Schloss- und Beschlägemuseum : Kunst in der Kiste
Velbert. Was verbinden Sie mit einem düsteren Kellerraum? Was ist, wenn ihre Stehlampe plötzlich schräg von der Wand hängt? All diese Fragen stellten sich auch die Zehntklässler der Gesamtschule. In Gedichten und Kurzgeschichten gaben sie bei der Ausstellungseröffnung der „RaumTraum“- Kunstaktion nun die passenden Antworten.
Bevor die Vernissage begann, mussten die Gäste aber erstmal durch das Raum-Labyrinth im ersten Stock des Schloss- und Beschlägemuseums. Eine Wanderung durch die großen Räume half den Besuchern zu verstehen, was ein Stockwerk tiefer passieren wird. „Die Geschichten und Gedichte sind unter anderem an diese Räume angelehnt“, erklärt Dieter Sander-Manzek. Er ist Leiter der Abteilung „Bildende Kunst“ an der Velberter Musik- und Kunstschule und hat das Projekt begleitet. Weitere Inspiration lieferten die Traum-Boxen der Schüler (die WAZ berichtete). An die Wand geschraubt und beleuchtet gaben sie ein eindrucksvolles Gesamtbild ab und luden die Besucher zum verweilen ein.
Dann wurde das Licht gedämmt und auch das letzte Gemurmel verstummte. Plötzliche leuchtete eine der insgesamt drei kleinen Bühnen auf. Schnell wandte sich das Publikum der Lichtquelle zu. Nach ein paar einleitenden Worten wurde es wieder dunkel – eine andere Bühne leuchtete auf. Dieses Wechselspiel zog sich durch den gesamten Abend und machte die Vernissage zu einem besonderen Erlebnis. Man wusste nie, welche Bühne als nächstes angestrahlt wurde und musste sich immer wieder auf eine neue Klangrichtung einstellen. Ein waschechtes „Dolby Surround“-Erlebnis sozusagen.
Lyrik wird geliebt oder gehasst. Viele Leute finden Gedichte trocken und sterbenslangweilig. Die Zehntklässler sorgten bei der Ausstellungseröffnung aber dafür, dass die selbst geschriebenen Werke frisch und lebendig wirkten. Die Nachwuchskünstler trugen ihre Werke mit viel Gefühl und sogar in unterschiedlichen Sprachen vor. Das lag auch daran, dass viele Geschichten autobiographisch waren. „Ich habe vom Krieg im Kosovo geschrieben“, erklärt Arbërie Islami. Die 15-jährige Albanerin hat die Erzählungen von Verwandten und Bekannten in emotionale Gedichte und Kurzgeschichten verpackt. Zu einem ihrer Gedichte über die Zeit und ihre Vergänglichkeit hat sie sich sogar tatkräftige Unterstützung geholt: vier Streicher aus dem Orchester der Musik- und Kunstschule. „Ich habe überlegt, wie ich die Strophen klanglich darstellen kann und ich fand, dass Violinen am besten passen“, beschreibt Arbërie die Umsetzung ihres vertonten Gedichtes. Quietschende Töne als Klingeln des Weckers, gezupfte Saiten als Ticken der Uhr. Gänsehaut rief auch der Zeit-Rap hervor. Rhythmisches Klopfen auf dem Tisch, begleitet von Schnipsen und Klatschen. Das brachte, wie ein tiefer Bass, den Magen zum Kribbeln und ließ Musikerherzen höher schlagen. Alles in allem war die Vernissage ein brillant inszeniertes Gesamtkunstwerk. „Und das haben größtenteils allein die Schüler organisiert“, erklärte Deutschlehrerin Melanie Grosse-Beckmann. So viel Ehrgeiz und Leidenschaft kann sich sehen lassen – und zwar noch bis zum 11. April im Schloss- und Beschlägemuseum.






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