Aus Alltag wird Kunst
Norbert Molitor stellt seine Werke bis zum 12. Mai in der Vorburg aus.Die Tusche-Zeichnungen zeigen Stühle in allen Variationen
Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass Sie gerade sitzen. Vielleicht sogar auf einem Stuhl. Womit wir beim Thema wären. Denn Stühle sind Norbert Molitors Metier. Nicht nur beruflich. Seine Freizeit nutzt der Designer Molitor, um Stühle in allen Formen zu zeichnen. Mit Tusche und nur in schwarz-weiß.
Warum er das tut? "Nun, ich kann nichts anderes", sagt der Künstler lachend. Und wird dann wieder ernst. "Nein, Stühle gehören zu unserem Alltag und haben eine besondere Ästhetik. Außerdem sind Stühle wahrhaft demokratisch. Jeder hat schließlich einen." Ganz eigen ist Molitors Werken auch, dass sie ursprünglich aus zwei Teilen bestehen. "Ich zeichne auf Din A3 Bögen und klebe die schließlich zusammen", erklärt er. Der Grund dafür sei ziemlich banal und habe keine tiefere Bedeutung: "Früher habe ich meine Werke in einer Mappe mitgeführt und dann vor Ort zusammen gefügt. Das war einfacher in der Handhabung." Und bei dieser Methode sei er dann einfach geblieben.
Angefangen Stühle zu zeichnen habe Norbert Molitor vor einem guten Vierteljahrhundert, berichtet Dr. Karl Erb, Vorsitzender des Kunstvereins Brachland und langjähriger Freund des Künstlers. Damals habe Molitor in Griechenland Urlaub gemacht. "Ich habe ihn dann gefragt, warum er dort begonnen habe, die Sitzmöbel auf Papier zu bannen und er sagte mir nur: ,Die standen da halt so rum.'" Inzwischen sei Norbert Molitor wohl der einzige Künstler, der sich so ausführlich mit Stühlen auseinandersetze.
"Für mich haben die Bilder aber noch eine ganz andere Bedeutung", fährt Erb fort. "Stühle sind ja auch ein Ruhemöbel, und hier ruht der Designer von seiner Arbeit und lässt seiner Kreativität freien Lauf. Ohne Druck und ohne Vorgaben."
Die Zeichnungen selbst zeugen davon, dass sich Norbert Molitor mit seinem bevorzugten Objekt bestens auskennt. Ob Liegestuhl, Sessel, Designer-Stühle oder Sitzmöbel aus dem alltäglichen Gebrauch: Die Detailfülle und Genauigkeit der Werke überzeugt. Gleichzeitig schafft es Molitor, den Blick der Besucher auf den Stuhl zu fokussieren. Denn bei den meisten Bildern ist der Hintergrund nur unvollständig wieder gegeben.
In der Vorburg sind nun 65 Werke Molitors ausgestellt. Mit dabei auch seine neuesten Bilder, die so genannten 5-Minuten-Stühle. "Die zeichne ich eben in fünf Minuten", klärt der Zeichner über den Titel auf. Das Format ist natürlich kleiner als bei seinen anderen Werken. Und Molitor lässt sich hier beim Zeichnen auch über die Schulter schauen. Immer sonntags, zwischen 14 und 17 Uhr in der Vorburg.





