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Wegwerfgesellschaft macht zornig

29.08.2010 | 16:28 Uhr
Wegwerfgesellschaft macht zornig
Sommerfest im Tierheim Marl am Samstag, 28.08.2010 im Tierheim an der Knappenstraße 81. Informierten: Die Frettchenfreunde Rhein-Ruhr, Tanja Fink (35) li. aus Essen und Sibylle Heuer (48) aus Mühlheim. Foto: Lutz von Staegmann / WAZ-FotoPool

Marl. „Ich hab ein Häschen gefunden.“ Julia (10) berichtet Annegret Gellenbeck aufgeregt von ihrem Fund. Das Kaninchen wurde im Garten von Katzen bedrängt und in Sicherheit gebracht.

Jetzt hat Julia Fotos mitgebracht, um den Besitzer ausfindig zu machen. Wenn der sich nicht meldet, könnte sie das Tier behalten, aber „mir wäre lieber, der meldet sich, der vermisst sein Tier doch bestimmt.“ Sagt die Kleine. „Das sind die Tierschützer von morgen“, freut sich Gellenbeck, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Marl/Haltern, der am Wochenende sein Sommerfest feierte.

Eine Tierpflegerin und sechs Teilzeitkräfte sowie 20 Ehrenamtliche – wie Gellenbeck selber – kümmern sich um zurzeit über 30 Hunde, über 100 Katzen und etwa 25 Kleintiere. Das Heim mit seinen Anlagen stellte sich Hunderten von Besuchern vor, für die Tierschützer auch eine Gelegenheit, Kunden einzuladen und zu sehen, wie sie mit ihren Tieren klarkommen.

Das Programm war vielfältig. Das Netzwerk „Hunde mit Handicap“ gab einen Einblick in das Leben behinderter Hunde, die Frettchenfreunde stellten sich vor, Besucher konnten ihr Haustier zum Angebotspreis unter dem Motto „Chip-Chip-Hurra“ mit einem kleinen elektronischen Bauteil registrieren lassen...

Das Tierheim mit seinen über 500 Mitgliedern im Förderverein konnte in Kooperation mit dem WDR kürzlich zwei Notfallhunde vermitteln: den 16-jährigen Rauhaardackel Kobold nach einem Schlaganfall und den mindestens zwölf Jahre alten Jack Russell Karlchen, dem ein Auge fehlt und der etwas senil ist. Weniger erfreulich sei es, haben Gellenbeck und ihr Team bemerkt, dass gerade eine Katzenflut über sie hereinbricht. „Das ist immer um die Zeit so, wenn der Nachwuchs kommt“, seufzt die Tierschutzvorsitzende Christa Radtke.

Außerdem kommen seit einem Jahr zunehmend alte Hunde von acht bis 16 Jahren ins Heim, die nur schwer zu vermitteln sind. „Wenn die so lange in einer Familie waren und hier landen, bricht für die eine Welt zusammen“, erklärt Gellenbeck. „Für diese Tiere suchen wir händeringend Pfleger – zur Not übernehmen wir die Tierarztkosten, damit sie ein schönes Plätzchen haben.“ Die wirtschaftliche Lage zwinge wohl viele Menschen dazu, sich von ihrem „Liebling“ zu trennen. „Aber ich glaube, manches liegt an der Einstellung unserer Wegwerfgesellschaft – das macht uns zornig!“

Oliver Mengedoth

Kommentare
31.08.2010
07:06
Wegwerfgesellschaft macht zornig
von Antonietta | #1

Nur wer ein Tier aus dem Tierschutz zu sich holt, anstatt das Geschäft mit der Ware Tier durch Nachfrage weiter zu fördern, hilft Tierelend auf lange...
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3620852
Wegwerfgesellschaft macht zornig
Wegwerfgesellschaft macht zornig
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2010-08-29 16:28
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