Das aktuelle Wetter Unser Vest 15°C
Knappschaftskrankenhaus...

Wenn Pfunde krank machen

03.11.2008 | 21:01 Uhr

„Ich bin wieder da!” So begrüßt Tatjana Stavrakakis (36) Bekannte, denen sie seit einigen Wochen wieder auf der Straße begegnet. Denn nachdem die Hertenerin, die seit ihrer Jugend an schwerer Adipositas (Fettsucht) leidet, in vier Monaten über 60 Kilo abgenommen hat, nimmt sie wieder teil am Leben.

Eine operative Verkleinerung des Magens, durchgeführt im Adipositaszentrum am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, hat ihr dabei geholfen. So erzählt es Tatjana Stavrakakis an diesem Montag beim Gesundheitstreff am WAZ-Stand auf der Verbrauchermesse „Mode, Heim, Handwerk” in Essen. An dem Stand also, an dem Prof. Dr. Martin Büsing (48), Chefarzt der Chirurgie des Knappschaftskrankenhauses, seine Oberärztin Dr. Raute Riege (43) und Dr. Jörn Halter (32) das Messepublikum über die „Übergewichtschirurgie” informieren.

Veranlagung, hormonelle Erkrankungen, vor allem aber ein moderner Lebensstil mit viel zu viel (falschem) Essen und viel zu wenig Bewegung: Es sind allgemein bekannte Ursachen, die Menschen dick und dicker, zunehmend mehr sogar krankhaft fettsüchtig werden lassen. Nicht ohne oftmals schwere gesundheitliche Folgen, sagt Dr. Raute Riege: von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Diabetes und Bluthochdruck bis hin zu körperlichem Verschleiß und Fettstoffwechselstörungen.

Mitunter könne solches Wissen einem Menschen helfen, sein Übergewicht ohne eine OP in den Griff zu bekommen, wenn er sich solche Gefahren für die eigene Gesundheit klar mache, so die Medizinerin. Wenn man ihm etwa sage, dass er nur durch zehn Kilo weniger auf der Waage sein Gesamtcholesterin um zehn Prozent senken könne, ebenso der Nüchternblutzucker deutlich weniger werde.

Wenn jemand aber adipös zweiten Grades sei – wovon Experten ab einem Body-Maß-Index (Körpergewicht geteilt durch das Körpermaß in Metern zum Quadrat) ab 35 sprechen – und dazu noch schwerwiegende gesundheitliche Probleme habe, dann sollte man einen chirurgischen Eingriff vornehmen, sagt Dr. Raute Riege: „Dabei geht es nicht um die Umsetzung eines Schönheitsideals, sondern darum, die Gefahr für Folge-Erkrankungen zu reduzieren.”

Was sich medzinisch alles machen lässt? Nun, am Knappschaftskrankenhaus (das pro Jahr rund 150 Operationen zur Gewichtsreduktion vornimmt) können sich krankhaft Übergewichtige zum Beispiel einen Magenballon implantieren oder ihren Magen mittels eines Bandes verkleinern lassen. Und auch ein so genannter „Schlauchmagen” kann ihnen beim Fett verlieren helfen. So wie Tatjana Stavrakakis. Sie habe „alles versucht, was man halt so macht”, um wieder schlank(er) zu werden, sagt die Hertenerin. Diäten, Weight Watchers – ohne Erfolg. Die Operation war für sie der letzte Ausweg . . .

Auch Jan Justrie (47) trägt sich mit dem Gedanken, einen solchen Eingriff vornehmen zu lassen; seit Jahren schon kämpft der zwischen 120 und 150 Kilo schwere Recklinghäuser gegen seine Pfunde. Und um ein dauerhaft besseres Essverhalten. Ohne Fressanfälle mit zehn Tafeln Schokolade am Tag.

Dass auch das (Wieder)-Erlernen gesunder Lebens- und Ernährungsgewohnheiten für den Erfolg eines chirurgischen Eingriffs zur Reduzierung krankhaften Übergewichts maßgeblich ist, betonen Prof. Dr. Martin Büsing und seine Mitarbeiter vom Knappschaftskrankenhaus. Das indes geht nicht von heute auf morgen. „Man muss viel Zeit in die Ernährungsumstellung investieren”, sagt Tatjana Stavrakakis. „Im Kopf ist man auch nach der OP schließlich erst mal immer noch adipös.”

Sabine Kruse

Facebook
 
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1142238/create

Aktuelle Fotos und Videos
2. Firmenlauf in Oer-Erkenschwick
Bildgalerie
Spaß-Teamlauf
Traum eines lächerlichen Menschen
Bildgalerie
Theaterprojekt
Deutscher Mühlentag
Bildgalerie
Volksparkl Marl
Aus dem Ressort
Superintendent Burkowski wechselt nach Berlin
Personalwechsel in der...
Eigentlich sollte er am 23. Juni bei der Kreissynode für seine dritte Amtsperiode kandidieren, seine Wiederwahl galt als sicher. Aber nach 16 Jahren als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises verlässt Peter Burkowski überraschend Recklinghausen. Der 53-jährige Familienvater dreier
Wie viel Brandschutz muss sein?
Kreishaus- und...
Eine große, mindestens 40 Millionen Euro teure Renovierung des Kreishauses ist vom Tisch. „Auf Drängen der Städte werden wir auf eine energetische Sanierung verzichten“, lässt Landrat Cay Süberkrüb (SPD) in einer Erklärung wissen. „Die kurzfristige Sicherung der kommunalen Liquidität steht derzeit