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Wenn die Haut verrückt spielt

26.11.2009 | 18:29 Uhr

Seit zwei Jahren leidet Waltraud Bergemann (65) unter starkem Juckreiz und einem Ekzem. Nun wird sie im Krankenhaus behandelt.

Jedes Mal, wenn der Tag sich dem Ende entgegen neigt, juckt's Waltraud Bergemann (65) fast unbeherrschbar stark in den Fingern. Größer und größer wird bei ihr dann der Drang, sich zu kratzen. An Armen, Beinen, am Hals, ihrem Bauch, ihrem Rücken . . .

„Wenn man zur Ruhe kommt”, sagt sie, „dann ist der Juckreiz besonders schlimm.”

Mit roten Punkten

fing es an

Seit eineinhalb Wochen lässt sich die Dorstenerin im Knappschaftskrankenhaus wegen eines Hautproblems behandeln, von dem Experten zufolge aktuell 14 Prozent aller Deutschen betroffen sind. Und sogar fast jeder Vierte, sagt Dr. Ursula Materna, die Leitende Oberärztin der Abteilung für Haut-, Allergie-, Venen- und Umwelterkrankungen in der Klinik im Recklinghäuser Norden, verspürt im Laufe seines Lebens mindestens einmal einen über mehr als sechs Wochen anhaltenden Juckreiz.

Waltraud Bergemanns Leidensgeschichte begann vor zwei Jahren. Den roten Punkten auf Unterarmen und Oberschenkeln, die „von jetzt auf gleich da waren”, schenkte sie zunächst noch keine Beachtung. Dann aber veränderten sich die Stecknadelkopf kleinen Stellen, wuchsen sich aus zu erbsengroßen quaddelartigen Knoten. Die sahen nicht nur unschön aus („Zum Glück ist zumindest mein Gesicht nicht betroffen”), sondern sie juckten auch. Stark. Ständig. „Das war das Schlimmste.”

Sie ging zu ihrem Hausarzt, der verschrieb ihr eine Salbe – ihr Leiden linderte diese nicht. Nach einem Besuch bei einem niedergelassenen Dermatologen („Sie haben nichts Schlimmes, nichts Ansteckendes. Aber vermutlich etwas Chronisches.”) begab sich Waltraud Bergemann im April diesen Jahres erstmals ins Knappschaftskrankenhaus. Drei Wochen lang wurde sie dort behandelt, mit Kaltlichttherapie, Salben, Medikamenten . . .

Erfolgreich.

Doch nach einigen Wochen kehrten das rossettenförmige Ekzem („Prurigo simplex chronica”) und der Juckreiz wieder zurück.

Die Ursache für Waltraud Bergemanns „in Schüben” verlaufendes Hautleiden? „Multifaktoriell”, sagt Dr. Ursula Materna. Ihre trockene Haut, eine mögliche, noch unentdeckte Allergie, die nicht mehr ganz so gut arbeitende Niere: Dies alles kann ihre Beschwerden ausgelöst haben. Und vielleicht auch eine psychische Belastungssituation: Einige Zeit, bevor die quaddelartigen Knoten vom Körper der quirligen Frau Besitz ergriffen, starben Eltern und Lebenspartner . . .

Aktuell wird Waltraud Bergemann mit Juckreiz stillenden Salben und Tabletten behandelt, die ersten Tage in der Klinik erhielt sie auch die so genannte Fototherapie, eine medizinische Bestrahlung mit Licht. „Das Jucken”, sagt sie heute, „ist zwar immer noch da. Aber”, ihre Stimme klingt froh, „es geht mir schon wieder besser.” So gut, dass sie optimistisch ist, dass ihr Juckreiz sie diesmal möglichst lange: nicht juckt.

WAZ-Medizinforum zum Thema

Am 1. Dezember, 18.30 Uhr, veranstalten WAZ im Vest und Klinikum Vest im Knappschaftskrankenhaus RE (Dorstener Str. 151) ein Medizinforum über Juckreiz und Ekzeme – u. a. mit Prof. Dr. Rolf-Markus Szeimies, dem Chefarzt der Dermatologie. Eintritt frei. Anmeldung erwünscht: 01802 40 40 72.

Sabine Kruse

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