.

Allzu häufig würden solche Anfragen aber nicht an die Kreishandwerkerschaft gestellt, „wir führen auch nicht Buch darüber“, so Lindemann. Er verweist zudem darauf, dass es bei den allermeisten Rechnungen der Betriebe keinerlei Beschwerden gebe. Wenn aber doch, dann beklagten sich Kunden in der Regel über den Preis, die benötigte Arbeitszeit oder die Fahrtkosten. Auch fachliche Beanstandungen, etwa zur Qualität der geleisteten Arbeit, würden vorgetragen. Weitere Informationen zu möglichen Vermittlungen erteilt die Kreishandwerkerschaft unter (0 21 04) 9 55 30.