Abschreckend
23.04.2009 | 17:29 Uhr 2009-04-23T17:29:00+0200Video-Überwachung auf Schulhöfen stößt auf geteilte Resonanz. An Kriminalitäts-Schwerpunkten hat sie sich bewährt.
Auf geteilte Resonanz stößt der Vorschlag von NRW-Schulministerin Barbara Sommer, Schulhöfe zur Verhinderung von Vandalismus außerhalb der Schulzeit mit Videokameras überwachen zu lassen, in Velbert. „Wir möchten das hier nicht haben”, sagt Helma Becker energisch. Die Leiterin der Grundschule Birth hält derart drastische Maßnahmen für unnötig: „Ich finde, das müsste man über andere Wege schaffen”, sagt sie – und nennt auch gleich einen: „Wir sind ja ein Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf und arbeiten sehr eng mit den Eltern zusammen.”
Bei der Gesamtschule hingegen rennt die Schulministerin mit ihrem Vorschlag offene Türen ein. „Wir hatten eine Videoüberwachung des Schulhofs bereits bei der Stadt angeregt”, erklärt der stellvertretende Schulleiter Karl-Ernst Starr. Dort habe man sich allerdings „sperrig” gezeigt: „Es gab rechtliche Bedenken.”
Gerade an Wochenenden würde Starr eine Videoüberwachung für sinnvoll halten: „Da lagern hier oft Jugendliche und hinterlassen jede Menge Müll.” Dagegen, dass Nachmittags dort gespielt wird, hat Starr nichts einzuwenden: „Dafür sind die Schulhöfe ja freigegeben. Aber wenn Feiern ausarten, Müll rumliegt und sich die Anwohner beschweren – das geht nicht.”
„Wir sind ja kein Überwachungsstaat”, gibt sich auch Claudia Nübel skeptisch. Dennoch: Eine Überwachung des Eingangsbereichs kann sich die Leiterin der Realschule Kastanienallee durchaus vorstellen. „Regelmäßig finden hier freitags- und samstags nachts Orgien statt. Da wird fleißig dem Alkohol zugesprochen und randaliert.”
Aus diesem Grund fände Claudia Nübel es „durchaus okay, wenn hier ab neun, zehn Uhr abends was gemacht würde”. Schließlich würden die Schüler dazu angehalten, vernünftig mit Schulinventar umzugehen, führten sogar ein Toilettenbuch, „und dann werden von Vandalen die Türgriffe abgerissen oder Hakenkreuze in die neuen Türen geritzt”. Den Schulhof selbst möchte Claudia Nübel allerdings von einer Überwachung ausschließen. „Da würde auch ein Zaun reichen.”
Skeptisch zeigt sich hingegen Ulrich Laaser, Leiter der Velberter Polizeiwache: „Ich halte das aus verfassungsrechtlichen Gründen für bedenklich. Wir entwickeln uns noch zum Überwachungsstaat – demnächst sind dann die Kindergärten dran.” Dabei, so Laaser, gebe es Besseres als Überwachung: „Gespräche.”
Erfahrungen mit Überwachungskameras hat die Stadt an zwei Punkten: im Herminghauspark und im Fußgängertunnel Am Berg. „Es ist aus meiner Sicht in erster Linie eine Abschreckung”, sagt Sina Friedrich, bei den TBV zuständig für den Herminghauspark. „Man muss klar sagen: An den Abschnitten, die per Video überwacht werden, passiert weniger als woanders.”
Ähnlich sieht Arnd Sulimma (TBV) die Situation im Fußgängertunnel Am Berg: „Die Kamera dort ist vor fünf Jahren installiert worden, und in dieser Zeit haben wir der Polizei viermal Material der Kamera zur Verfügung gestellt.” Früher habe es im Tunnel häufig Überfälle gegeben. Sulimma: „Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich die Lage dort entspannt hat.”
15:06
@einestadt:
Sehr schoener Beitrag
Uebrigens: Wie effektiv solche Kameras sind hat sich ja im Herminghauspark gezeigt.
11:26
Der Hang zu staatlicher Überwachung, Reglementierung und Zensur greift immer mehr um sich. Auf einen Übeltäter kommen hunderte unschuldige Menschen, die sich mitbeobachten lassen müssen. Verhältnismäßig ist etwas anderes.
Sinnvoller wäre es, den Aufwand in die Bekämpfung der Ursachen zu investieren, nicht in die Bekämpfung der Symptome.