Bei der LSG : Ferien auf der Schulbank

Langenberg. Drei 17-Jährige opferten ihre freie Zeit für einen Trainerschein – und führen nun auch 50-Jährige ins Taekwondo ein
„Sobald du in die Halle kommst, zählt nicht mehr dein Alter, sondern nur die Farbe deines Gürtels”, erklärt Mirsad Bajrami. Der 17-jährige Taekwondo-Kämpfer hat bereits früh erkannt, dass er nicht nur auf der Matte stehen, sondern auch anderen etwas beibringen möchte.
„Bereits mit 14 hat er mir beim Training geholfen”, erzählt Melanie Colak, die gemeinsam mit ihrem Mann Ismet die Taekwondo-Abteilung der Langenberger SG führt. Doch damals hatte der Schüler noch keine Lizenz und machte noch alles auf Anweisung. Jetzt, drei Jahre später, sieht das anders aus. Mirsad Bajrami steht vorne, vor der gesamten Gruppe, und zeigt seinen Schülern – der älteste ist schon über 50 Jahre alt – die richtige Technik, den perfekten Griff und die nötige Konzentration. Probleme mit der Autorität gab es nie.
Was als kleines Experiment begann, ist bei der Langenberger SG mittlerweile schon zum Prinzip geworden. „Unsere Abteilung ist stetig gewachsen. Mittlerweile sind es über 100 Mitglieder. Da mussten wir uns überlegen, ob wir Trainer von außerhalb holen oder uns in unseren eigenen Reihen bedienen”, erzählt Ismet Colak. Schnell hatte er sich mit seiner Frau Melanie darauf geeinigt, dass sie auf den eigenen Nachwuchs setzen wollen. „Wir wollten Trainer bekommen, die sich voll mit dem Verein identifizieren und auch längerfristig an die LSG gebunden sind”, so Colak.
Und sie wurden fündig. Neben Mirsad Bajrami sind mittlerweile die ebenfalls 17-jährigen Nora Pietrass und Admir Delic zum Trainerteam der LSG gestoßen. „Da hatten wir natürlich Glück. Jugendliche in dem Alter interessieren sich für gewöhnlich für andere Sachen. Zudem machen sie ihre Sache wirklich gut”, lobt Melanie Colak.
Doch damit die drei ihre Kampfsportart an andere weitergeben dürfen, mussten sie erst zwei Wochen ihrer Ferien opfern. Während ihre Mitschüler irgendwo am Strand lagen, drückten sie zusätzlich die Schulbank. Neben den eigentlichen Techniken wurden sie dort auch in der Geschichte und der Philosophie des Taekwondo gelehrt. „Wir mussten am Ende auch ein Referat über 20 Seiten abgeben. Das war mit viel Arbeit verbunden”, erinnert sich Nora Pietrass. Denn die Hausarbeit war nicht das einzige, was die drei Nachwuchskämpfer abliefern mussten. Eine mehrstündige Klausur und natürlich eine Praxisprüfung mussten abgelegt werden. Doch alle drei schafften es und besitzen nun die Trainer-C-Lizenz.
Den sportlichen Zenit wollen sie damit allerdings noch nicht erreicht haben. Sie haben noch etliche Ziele. „Natürlich steht ganz oben erst mal der zweite Dan, das sind die Meistergrade im Taekwondo. Und auch ansonsten kann man immer noch ganz viel lernen. Denn Taekwondo ist unglaublich vielseitig. Alle Techniken kann man eigentlich niemals beherrschen”, erklärt Admir Delic, der weiß, dass seine Ziele erneut mit großem Aufwand verbunden sein werden.
„Doch das wird keiner von uns bereuen. Es ist für uns eben mehr als nur ein Hobby, es ist schon zu einem zweiten Leben geworden. Meine Freunde kennen mittlerweile auch meine Trainingszeiten und nehmen dann Rücksicht darauf”, erklärt Mirsad Bajrami. Ansonsten seien sie aber ganz normale Teenager, betonen die drei Kampfsportler, die auch mal gerne feiern gehen – nur eben nicht an drei bestimmten Tagen in der Woche. Dann sind sie in der Halle und treten gegen die Pratzen.





