Was für ein Schrott!
08.07.2007 | 23:17 Uhr 2007-07-08T23:17:19+0200Der Dattelner Landwirt Theodor Schlüter (61) verwandelt rostigen Müll und ausrangierten Hausrat in fantastische naive Figuren. So wird ein Bauernhof zum Skulpturenpark
Datteln. Ob im Rosengarten oder Wohnzimmer, in der Gästetoilette oder auf der Terrasse: Aus allen Ecken gucken den Besucher komische Gestalten aus noch merkwürdigeren Augen an. Käpt'n Blaubär lugt mit blanken Billardkugel-Augäpfeln hinter einem Busch hervor. Ein Männchen strahlt einen aus reizenden Kaffeelöffel-Augen an und über allem blickt gelassen eine riesige Giraffe mit ihrem Kopf aus Autoschrott hinweg.
Alles Schrott hier? Schon, aber was für einer! Der Vater der liebevoll zusammen geschweißten, fantastischen Figuren heißt Theo Schlüter und ist von Haus aus nicht Künstler, sondern Landwirt. Neben drei Kindern aus Fleisch und Blut gehören inzwischen 180 Skulpturen, allesamt entstanden aus Abfall, kaputtem Wohlstandsmüll und verrostetem Altmaterial, zur Familie. Sie bevölkern den Bauernhof in Datteln-Hagem und verwandeln ihn in einen gigantischen, äußerst originellen Skulpturenpark.
Schon von der Straße aus begrüßen auf der Wiese fünf riesige Gestalten vorbeifahrende Autofahrer. Theo Schlüter nennt sie "Die fünf Sinne". Wer neugierig wird und auf die Bremse tritt, entdeckt schnell noch ein paar mehr der Schrott-Figuren. Im "Bussi-Bus" lachen sich zwei quietschgelbe Gesichter in einem himmelblauen Gefährt zu. Gleich neben der Haustür empfangen Don Quichote, sein Pferd Rosinante und sein treuer Sancho Pansa die Gäste.
Der 61-jährige Hobbykünstler, aufgewachsen in Meckinghofen, lebt seit 1959 auf dem Bauerhof Im Löhninghof. Durch einen Zufall kam er 1990 auf die Idee, aus herumliegenden Schrottteilen einen Storch zu basteln. "Danach habe ich erst einmal durch einen Freund das richtige Schweißen gelernt", erinnert sich der Landwirt an den Start in seine neue Leidenschaft. Ab dann ging es Schlag auf Schlag. Immer neue Viecher und Figuren erblickten das Licht der Welt.
Verkaufen? "Nein", schüttelt der Bauer den Kopf, "das bringe ich nicht über mich." Obwohl durchaus so mancher Gast bereits Gefallen an den ungewöhnlichen Objekten gefunden hat. Manchmal verschenkt Theo Schlüter das eine oder andere Teil, den meisten aber hält er die Treue. Werke auf Bestellung gibt's bei diesem Künstler nicht. Denn zuerst ist stets das Material da, "und dann setzt meine Fantasie ein". Und was die fabriziert, ist nicht vorher zu sehen.
Arbeitsmaterial hat sich inzwischen eine ganze Menge angehäuft. Die Werkstatt in der Scheune sieht aus wie ein gewaltiger Schrottplatz. Hier stapeln sich ausrangierte Treckerteile, Harken, Gabeln, Autoreste, Töpfe, Kannen und sogar eine Gugelhupfform. Entdeckt auf so manchen echten Schrottplätzen, einiges von Freunden geschenkt, eines aber nie: gekauft.
Zu seiner ersten Kritikerin gehört Frau Mechthild, aber auch die drei Kinder begutachten gerne die neuen Objekte. Den Lehrer mit seinem Schüler zum Beispiel, entstanden aus Ofenrohren und Köpfen, die einem Bäcker einst als Quirl dienten. Während vor dem Hof das neue Kraftwerk entsteht, wächst auf der Wiese hinterm Haus ein rostiger Kühlturm aus ausrangierten Halterungen von Eisenbahnschienen in den Himmel. Garantiert umweltfreundlich."Zuerst ist das Material da und dann kommt die Idee"
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