MenschenRechte!
Nevigeser Organisation „BrachLand” lädt zur Ausstellung und Gedenkveranstaltung ins Velberter Forum Niederberg.
Er ist ein Thema, und er bleibt ein Thema: der Mauerfall. Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Maueröffnung lädt der in Neviges ansässige Kunstverein „BrachLand” zu zwei Veranstaltungen ins Velberter Forum Niederberg ein. Unter dem Titel „MenschenRechte! Kunst und Menschenrecht im Widerstand” wird am 3. November (um 19.30 Uhr) eine Ausstellung mit Werken von Annemirl Bauer eröffnet. Gezeigt werden (bis Montag, 28. Dezember) Exponate der Berliner Künstlerin und Dokumente der Überwachung des Wahl-Langenbergers Jens-Uwe Böttcher durch die Staatssicherheitsbehörde der DDR. Sprechen wird Dr. Karl Erb vom Kunstverein „BrachLand”.
Am eigentlichen Tag des Mauerfalls, am Montag, 9. November, um 19.30 Uhr lädt „BrachLand” zu einer Gedenkveranstaltung in den Kleinen Saal des Forum Niederberg ein. Nach Einführung in die Thematik laden Dr. Karl Erb, Amrei Bauer, die Tochter der Künstlerin, und Jens-Uwe Böttcher alle Interessierten zum Gespräch ein.
Der Zeitzeuge Jens-Uwe Böttcher wurde 1968 in Dresden geboren und lebt seit Ende 1992 mit seiner Familie in Langenberg. Von 1987 bis zum Mauerfall geriet er ins Visier der DDR-Behörde für Staatssicherheit wegen eines Ausreiseantrags und der Verweigerung des Kriegsdienstes in der NVA (Nationale Volksarmee der DDR). Bereits als Schüler bekamen er und seine Familie den Druck der Diktatur zu spüren, weil er einen Aufnäher der DDR-Friedensbewegung mit dem seinerzeit berühmten Slogan „Schwerter zu Pflugscharen” auf dem Ärmel seiner Jacke trug.
Die Künstlerin Annemirl Bauer (1939 – 1989) lebte und arbeitete als bildende Künstlerin in Ost-Berlin. „Ihr umfangreiches Werk ist von ungewöhnlicher Authentizität, Widerständigkeit und Zivilcourage geprägt”, so beschreibt der „BrachLand”-Vorsitzende Erb. Ihre Eingabe 1984, in der Annemirl Bauer das Recht auf „ungehinderte Ausreise mit Wiederkehr” für alle DDR-Bürger als Menschenrecht einforderte, hatte ein lanciertes Disziplinarverfahren der Staatssicherheit und somit den Ausschluss aus dem Künstlerverband zur Folge, der für sie einem Berufsverbot gleich kam.
Vergeblich versuchte die Staatssicherheit ihre „gesellschaftliche Disziplinierung” zu erzwingen. Im innerdeutschen Kunst-Dialog ist bislang nur wenig über die Widerständigkeit von Künstlerinnen bekannt, die im Ostteil Berlins ihre Stimme gegen das DDR-Regime erhoben haben und in die Fänge der Staatssicherheit geraten sind.
In Zeiten der Gesichtslosigkeit ein Gesicht zu wahren, so ließe sich das künstlerische Anliegen der Malerin Annemirl Bauer umschreiben. Annemirl Bauer setzte den Doktren des kollektiven „Wir” ein die Scheinheiligkeit entlarvendes „Ich” entgegen. Erst seit einigen Jahren wird Annemirl Bauer allmählich über Berlin hinaus bekannt und dies vor allem Dank der engagierten Betreuung des künstlerischen Nachlasses durch die Tochter.
Ein Teil der Werke erwarb 2007 das Museum für Junge Kunst in Frankfurt (Oder); die
anderen Arbeiten befinden sich im Nachlassarchiv von Amrei Bauer. Im Sommer 1989, drei Monate vor dem Mauerfall, starb Annemirl Bauer 50-jährig in Berlin.
Am 9. November repräsentiert Tochter Amrei Bauer ihre vor 20 Jahren verstorbene Mutter. Dr. Karl Erb: „Gerade diese Frau hätte den Mauerfall erleben müssen.”





