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2000 Schüler auf der Straße

17.11.2009 | 19:29 Uhr

Die Demonstranten forderten lautstark mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem. Es gab kleinere Zwischenfälle.

Der Lärm ist kaum zu überhören. 2000 Schüler ziehen pfeifend und grölend durch die Fußgängerzone. Passanten bringen sich in Hauseingängen in Sicherheit. Ein Demonstrant brüllt ins Megafon: „Bildung für alle! Sonst gibt's Krawalle!” Einige hundert Kehlen brüllen hinterher.

Die Menge stoppt vor einer Bank. „Wir fordern die Aufhebung der Kopfnoten”, ruft die 16-jährige Schülerin Rhena Lissy mit heller Stimme ins quietschende Megafon. Der Rest ihrer Rede geht im allgemeinen Gewusel unter.

Im Hintergrund machen sich andere Demonstranten an der Tür der Bank zu schaffen. Sie wickeln die Griffe mit Flatterband ein. Kunden und Mitarbeiter kommen nicht mehr durch. Polizei und Ordnungsamt sehen dem Schauspiel eine Weile zu. Dann greifen die Männer vom Ordnungsdienst ein. Das Schauspiel wiederholt sich an mehreren Banken und Sparkassen.

Warum ausgerechnet da? Die Schüler rechnen vor, dass mit den Staatshilfen für die Banken, auch das Bildungssystem über Jahrzehnte hätte finanziert werden können. Wieder Gebrüll: „Wir stehen hier. Wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.”

Die Schüler fordern die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulystems. Sie wollen mehr Lehrer und kleinere Klassen. Die auf acht Jahre verkürzte Schulzeit am Gymnasium ist vielen ein Dorn im Auge. „Ich glaube, dass wir es schaffen können, diese Ziele in die Tat umzusetzen”, sagt Mitorganisator Serdar Agit Boztemur. Er freue sich, dass so viele Schüler zu Demo gekommen seien. Die Veranstalter hatten mit 250 gerechnet. „Ich sehe darin sehr viel Potenzial.”

SPD-Geschäftsführer Volker Münchow ergreift bei der Abschlusskundgebung das Wort. Es gebe weltweit 17 Länder mit einem ungerechten Bildungssystem. 16 davon seien in Deutschland. Nummer 17 sei Österreich. Münchow nennt Staaten wie Indien als Beispiel für ein gerechteres Schulsystem. Er wettert gegen NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU): „Frau Sommer ist nicht nett.”

Es kommt auch zu Zwischenfällen: Gleich zu Beginn versuchen Neonazis die Demo zu stören. Die Polizei erteilt den Rechten einen Platzverweis. „Es waren leider junge Leute dabei, die menschenverachtende Parolen verbreitet haben”, bestätigt auch Serdar Agit Boztemur.

Bei einer Kundgebung in der Nähe des Rathauses schmeißt jemand eine Rauchbombe zwischen die dicht gedrängt stehenden Demonstranten. Die Organisatoren reagieren schnell und lassen die Menge weiterlaufen. Ein Polizist tritt das stark qualmende Etwas beherzt mit seinen Schuhen aus.

Bei jedem Zwischenstopp fliegen Schnipsel in die Luft. Die Demonstranten hinterlassen Tetra-Packs und Papiermüll auf der Straße. Einer klaut im Vorbeigehen am Obststand eine Mandarine. Andere folgen dem Beispiel. Einige Schüler tragen Bierflaschen in der Hand. Es gibt Scherben. Da gebe es nichts zu verhehlen, sagt Serdar Agit Boztemur: „Es ist mir sehr unangenehm.” Er habe die Demonstranten doch immer wieder aufgefordert, keinen Müll auf den Boden zu werfen.

Die Polizei kündigt an, dass die Veranstalter mit einer Rechnung für die anschließende Reinigungsaktion rechnen müssen. Die Stadt rückt noch am Mittag mit Kehrmaschine und Fußtrupps in die Fußgängerzone aus. Boztemur bittet die Stadtverwaltung um Gnade. Schließlich habe die Mehrheit ja für ehrenwerte Ziele demonstriert. Der 20-Jährige: „Wir bitten darum, nicht die ganze Organisation zu kriminalisieren.”

Arne Poll

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Kommentare
19.11.2009
15:52
2000 Schüler auf der Straße
von B.G. | #38

Da sonst in den Medien objektiv Berichtet wurde
über den Bildungsstreik im allgemeinen, sollte
man der WAZ -Velbert nicht soviel Gewicht geben

19.11.2009
15:45
2000 Schüler auf der Straße
von Frank Telega | #37

Wie man einen objektiven Bericht schreibt, sieht man in der WZ. Sehr schöner Artikel.

18.11.2009
23:14
2000 Schüler auf der Straße
von möp | #36

Wieso antifa unbedingt besser sein soll entzieht sich einem aber auch vorallem wenns um bildung ggeht...

das turboabitur ist totaler schwachsinn dann sitzen die leute den ganzen tag nur noch inner schule und haben gar kein anderes leben mehr. und naja fehlstunden landen dann doch meist nicht aufem zeugnis habs schon oft erlebt das die größten schwänzer null stunden aufem zeugnis haben.. einige vergessen einfach ihre eigene schulzeit...
naja aber staat wird immer das machen was er will obs nun schule is oder studium einmal eingeschlagen gibts bei den politikern kein zurück mehr. und gewählt werden die trotzdem ^^

18.11.2009
17:41
2000 Schüler auf der Straße
von Frank Telega | #35

Der Rektor vom NEG hat sich den Schüler noch in den Weg gestellt und ihnen gedroht, also glaube ich nicht, das die schüler nur frei haben wollten.

Auch lächerliche Argumente kamen von seiten der HS Am Baum. Man wüsste nicht wer hinter der Demo steckt und man würde nach der Demo Türken jagen. Ne ist klar liebe Verantwortliche der Hauptschule.

Wir kämpfen weiter.

18.11.2009
17:09
2000 Schüler auf der Straße
von B.G. | #34

Es ist sehr bedauerlich das dort bei der Demonstration Müll auf der Straße gelandet ist. Aber bei einem Rosenmontagszug ist es bei weitem doch mehr Müll und Scherben die zurück bleiben. wer Zahlt bei dieser Bespassung die Reinigung?
Bei jedem Fußballspiel selbst an der Sonnenblume sind doch bei weitem mehr Polizisten im Einsatz.
Und nicht wie hier zu Diesem so wörtlich, da Ohren Zeuge, Schwachsinn.
Vielleicht wäre da eine Berichterstattung die sich mehr mit dem Anliegen der Schüler und Studenten beschäftigt hätte besser gewesen.
Wenn jugendliche Demonstrieren und dann nur Krawall Macher beobachtet werden, ist das für eine funktionierende Demokratie auch nicht. förderlich. Denn das sind die Wähler von Morgen und vielleicht schon von Heute.
Ein Vater dessen Sohn bei der Demo dabei war.

18.11.2009
16:56
2000 Schüler auf der Straße
von AntiCDU | #33

Die Neonazis rugen T-shirts mit Aufschriften wie NAZI und Nationaler Widerstand !

Was soll der Mist!

Es ging um Bildung nicht um faschistische Meinungen Wie Bildung ist für Deutsche und so was zu verbreiten !
Aussderm haben die Linken (Antifa) nichts gemavht da der Veranstalter ssie drum gebeten hat!

18.11.2009
16:32
2000 Schüler auf der Straße
von Sascha G. | #32

@klazi,
wenn man die Organisation dieser Demonstration nicht als engagement bezeichnen kann, dann weiß ich auch nicht weiter. Studieren kostet, und nicht jeder hat Eltern die sich das leisten können.
Und ich denke wer manipuliert wurde, sind sie selbst von diesem ... Artikel.

18.11.2009
13:31
2000 Schüler auf der Straße
von klazi | #31

Mich hat die Demonstration in keinsder Weise überzeugt. Es war mehr Quantität als Qualität.. Banale Parolen wie: Bildung für alle, sonst gibt´s Krawalle sind auch nicht der richtige Weg. Gefragt ist heute vielmehr persönliches Engagement: studieren statt demonstrieren .. Alles in allem, die Kinder haben ihren Spaß gehabt und haben erfahren können wie einfach es ist, sich manipulieren zu lassen.

18.11.2009
12:22
2000 Schüler auf der Straße
von Kathi | #30

Ja so nen freien Schultag nimmt doch jeder mit.
Wäre nur schön wenn diese 2000 Schüler die schon vorhandenen Angebote nutzen würden. Für eine bessere Bildung muss man auch selber arbeiten, dazu gehören auch Hausaufgaben und aufmerksam im Unterricht zuhören. Aber einfach mal weniger arbeiten und bessere Noten kriegen wäre natürlich super für die Schüler, aber ist das dann bessere Bildung?

18.11.2009
12:08
2000 Schüler auf der Straße
von Wintfried | #29

Nein das glaube ich definitiv nicht!

Vielen Schülern wurde es von der Schulleitung her VERBOTEN teilzunehmen und mit Konsequenzen gedroht. Auch werden alle Fehlstunden auf dem Zeugnis erscheinen- sie nehmen dafür viel in Kauf, um auf die Straße zu gehen!

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