Flashmob zündet nicht
Das Bildungsstreik-Komitee wollte zum Abschluss der Aktionswoche einen Kreisverkehr mit Radfahrern blockieren.
Von der Forderung rücken sie nicht ab: „Unser Hauptziel sind mehr Investitionen in unsere Bildung”, erklärt Tatjana Otto. Die 16-Jährige ist Mitglied im Bildungsstreik-Komitee. Nachdem bereits am Dienstag nach Angaben der Veranstalter 2000 Schülerinnen und Schüler für ihre Rechte in der Fußgängerzone protestierten, war gestern eine weitere Aktion geplant.
Am Willy-Brandt-Platz wollte Jugendliche mit ihren Fahrrädern den Kreisverkehr blockieren. „Ich hoffe, dass das bei den Menschen richtig ankommt. Wir wollen nicht einfach nur sinnlos den Verkehr stören”, erzählte die 16-Jährige vor der Aktion, die für 16 Uhr geplant war. „Wir brauchen Aufmerksamkeit, damit unserere Probleme endlich einmal erkannt und ernstgenommen werden.”
Der Plan scheiterte. Lediglich zwei Schüler tauchten mit ihrem Fahrrad auf. Die Besatzung von zwei Einsatzwagen der Polizei hielt die Organisatoren, die später wenigstens ihre Plakate gut sichtbar für den Berufsverkehr aufstellen wollten, im Blick.
Die Bilanz für die ganze Woche fiel dennoch positiv aus: „Ich kann wirklich nur ein äußerst positives Fazit nach unseren Aktionen ziehen”, sagt Otto. Aufmerksamkeit – die haben die vielen Protestler in den letzten Tagen sicherlich bekommen. Viele Bürger echauffierten sich nicht nur über gestohlene Mandarinen oder Papierschnitzel, sondern auch über pöbelnde und in Einzelfällen sogar betrunkene Jugendliche in der Fußgängerzone. „Für die teils etwas chaotischen Zustände konnten wir als Organisatoren auch nichts. Es gibt halt immer ein paar Unruhestifter, die dann leider ein schlechtes Bild auf die ganze Aktion werfen”, bedauert Otto. „Im Großen und Ganzen denke ich aber, dass die Demonstration durchaus positiv angekommen ist und den Schülern außerdem auch noch Spaß gemacht hat.” Die Proteste sollen jetzt Wirkung zeigen. Die Politiker seien aufgefordert, zumindest zu versuchen, etwas an den Misständen zu ändern.
Vor allem willkürlich vergebene Kopfnoten, Lehrermangel und das neue G8-System sorgen für reichlich Zündstoff. „Es mangelt uns an sehr vielen Dingen. Zum Teil sind es auch nur kleine Sachen, wie die Kopfnoten, die den Schulalltag aber trotzdem stören”, sagt Otto. „Diese werden meist nach Sympathie verteilt und haben deshalb eigentlich überhaupt keine Aussagekraft.”
Auch Lehrer unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihrem Tatendrang. „Viele Lehrer sind sehr beeindruckt von unserem Engagement. Ihnen geht es auch nicht anders. Sie leiden genauso wie wir unter den Neuerungen in unserem Schulsystem.”
Autofahrern und ordnungsliebenden Menschen sei an dieser Stelle gesagt, dass der Flashmob (= spontane Zusammenkunft von Menschen in der Öffentlichkeit) am Kreisverkehr vorerst die letzte Aktion war.





