18 Minuten bis zum Eintreffen des Rettungswagens "völlig inakzeptabel"
17.04.2012 | 19:40 Uhr 2012-04-17T19:40:00+0200
Velbert-Langenberg. Der vergangene Donnerstag, nachmittags gegen 17 Uhr. Passanten finden einen älteren Mann, der bewusstlos auf dem Langenberger Bahnhofsvorplatz liegt. Ein Mann fordert über das Handy einen Rettungswagen an. Es dauert 18 Minuten, bis der kommt - aus Heiligenhaus. Für die freiwilligen Helfer eine Ewigkeit.
Acht bis zwölf Minuten: So lange wartet man in NRW im Durchschnitt auf das Eintreffen eines Rettungswagens. WAZ-Leser Michael Thelen allerdings erlebte jetzt anderes: 18 Minuten vergingen, nachdem er und andere Passanten die Einsatzleitstelle wegen eines bewusstlosen Mannes am Langenberger Bahnhof alarmierte hatten. 18 lange Minuten, bis der Rettungswagen aus Heiligenhaus (!) schließlich am Unglücksort eintraf. „Völlig inakzeptabel“ nennt Michael Thelen diese Wartezeit – auch wenn, wie er schon während des Notrufs von den Einsatzkräften erfuhr, zu dieser Zeit vier Einsätze gleichzeitig in Velbert abliefen.
Rückblende. Der vergangene Donnerstag, nachmittags gegen 17 Uhr. Passanten finden einen älteren Mann, der bewusstlos auf dem Bahnhofsvorplatz liegt. „Einige Passanten kümmerten sich um den Mann, ein Herr setzte über Handy einen Notruf ab und forderte einen Rettungswagen an“, erinnert sich Thelen.
Dabei sei es zunächst zu Missverständnissen gekommen, da die Leitstelle nicht gewusst habe, wo in Langenberg der Bahnhof ist. „Einen Anruf und sage und schreibe 18 Minuten später traf dann der Rettungswagen aus Heiligenhaus ein“, berichtet Thelen. Am Telefon habe man ihm gesagt, dass im Moment vier Notfalleinsätze gleichzeitig liefen.
„Dass es Versorgungsgrenzen gibt, sagt mir die Logik“
„18 Minuten sind völlig inakzeptabel – auch wenn vier Einsätze gleichzeitig laufen“, meint der Langenberger. Was sei denn erst in einem Katastrophenfall wie bei einem Eisenbahn- oder Flugzeugunglück? Thelen: „Dass es Versorgungsgrenzen gibt, sagt mir die Logik. Aber vier Rettungswagen für 84 000 Einwohner in Velbert ist zu wenig.“
Womit Michael Thelen irrt. Jedenfalls, was die Zahl der Rettungswagen angeht. „Wir halten in Velbert drei Rettungstransportwagen 24 Stunden rund um die Uhr besetzt“, so Reinhard Lüdeke, Sprecher der Velberter Feuerwehr. Und so sei es auch durch den vierten, Langenberger Notfall am Donnerstagnachmittag erforderlich geworden, den Wagen aus Heiligenhaus anzufordern. „Wobei man sagen muss, dass 17 Minuten, die nach meiner Information bis zum Eintreffen des RTW in Langenberg vergingen, angesichts des Anfahrtsweges aus Heiligenhaus sogar noch eine ausgesprochen gute Zeit ist“, so der Feuerwehrsprecher.
Dass Paralleleinsätze den Rettungsdienst vor Probleme stellten, sei bekannt. „Aber sollten wir vielleicht 30 RTW vorhalten, um auch für ein Bus- oder Zugunglück gerüstet zu sein – wer sollte das bezahlen?“, gibt Lüdeke zu bedenken. Dass in Velbert drei Wagen vorgehalten würden, sei im übrigen auch keine Entscheidung gewesen, die in Velbert getroffen wurde. „Das ist im Rettungsdienst-Bedarfsplan festgelegt, an dessen Aufstellung der Kreis Mettmann, seine Kommunen und die Krankenkassen beteiligt sind.“
Dass die vielleicht doch noch einmal darüber nachdenken, ob für eine Stadt der Größe Velberts drei Rettungswagen tatsächlich ausreichend sind, würde sich Michael Thelen wünschen. „Ein solch gravierendes Problem, bei dem Menschenleben auf dem Spiel stehen, muss öffentlich gemacht werden“, meint der Langenberger. Und: „Es wäre wünschenswert, auch Antworten von der Politik zu diesem Problem zu erhalten.“
19:23
Süß, aber die Moral-Keule kann wieder getrostet in die Kiste zurück. "Sensationsgier" suchen Sie bei mir nach 12 Jahren bei einer der größten Berufsfeuerwehren vergebens...
Hätten Sie mal meinen Kommentar richtig gelesen, anstatt dort irgentwelche obskure Gedankengänge hinein zu Interpretieren, hätten Sie gemerkt das ich Problematik angesprochen habe, daß eine vielzahl der RET-Einsätze unnötig sind.
So brummt einen auch die logische Frage auf, ob es sich hier um einen wirklichen Notfall handelte, oder ob hier eine Geschichte etwas hochgepuscht wird.
Wäre nicht das erstemal, daß Tatsachen etwas gedehnt werden...
Und welche Gebühren denn dann für den Bürger steigen, wenn da ein RTW mehr in der Halle steht, da bin ich mal gespannt ob Sie darauf Antworten können.
13:04
Leider war man offensichtlich auf das Kreisgebiet begrenzt. Ggf. wäre ein RTW aus einer der angrnzende Städte Wuppertal,Essen Hattingen schneller vor Ort gewesen
12:10
Unser Land verkommt. Es wird alles wesentlich teurer und funktioniert nicht mehr. Das ist eben der Wahn von sogenannten Reformen. Reformieren heißt "besser machen" und nicht "schlechter". Politiker haben den Begriff wohl nicht begriffen!
12:05
Nicht zu vergessen, dass man am Telefon noch 2-3min belabert wird ob der RTW denn nun wirklich nötig sei
Und warum wird intensiv nachgefragt? Weil immer mehr Leute wegen eines Schnüpfchens den Rettungswagen rufen, weil sie zu bequem sind zum Arzt zu gehen, dort müssen sie ja warten, bis sie dran kommen......
So sieht es wohl aus. Allerdings weiß der Bürger auch was er sagen muß, damit der Disponent in Zugzwang kommt und einen RTW schicken muß. Traurige Realität hier...
Der Disponent in der Leitstelle ist verpflichtet diese Fragen zu stellen. Das macht er nicht aus Spaß oder um den Anrufer zu ärgern, sondern um die Schwere einer Erkrankung bzw. eines Unfalles festzustellen.
Denn kaum ein Bürger kennt die Unterschiede zwischen Notarzt, Rettungswagen und Krankenwagen oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die meisten glauben, das sei egal. Hauptsache es kommt irgend jemand.
Dem ist aber nicht so. Der Disponent stellt diese Fragen lediglich um zu entscheiden, welches dieser Einsatzmittel er einsetzen muß - und um so schneller und genauer der Anrufer die notwendigen Informationen gibt, um so schneller und besser kann umfassende Hilfe geleistet werden.
Der Anrufer hat deshalb selbst in der Hand, wie lange sein Notruf dauert und ob das richtige Einsatzmittel zum Einsatz kommt - oder gar später nachgefordert werden muß...
11:08
First Responder ist hier tatsächlich das Lösungwort, welches selbst bei der riesengroßen BF Dortmund angewendet wird - mit Erfolg.
Wenn alle RTWs raus sind, dann ist das nunmal so.
Allerdings würde mich interessieren, ob die drei RtWs auch KtW-Einsätze fahren.
Tragisch wäre es und auch zu reklamieren, wenn der letzte noch frei verfügtbare RTW zu diesem Zeitpunkt dann womöglich einen Krankentransport als Einsatz erhalten hätte.
Derartige Vorfälle habe ich in meinem Kreis schon mehrfach erlebt - und das wäre dann tatsächlich ein zu rügender Fehler beim Leitstellendisponenten.
09:34
@wolke286 und an77 - es ist doch völlig egal, was mit dem Mann war. In dem Artikel geht es um den Rettungsdienst und die benötige Zeit. Sie wollen nur ihre Sensationsgier befriedigen.
Wie die Vorredner schon ausführten, ist es in diesem Fall leider tragisch das 18 Minuten bis zum Eintreffen vergingen, jedoch bedeutet eine Aufstockung der Kapazitäten auch ein mehr an Gebühren für die Bürger.
Die Frage ist ja auch wie oft, sind alle Fahrzeuge gleichzeitig im Einsatz. Es sollte auch die Frage egstellt werden, was mit der Freiwilligen Feuerwehr Velbert-Langenberg war. Der Standort befindet sich in umittelbarer Nähe. Hätte von dort nicht auch erste hilfe geleistet werden können? War jemand vor Ort?
08:10
selbst wenn man jetzt ein First Responder Fzg anschafft, wird dieses ewig lange rum stehen und Steuergelder fressen, da es so gut wie nie zum Einsatz kommen wird.
Für den Mann allerdings alles Erdenklich Gute...
08:03
@ #10: Warum sollte man einen First Responder besetzten? Ich denke, dass der Kreis Mettmann sowas zwar besitzt, aber mal ehrlich, wenn Sie sich auch nur ein bischen mit dem Rettungsdienst oder der Feuerwehr auskennen, wie oft kommt so etwas vor, dass alle RTW gleichzeitig auf einen Einsatz sind? Das kann ich persönlich für unseren Kreis am 5 Fingern abzählen. Außerdem wird in den Bericht auch nicht geschrieben, ob das First Responder Fzg nicht auch schon mit eingebunden worden ist.
07:47
@ #10; Gut ich kenne die örtlichen Gegebenheiten in Velbert zwar nicht, aber vielleicht sollte man dort trotzdem aufstocken, es muss nicht Gleich der 4te RTW sein, aber 1-2 Freiwillige Feuerwehren zum First- Responder auszubauen erscheint dort dann als sehr sinnvoll, und hält sich von den Kosten her auch sehr im Rahmen.
07:45
Genau wie An77 frage ich mich, was mit dem Mann denn nun war und wie es ihm geht. Aber es scheint wichtiger zu sein über die Anzahl von RTW zu diskutieren als über das Leben eines Menschen zu berichten.