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EINE STUNDE FASTENBRECHEN

Zeit der Besinnung

11.09.2008 | 16:28 Uhr
Zeit der Besinnung

Erst wenn die Sonne untergeht, dürfen die Muslime im Ramadan zu Wasser und Brot greifen. Bei einem Festmahl im Vereinszentrum brachen die Gläubigen und Ratsmitglieder das Fasten gemeinsam

Recklinghausen. Eine Gruppe Mädchen mit Kopftuch steht vor einem Kiosk an der Dortmunder Straße. In den Händen halten sie angebissene Negerküsse, die Münder sind mit Schokolade verschmiert.

Fastenbrechen im Ramadan. . Der Verband islamischer Kulturzentren e.V. feierte an der Dortmunder Straße in Recklinghausen sein Fastenbrechen mit türkischen Spezialitäten. Foto- WAZ: Reiner Kruse

Gegenüber warten Männer in den Räumen des Verbands islamischer Kulturzentren auf den Sonnenuntergang. Mehr als zwölf Stunden haben sie nicht mehr gegessen und getrunken, so wie es der Koran im Fastenmonat Ramadan gebietet.  Vor der Pubertät muss nicht gefastet werden, deswegen können die Kinder genüsslich weiterschlemmen, während nach und nach die Besucher in der Mosche eintrudeln. Auf Socken begeben sie sich in den Versammlungsraum, die Schuhe mussten sie am Eingang ausziehen. Der weiche Teppich verschluckt die Geräusche der Schritte, die Stille ist irgendwie besinnlich, man kommt langsam zur Ruhe.  Die Tische im Veranstaltungsraum sind zu einer großen Tafel zusammengeschoben und feierlich gedeckt. Auf roten Tischdecken stehen Körbe mit Fladenbrot, Salat und kleine Tellerchen mit Datteln bereit. „Es ist Tradition beim Fastenbrechen zuerst eine Dattel zu essen, so wie Mohammed es gemacht haben soll”, sagt Gemeindemitglied Bozkurt Sami, dessen Frau das Essen für diesen Abend gemeinsam mit anderen Frauen geplant und vorbereitet hat.

Plötzlich ertönt die Stimme des Muezzins und ruft zum Gebet. Ein Blick auf die Uhr bestätigt: Vier Minuten nach acht. Offiziell ist dies die Zeit, zu der heute die Sonne untergeht. Die türkischen Männer reihen sich in der Mosche vor der Gebetsnische auf, wo Imam Mustafa Duman bereits in einen Mantel gehüllt wartet. Auf dem Kopf trägt er die Takke, eine Kopfbedeckung, die Muslime beim Gebet tragen, und auch die anderen Muslime ziehen sie nun aus den Taschen ihrer Anzüge. Gemeinsam sinken sie auf die Knie und beten. Immer wieder pressen sie ihre Stirn auf den Boden, verneigen sich vor Allah.  Kurz darauf ist Essenszeit. Und mit dem Biss in die Dattel ändert sich auch die Stimmung. Aus einer besinnlichen Gebetsatmosphäre entwickelt sich ein munteres Bankett.

 „Die Zeit ist immer sehr schön”, sagt Hasan Yilmaz: „Wir laden uns gegenseitig zum Essen ein und verbringen viel Zeit miteinander.”  Ferdinand Zerbst ist beeindruck. Der stellvertretende Bürgermeister und einige Ratsmitglieder waren der Einladung des Vereins zum gemeinsamen Fastenbrechen gefolgt und staunten. „Ich bewundere ihre Gottgläubigkeit”, sagt Ferdiand Zerbst und probiert die Hühnersuppe, die die Männer auftischen. Der Ramadan erfordert Disziplin, gibt Bozkurt Sami zu: „In den ersten Tagen greift man zwischendurch automatisch zum Wasser, ich habe sogar schon einmal aus Versehen gegessen.” Doch der Körper gewöhnt sich an den Rhythmus und was man tagsüber verpasst wird abends nachgeholt: „Ich nehme während des Ramadans weder ab noch zu”, schmunzelt Sami und beißt genüßlich in ein Stück Fleisch.

Florian Rinke

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